Venezuela muss Benzinpreise anheben

Die Staatsfinanzen in Venezuela sind am Boden. Präsident Nicolas Maduro subventionierte bislang das Benzin mit jährlich zehn Milliarden Dollar. Das soll nun vorbei sein.

Eine Flasche Wasser kostet mehr als ein voller Benzintank: Ein Tankstellenmitarbeiter bei der Arbeit. (17. Februar 2016)

Eine Flasche Wasser kostet mehr als ein voller Benzintank: Ein Tankstellenmitarbeiter bei der Arbeit. (17. Februar 2016) Bild: Juan Barreto/AFP

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Nirgendwo auf der Welt kann man so billig tanken wie in Venezuela, eine Flasche Wasser kostet weit mehr als ein voller Tank. Doch wegen der miserablen Staatsfinanzen hat Präsident Nicolas Maduro nun zum ersten Mal seit rund 20 Jahren eine Preiserhöhung angekündigt.

Das wirtschaftlich stark angeschlagene Land mit den grössten Ölreserven der Welt subventioniert das Benzin bisher mit rund zehn Milliarden US-Dollar im Jahr. «Wir haben das billigste Benzin der Welt. In den USA kostet ein Liter mindestens 0,78 Dollar (...) und in Venezuela nur 0,01 Dollar-Cent», verteidigte der sozialistische Präsident Nicolás Maduro in einer Ansprache die Massnahme.

Politisch heikel

Diese sei notwendig, um die tiefe Krise zu bekämpfen. Die Opposition, die im Dezember bei der Parlamentswahl eine Mehrheit in der Nationalversammlung erringen konnte, wirft ihm Misswirtschaft vor und strebt ein Referendum zu seiner Abwahl an.

Eine Benzinpreis-Erhöhung galt bisher aus politischen Gründen als sehr heikel, 1989 war es bei einem solchen Vorhaben zu schweren Unruhen mit hunderten Toten gekommen («Caracazo»). Nun soll der Liter Benzin rund einen Bolivar kosten (91 Oktan) beziehungsweise 6 Bolivar für 95 Oktan – was bei einem Geldwechsel auf dem Schwarzmarkt immer noch bedeutet, dass 100 Liter Benzin nur knapp 15 Dollar-Cent kosten beziehungsweise 75 Dollar-Cent.

Geld für Sozialprogramme

Aber die Devisen sind knapp und die Inflationsrate mit über 200 Prozent die höchste der Welt, weshalb viele Bürger gegen die zahlreichen Preissteigerungen aufbegehren.

Auf dem Schwarzmarkt kann der Dollar derzeit zu 800 bis 1000 Bolivar gewechselt werden. Präsident Maduro kündigte an, dass der offizielle Wechselkurse etwa für Touristen künftig bei einem Dollar zu 200 Bolivar liegen soll.

Der sich komplett im Staatsbesitz befindliche Konzern PDVSA ist das grösste Erdölunternehmen Lateinamerikas – und schwer unter Druck. Mit seinen Einnahmen werden die Sozialprogramme für untere Schichten finanziert. Bei einem Ölpreis von unter 30 Dollar je Barrel ist das kaum noch möglich.

Das Unternehmen hat rund 150'000 Mitarbeiter und hat nach eigenen Angaben Förderkosten von 13 Dollar je Barrel Erdöl. Die Fördermenge soll derzeit 2,8 Millionen Barrel Öl und Flüssiggas pro Tag betragen. Venezuela bemüht sich im Rahmen des Ölkartells Opec darum, dass der globale Ölpreis rasch wieder steigt. (chk/sda)

Erstellt: 18.02.2016, 04:03 Uhr

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