Verkokste Verhältnisse

Präsidentschaftskandidat Jeb Bush macht seine einst drogenabhängige Tochter zum Thema.

1998 schien die Welt der Familie Bush noch makellos heil zu sein: Jeb Bush vor seinen Kindern Noelle und George P. sowie seiner Frau Colomba.

1998 schien die Welt der Familie Bush noch makellos heil zu sein: Jeb Bush vor seinen Kindern Noelle und George P. sowie seiner Frau Colomba. Bild: Reuters

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«Als ich jung war und verantwortungslos, war ich jung und verantwortungslos.» Mit dieser Tautologie neutralisierte George W. Bush, damals Präsidentschaftskandidat der republikanischen Partei, Fragen zu seinem Drogenkonsum. Allerdings brachte er seine Partei damit um eine Taktik: Seit seinem Bekenntnis können die Republikaner keinen Demokraten mehr wegen Drogendelikten angreifen. Er habe geraucht, aber nicht inhaliert, hatte Bill Clinton noch gesagt. «Natürlich habe ich inhaliert», gab Barack Obama sechzehn Jahre später zurück – «ich dachte, das genau sei der Punkt.» Ein Problem wurde zur Pointe.

Trotzdem für Repression

Obwohl sich Obama als Präsident für eine Drogenreform engagiert, bleibt Amerika restriktiv: Der Konsum harter Drogen wird häufiger bestraft als behandelt. Das musste auch Noelle Bush erdulden, Tochter von Jeb Bush, dem abgeschlagenen Kandidaten der republikanischen Vorwahlen. Die heute 38-Jährige war süchtig nach Pillen und nahm Kokain, wurde mit der minimen Dosierung von 0,2 Gramm erwischt und musste dafür ins Gefängnis. Das war vor 14 Jahren, Jeb Bush amtete als Gouverneur von Florida. Seither hat seine Tochter eine Drogentherapie absolviert. Mit Erfolg, sagte ihr Vater gestern an einer Wahlkampfveranstaltung.

Dennoch will Jeb Bush von einer anderen Drogenpolitik genauso wenig wissen wie sein Bruder George. Zwar möchte er den Süchtigen etwas entgegenkommen, weil «wir ein Land der zweiten Chance sein sollten». Dennoch besteht er weiterhin auf Grenzkontrollen und einer noch strengeren Anwendung des Strafvollzugs.

Jeb Bush sagte das in einer Kleinstadt in New Hampshire, dem für die Primärwahlen so wichtigen Gliedstaat mit einem grossen und wachsenden Drogenproblem. Aber der Strafvollzug wird angewendet. Wer beim Verkauf von Haschisch bis zu 5 Gramm erwischt wird, riskiert drei Jahre Gefängnis.

Erstellt: 06.01.2016, 20:47 Uhr

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