US-Demokraten kritisieren Trumps Treffen mit Kim

Der US-Präsident «verhätschle» und «hofiere» Diktatoren – es gibt aber auch Zuspruch für Trumps Vorgehen.

US-Präsident Trump hatte Nordkoreas Machthaber Kim am Sonntag in der entmilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea getroffen. Foto: Keystone/KCNA/EPA

US-Präsident Trump hatte Nordkoreas Machthaber Kim am Sonntag in der entmilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea getroffen. Foto: Keystone/KCNA/EPA

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Mehrere demokratische US-Präsidentschaftsbewerber haben das jüngste Treffen von Präsident Donald Trump mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un scharf kritisiert.

«Unser Präsident sollte amerikanischen Einfluss nicht für Fototermine und den Austausch von Liebesbriefen mit einem rücksichtslosen Diktator vergeuden», schrieb die Senatorin Elizabeth Warren am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Der aussichtsreiche Präsidentschaftsbewerber Joe Biden warf Trump vor, Kim zu «hofieren».

Diktatoren «verhätscheln»

Der Republikaner Trump hatte Kim am Sonntag in der entmilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea getroffen. Als erster US-Präsident der Geschichte betrat er dann nordkoreanischen Boden. Er hatte Kim das Treffen am Rande des G20-Gipfels im japanischen Osaka überraschend via Twitter angeboten.

Indem er Diktatoren «verhätschelt», schade Trump der nationalen Sicherheit der USA und schwäche die Stellung des Landes auf der Weltbühne, erklärte ein Sprecher von Bidens Wahlkampfteam. Trump habe dem nordkoreanischen Machthaber bereits zahlreiche Zugeständnisse gemacht und dabei kaum etwas erreicht.

In den Atomverhandlungen zwischen beiden Ländern herrschte zuletzt Stillstand. Nachdem Kim in einem ersten Treffen mit dem US-Präsidenten in Singapur einer Denuklearisierung grundsätzlich zugestimmt hatte, war ein zweites Gipfeltreffen in Hanoi im Februar ohne Ergebnis abgebrochen worden.

Sanders: Keine schlechte Idee

Aus den Reihen der Opposition kam allerdings auch verhaltener Zuspruch für Trumps Vorgehen: Bernie Sanders, ebenfalls ein aussichtsreicher Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, sagte, er habe «kein Problem» mit dem Treffen. «Sich mit unseren Gegnern an einen Tisch zu setzen ist keine schlechte Idee», sagte Sanders im Fernsehsender ABC.

Er würde sich wünschen, Trump täte dies auch im Nahen Osten und am Persischen Golf, fügte er hinzu. Auch Sanders war allerdings der Meinung, dass im Verhältnis mit Nordkorea grössere diplomatische Anstrengungen als Fototermine nötig seien.

Nordkorea: «Grossartiges Ereignis»

Die Staatsmedien in Nordkorea haben das Treffen des Machthabers Kim Jong Un mit US-Präsident Donald Trump am Sonntag an der innerkoreanischen Grenze als Erfolg bezeichnet.

66 Jahre nach der Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens habe im Grenzort Panmunjom ein «grossartiges Ereignis» stattgefunden, bei dem sich die höchsten Anführer beider Länder mit einem historischen Handschlag begrüsst hätten, berichteten die Medien des abgeschotteten Landes am Montag. Panmunjom sei vorher als «Symbol der Teilung» bekannt gewesen. In Panmunjom wurde 1953 ein Waffenstillstand zur Beendigung des Korea-Kriegs (1950-53) vereinbart. Er gilt immer noch, ein Friedensvertrag kam nie zustande.

Kim und Trump hätten sich darauf geeinigt, in engem Kontakt zu bleiben und einen produktiven Dialog voranzutreiben, um einen «neuen Durchbruch bei der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel und in den bilateralen Beziehungen zu erzielen», hiess es. Kim und Trump seien mit den Gesprächen sehr zufrieden gewesen. (anf/sda)

Erstellt: 01.07.2019, 11:57 Uhr

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