Venezuela kehrt Amerika den Rücken

Die venezolanische Aussenministerin kündigte an, den Austrittsprozess aus dem amerikanischen Staatenbund einzuleiten.

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Venezuelas Regierung kehrt inmitten der schweren politischen Krise im Land der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) den Rücken. Aussenministerin Delcy Rodríguez kündigte am Mittwoch in einer Fernsehansprache den Austritt des Landes aus dem Staatenbund an.

Präsident Nicolás Maduro habe angeordnet, am Donnerstag ein Beschwerdeschreiben an die OAS zu übergeben, das den 24 Monate dauernden Austrittsprozess einleiten werde, sagte Rodríguez im staatlichen Fernsehen. Sie nannte die in Washington ansässige OAS eine von den USA angeführte «interventionistische Koalition».

Die OAS, der 35 Mitgliedsstaaten angehören, hatte sich zuvor wiederholt besorgt über die politische Krise in Venezuela geäussert. OAS-Generalsekretär Luis Almagro, Uruguays früherer Aussenminister, ist einer der prominentesten internationalen Gegner der sozialistischen Regierung in Caracas. Staatschef Maduro bezeichnete er als «Diktator». Er sprach sich für Sanktionen gegen Venezuela aus und forderte Neuwahlen in dem südamerikanischen Land.

Staatsfeind Almagro

Die Demokratie in Venezuela sei «tödlich verletzt», sagte er vor kurzem. Für die Sozialisten in Venezuela ist der Uruguayer längst ein Staatsfeind. Zu Ostern brannten in dem Land Judas-Figuren mit dem Konterfei Almagros.

«Niemals werden wir zulassen, dass kriecherische Lohnsklaven Venezuela beleidigen», meinte Aussenministerin Rodríguez. «Venezuela zieht sich aus der OAS zurück für seine Würde, Unabhängigkeit, Souveränität, für den Frieden und die Zukunft des Vaterlandes.» Am Mittwoch beschloss die OAS mit einer Mehrheit von 19 Stimmen, ein Krisentreffen der Aussenminister der Mitgliedstaaten einzuberufen, um über die Lage in Venezuela zu beraten.

Erneut Tote

Venezuela wirft der OAS vor, ein Handlanger der USA zu sein. Es ist die älteste Regionalorganisation zur Zusammenarbeit von Staaten. Maduro kritisiert die OAS, sich mit der scharfen Kritik von über der Hälfte der Mitgliedsstaaten in innere Angelegenheiten einzumischen.

Die Lage in Venezuela ist seit Wochen äusserst angespannt. Seit Anfang April kamen 32 Menschen ums Leben, auch der Mittwoch war mit zwei Toten wieder blutig. Der Bürgermeister des Stadtteils Chacao in Caracas, Ramón Muchacho, teilte mit, dass ein 20-Jähriger durch eine in sein Gesicht abgefeuerte Tränengasgranate getötet worden sei.

Maduro wittert Verschwörung

Zudem starb ein durch Schüsse verletzter 22-Jähriger im Spital der Stadt Valencia. Laut Generalstaatsanwältin Luisa Ortega wurden bisher fast 500 Menschen verletzt und über 1200 festgenommen. Maduro wittert eine Verschwörung von konservativen Kreisen und dem Ausland gegen seine sozialistische Regierung.

Die Organisation Amerikanischer Staaten soll die Demokratie sowie die Menschenrechte verteidigen und die Kooperation zwischen den Ländern stärken. Zwar halten Venezuelas Verbündete wie Bolivien, Ecuador und Nicaragua weiter zu Maduro, während grosse Mitgliedsstaaten wie die USA, Mexiko, Brasilien und Argentinien die Lage scharf kritisieren. (chk/sda)

Erstellt: 27.04.2017, 01:07 Uhr

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