US-Telekommunikationskonzern half der NSA

Neue Snowden-Dokumente zeigen offenbar: Der Telekommunikationsriese AT&T hat dem US-Geheimdienst Milliarden Mail- und Telefondaten geliefert.

Bringt erneut Schwung in die Geheimdienst-Affäre: Der US-Whistleblower Edward Snowden. (hier auf der Cebit, 18. März 2015)

Bringt erneut Schwung in die Geheimdienst-Affäre: Der US-Whistleblower Edward Snowden. (hier auf der Cebit, 18. März 2015) Bild: Ole Spata/Keystone

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Der US-Telekommunikationskonzern AT&T hat Medienberichten zufolge dem US-Geheimdienst NSA «bereitwillig» Zugang zu Milliarden E-Mails gegeben, die durch seine Netzwerke zirkulierten. Das geht aus Dokumenten des früheren US-Geheimdienstlers Edward Snowden hervor.

Im Rahmen des 1985 gestarteten Programms «Fairview» habe AT&T dem Geheimdienst auch erlaubt, über die von ihm betriebenen Leitungen die Internetkommunikation des UNO-Hauptquartiers in New York zu überwachen, berichteten die Zeitung «The New York Times» und die Rechercheorganisation «ProPublica» am Samstag unter Berufung auf neue Dokumente Snowdens.

Täglich 1,1 Milliarden Handygespräche

Der Konzern habe sich «sehr kooperativ» gezeigt und eine «extreme Bereitschaft zu helfen» bewiesen, schrieben die Medien. Laut den Dokumenten gewährte AT&T dem Geheimdienst von 2011 an Zugang zu den Daten von täglich 1,1 Milliarden Handygesprächen. AT&T und andere Firmen werden in den Dokumenten nur mit Codenamen genannt, doch identifizierten frühere Geheimdienstmitarbeiter die Unternehmen. Es war unklar, ob die Programme heute noch weiter laufen. Die Dokumente Snowdens stammten von 2003 bis 2013.

Ein Unternehmenssprecher von AT&T betonte, dass die Firma Ermittlungsbehörden keine Informationen ohne entsprechenden Gerichtsbeschluss gebe, ausser wenn Gefahr in Anzug sei. Den Berichten zufolge erfolgte die Überwachung der Kommunikation der Vereinten Nationen auf Anweisung des geheimen Sondergerichts Foreign Intelligence Surveillance Court.

Allein das Programm «Fairview» kostete die NSA den Berichten zufolge im Jahr 2011 188,9 Millionen Dollar. Das zweitgrösste Programm namens «Stormbrew» schlug demnach mit 66,8 Millionen Dollar zu Buche. (mlr/sda)

Erstellt: 16.08.2015, 08:51 Uhr

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