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«Verschobener Krieg» freut Moskau

In den letzten Tagen dürfte Putin gleich zweimal überrascht gewesen sein. Zuerst bremsten die britischen Parlamentarier Cameron aus. Und nun rudert auch Obama zurück. Moskau verbucht das als Teilerfolg.

Der UN-Bericht liefert Beweise für den Giftgaseinsatz in Syrien: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. (17. September 2013)
Der UN-Bericht liefert Beweise für den Giftgaseinsatz in Syrien: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. (17. September 2013)
AP Photo/Frank Franklin II)
Einigen sich in Genf auf einen Plan zur Sicherung und Zerstörung der syrischen Chemiewaffen: Der russische Aussenminister Sergei Lawrow und sein amerikanischer Kollege John Kerry. (13. September 2013)
Einigen sich in Genf auf einen Plan zur Sicherung und Zerstörung der syrischen Chemiewaffen: Der russische Aussenminister Sergei Lawrow und sein amerikanischer Kollege John Kerry. (13. September 2013)
AFP
Nach Angaben der Regierung im Stadtteil Jobar gefunden: Angebliche Materialien und Utensilien zur Herstellung von chemischen Waffen. (24. August 2013)
Nach Angaben der Regierung im Stadtteil Jobar gefunden: Angebliche Materialien und Utensilien zur Herstellung von chemischen Waffen. (24. August 2013)
Sana, AFP
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Kremlchef Putin bezeichnet es als «absoluten Unfug», dass Syriens Machthaber Assad Chemiewaffen eingesetzt haben soll. Dass US-Präsident Obama nun vor seinem Treffen mit Putin vorerst auf einen Militärschlag in Syrien verzichtet, verbucht Russland als Teilerfolg.

Gleich zweimal kurz hintereinander dürfte Putin überrascht gewesen sein. Erst verzichten die Briten auf einen Militärschlag gegen Syrien, nun zögert US-Präsident Barack Obama – auch für Russland völlig unerwartet – mit der angedrohten Bombardierung des Bürgerkriegslands.

«Absoluter Unfug» und «unlogisch»

Das politische Moskau fragt sich, ob die russischen Warnungen vor einer westlichen Militärintervention endlich Gehör finden. Auch beim G-20-Gipfel in St. Petersburg an diesem Donnerstag und Freitag (5./6. September) will Putin mit den Staats- und Regierungschefs über Syrien sprechen.

Schon vor seinem Treffen mit Obama am Finnischen Meerbusen appelliert Putin, der US-Kollege möge sich an seinen Friedensnobelpreis erinnern, an die möglichen neuen Kriegsopfer denken und auf ein Eingreifen verzichten. Der Kremlchef bezeichnet es als «absoluten Unfug» und «unlogisch», dass der syrische Machthaber Bashar al-Assad, ein enger Verbündeter Russlands, Chemiewaffen gegen das eigene Volk eingesetzt haben soll.

Putin warnt einmal mehr

Auch Assad sei seit langem klar, dass ein Giftgaseinsatz einen Vorwand für einen US-Angriff liefern würde. Deshalb, so Putins Argumentation, könnten nur die Gegner Assads Chemiewaffen eingesetzt haben. Ziel dieser Provokation sei es, den Westen in den Konflikt hineinzuziehen.

Und Putin warnt einmal mehr, in dem Konflikt einseitig auf die Gegner Assads zu setzen. Die seien nämlich islamistische Terroristen. Zugleich bietet Putin auch an, bei der Bekämpfung von Chemiewaffen stärker international zusammenzuarbeiten.

Warnung vor Katastrophe

Seit Tagen setzt Russland alle Hebel in Bewegung, um den Westen von einem Militärschlag gegen Syrien abzubringen. Eine Bombardierung führe geradewegs zu einer riesigen Katastrophe für den Nahen Osten und die am Militärschlag beteiligten Länder, heisst es beim Nationalen Sicherheitsrat. Dabei warnt Moskau vor allem vor dem iranischen Einfluss in dem Konflikt.

«Der Iran wird das Regime in Damaskus bis zum Ende unterstützen», meint der prominente Aussenpolitik-Experte Fjodor Lukjanow. «Ich kann mir gut vorstellen, dass der Iran alle seine Möglichkeiten ausschöpft, um terroristische Handlungen zu aktivieren und den USA Gegenschläge zu verpassen», sagt der Chefredaktor der offiziellen Zeitschrift «Russland in der globalen Politik».

Der Iran werde US-Schläge gegen Syrien auch als Versuch werten, die Position Teherans in der Region zu schwächen, sagt der frühere Chef des russischen Sicherheitsrats, Andrei Kokoschkin. Der Dekan der Moskauer Fakultät für Weltpolitik meint, dass der Iran zum Schutz vor solchen Interventionen tatsächlich nach Atomwaffen streben könnte.

Strategische Interessen

Nicht zuletzt warnt Russland den Westen etwa auch vor der starken Luftabwehr der Syrer. Selbst eingreifen werde das Riesenreich aber nicht, betonen Diplomaten in Moskau.

Dass nun die Marinepräsenz mit Kriegsschiffen der Schwarzmeerflotte verstärkt worden sei, diene allein dem Schutz eigener Anlagen in der Region. In der syrischen Hafenstadt Tartus unterhält Moskau seit 1977 eine Basis – die letzte im fernen Ausland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Verlieren will Russland Syrien als letzten Verbündeten und treuen Waffenkunden in der Region nicht. Wohl auch deshalb spielt Moskau weiter auf Zeit. Russland sieht einen Ausweg weiter nur in einer politischen und nicht militärischen Lösung des Konflikts.

Moskaus Ziel ist es, alle Seiten zum Dialog an einen Tisch zu bringen, um über freie und faire Wahlen einen geordneten Ausweg zu finden. «Die USA müssen den Krieg verschieben», meint der einflussreiche russische Aussenpolitiker Alexei Puschkow. Er sieht Obama dadurch geschwächt.

sda/AFP/AP/bru

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