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Vermiest das schlechte Wetter den Demokraten die Wahlen?

Witterungsbedingungen beeinflussen nicht nur, ob Menschen wählen, sondern auch, wen sie wählen.

Wetterbedingungen haben Einfluss auf Wahlverhalten: Regnerischer Tag in New York. (Archiv)
Wetterbedingungen haben Einfluss auf Wahlverhalten: Regnerischer Tag in New York. (Archiv)
Jeenah Moon, Reuters

Etliche US-Wetterportale haben für Dienstag eine Sturmwarnung für einen Grossteil der US-Ostküste herausgegeben. Die Wähler, die am Dienstag ihre Stimmzettel für die US-Kongresswahlen abgeben, werden dies demnach wahrscheinlich mit einem Regenschirm in der Hand tun.

Dieser Umstand könnte auch die Wahlbeteiligung beeinträchtigen. Doch welche Partei profitiert bei den Midterms vom schlechten Wetter?

Laut Tim Loftus, Meteorologe bei Accuweather, wird eine starke Kaltfront mit Regen, Gewittern und Wind von Florida bis hinauf nach Maine, zur Grenze Kanadas, erwartet. Loftus rechnet im nördlichen Teil der US-Ostküste auch mit Schnee und Winden mit Geschwindigkeiten bis über 80 km/h.

Dies hat gemäss Loftus, der auch Datenwissenschaftler ist, einen nachweisbaren Einfluss auf das Wahlverhalten. «Aufgrund unserer Analyse wurde festgestellt, dass das Wetter im Durchschnitt fast 20 Prozent der Wahlbeteiligung ausmachte», so Loftus. «Im Vergleich zu den Republikanern sind Demokraten wetterempfindlicher, und zu den wetterempfindlichsten gehörten Afroamerikaner, die 65 und älter waren, und 18- bis 24-Jährige», präzisiert der Experte.

Über Auswirkungen von garstigem Wetter auf das Wahlverhalten zerbrachen sich auch andere Experten schon den Kopf. In mehreren Studien belegten sie, dass schlechtes Wetter am Wahltag die Wahlbeteiligung verringern kann. Und alle kamen sie zur selben Schlussfolgerung: Insbesondere die Republikaner profitieren davon, weil die Wählergruppen, die von schlechtem Wetter am wahrscheinlichsten von der Stimmabgabe abgehalten werden, diejenigen sind, die tendenziell demokratisch wählen.

Demokrat oder Republikaner

Aber nicht nur das: Eine vor gut einem Jahr veröffentlichte Studie in der Zeitschrift «American Politics Research» ergab, dass die politischen Auswirkungen von Stürmen am Wahltag über die Wahlbeteiligung hinausgehen können.

Personen, die bei gutem Wetter für einen Demokraten gestimmt hätten, haben sich an regnerischen Tagen für einen Republikaner entscheiden, wird Yusaku Horiuchi, ein Professor am Dartmouth College in Hanover, New Hampshire, in der «New York Times» zitiert.

«Wenn das Wetter schlecht ist, wird die Stimmung der Menschen beeinträchtigt; sie neigen dazu, risikoscheu zu sein. Und risikoscheue Menschen neigen eher dazu, konservativer zu sein, und daher werden sie wahrscheinlich für die Republikaner statt für die Demokraten wählen», schlussfolgert Horiuchi

Von dieser kurz entschlossenen Entscheidung seien etwa 1 Prozent der Wähler betroffen. Der Effekt sei zwar gering, theoretisch jedoch genug, um den Ausgang eines engen Rennens zu bestimmen, betonte Horiuchi.

In dieser Studie wurde auch auf frühere Untersuchungen eingegangen. 2007 fanden die Forscher heraus, dass der Präsidentschaftskandidat der Republikaner für jeden Zentimeter Regen über dem Tagesdurchschnitt etwa 2,5 Prozent der Stimmen erhielt.

«Hoffe, es regnet»

Nun ist es also ein offenes Geheimnis, dass schlechtes Wetter die Wahlbeteiligung drücken kann und eine niedrige Wahlbeteiligung den Republikanern zugutekommt. Einige Politiker kokettieren sogar damit: Bei einer Wahlkampfveranstaltung am Montag in Toms River, New Jersey, nannte der Republikaner Bob Hugin, der den demokratischen Amtsinhaber Senator Robert Menendez herausfordert, den vorhergesagten Regen offen als «republikanisches Wetter». «Bei dieser Wahl geht es darum, wer die Stimme erhält und wer nicht», sagte Hugin, «und ich hoffe, dass es morgen heftig regnen wird.»

Aufgrund der Grösse der USA und der vielen Zeitzonen wird mit aussagekräftigen Wahlresultaten am frühen Mittwochmorgen mitteleuropäischer Zeit (MEZ) gerechnet.

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