Verbietet Waffen, keine Websites

Auf 8chan radikalisierte sich der Attentäter von El Paso. Wenn man die Plattform abschaltet, verschwinden die Ideen allerdings nicht.

Vereint in Trauer: Emma Del Valle (links) und Brenda Castaneda gedenken der Opfer vor dem Einkaufszentrum in El Paos, in dem 20 Menschen erschossen wurden. Foto: Keystone

Vereint in Trauer: Emma Del Valle (links) und Brenda Castaneda gedenken der Opfer vor dem Einkaufszentrum in El Paos, in dem 20 Menschen erschossen wurden. Foto: Keystone

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«Willkommen in der finstersten Ecke des Internets», begrüsst 8chan seine Besucher. Finster in der Tat – und rassistisch, inhuman und ekelhaft. 8chan ist der Ort, wo der Attentäter von El Paso ein vierseitiges Manifest veröffentlicht hat, weniger als eine Stunde bevor er 20 Leute erschossen und 26 verletzt hat. Er nannte die anderen Nutzer dieses finsteren Forums seine Brüder. Und forderte seine Brüder auf, seine Botschaft des Hasses zu teilen und zu verbreiten.

Hassverbrecher wollen, dass andere ihnen folgen – mit Wort und mit Tat. Und die Rekrutierung auf 8chan funktioniert. Schon die Massaker auf Moscheen in Christchurch und eine Synagoge in Kalifornien waren dort angekündigt worden.

Da wundert es nicht, dass Rufe nach Verboten laut werden. Sogar der ursprüngliche Entwickler fordert die Schliessung: Aus seinem Utopia für die freie Rede sei ein Megafon für weisse Nationalisten geworden, sagte Fredrick Brennan in einem Interview.

Je weiter man die radikalen Internetnutzer in den digitalen Untergrund treibt, desto schwieriger ist es, sie zu erreichen.

Dabei müsste er es besser wissen: Brennan hat 8chan nur gestartet, weil ihm selbst 4chan zu «autoritär» geworden war. 4chan ist genauso anonym wie 8chan, wird aber etwas stärker moderiert.

Auch die Nutzerschaft von 8chan verschwindet nicht, wenn man die Plattform abschaltet. Sie wandert weiter und landet zum Beispiel in Messengern wie Telegram, wo sich in Chatkanälen bis 200'000 Leute versammeln können.

Es ist wichtig, Extremisten von Youtube, Twitter und Facebook fernzuhalten, wo Jugendliche per Zufall und ohne Absicht über ihre Hassbotschaften stolpern. Doch je weiter man die radikalen Internetnutzer in den digitalen Untergrund treibt, desto schwieriger ist es, sie zu erreichen, ihre Äusserungen zu verurteilen oder überhaupt öffentlich wahrzunehmen.

Damit die Hetzer im Netz gänzlich verstummen, müsste das Netz als Ganzes lahmgelegt werden. Das sollten wir nicht tun. Denn einfacher als Hass lassen sich Waffen verbieten.

Erstellt: 05.08.2019, 20:36 Uhr

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