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«Vielleicht schicke ich unser Militär»

Er pöbelt und strebt nach Dominanz: Donald Trumps Aussenpolitik wird der Welt Albträume bescheren.

Will die Probleme lösen, okay? Donald Trump beim National Prayer Breakfast. (2. Februar 2017)
Will die Probleme lösen, okay? Donald Trump beim National Prayer Breakfast. (2. Februar 2017)
Evan Vucci, Keystone

«Die Welt hat Probleme, aber wir werden sie lösen, okay?», versprach Donald Trump am Donnerstagmorgen bei einem Gebetsfrühstück in Washington. «Wenn Sie von meinen harten Telefonaten hören, sollten Sie sich keine Sorgen machen», sagte Trump weiter.

Sorgen aber machen sich so manche über Trumps rüpelhaften und drohenden Tonfall bei Telefonaten mit ausländischen Regierungschefs wie dem Australier Malcolm Turnbull oder Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto. Im US-Aussenministerium macht man sich Sorgen, desgleichen bei den Verbündeten Washingtons.

Denn der Umgang mit Freund und Feind ist im Rekordtempo härter geworden, nicht Diplomaten oder der neue Aussenminister Rex Tillerson geben die Linie vor, sondern ein kleiner Kreis von «America First»-Propagandisten um Trumps Chefstrategen Stephen Bannon und den Sicherheitsberater und Ex-General Michael Flynn. Angesagt ist Konfrontation statt Kooperation, zusehends widerspiegelt die US-Aussenpolitik eine fatale Charaktereigenschaft des neuen Präsidenten: Sein Streben nach Dominanz mit allen Mitteln, darunter auch die gezielte Entwürdigung Schwächerer.

Video – Hallo Australien, Trumps angeblich schlimmstes Telefonat bisher:

Schon deshalb setzt Trump stets noch eins drauf. Wenn Flynn wie am Mittwoch geschehen den Iran vor den Konsequenzen eines Raketentests warnt, schaltet der Präsident unweigerlich seine Twitter-Maschine an – und wiederholt in noch grellerem Tonfall die Drohungen Flynns. «Iran ist formal GEWARNT WORDEN», twittert er. Zumal Teheran «rasch mehr und mehr den Irak übernimmt, obwohl die USA dort drei Milliarden Dollar vergeudet haben».

Wittert Trump bei seinen ausländischen Gesprächspartnern Schwäche, wird er besonders ausfällig. Dass er das Telefonat mit Malcolm Turnbull durch plötzliches Aufhängen vorzeitig beendete, reflektiert nicht zuletzt die schwache Stellung des australischen Premiers im eigenen Land und in seiner Partei, deren rechter Flügel Turnbull misstraut.

So wettert Trump denn gegen den vor seinem Amtsantritt ausgehandelten «schlechten Deal», der Flüchtlinge in australischem Gewahrsam in die USA bringen soll, und er sagt: «Ich will diese Leute nicht».

So spricht ein Ignorant

Noch schlimmer und zugleich vielsagender ist Trumps Umgang mit seinem mexikanischen Gegenpart Peña Nieto, dem Trump bei einem Telefonat am vergangenen Freitag mit einer US-Intervention drohte. «Ihr habt eine Menge schlechter ‹Hombres› da unten», sagt Trump. Und: «Ihr tut nicht genug, um sie in Schach zu halten, euer Militär hat Angst, unser Militär dagegen nicht, vielleicht schicke ich unser Militär, um das zu bereinigen».

«Ihr tut nicht genug, um sie in Schach zu halten, euer Militär hat Angst, unser Militär dagegen nicht, vielleicht schicke ich unser Militär, um das zu bereinigen»

Donald Trump

So spricht ein Ignorant. Jemand, der keine Ahnung von der amerikanisch-mexikanischen Geschichte hat, von den Kriegen und Interventionen mit und in Mexiko, ja ein Geschichtsloser, der nicht weiss, dass die USA zwischen 1914 und 1917 mehrmals in Mexiko intervenierten.

Trumps gefährliche Sprache und seine Sucht nach Dominanz wird die Welt in den kommenen Jahren in gehörige Aufregung versetzen, zumal nicht jeder, mit dem er telefoniert, aus einer Position der Schwäche agiert. Die beruhigenden Worte des neuen US-Präsidenten am Donnerstagmorgen beim Gebet sind daher keinen Pfifferling wert. Denn man sollte sich Sorgen machen: Es drohen Provokationen und Eskalationen – und mit ihnen gefährliche Fehleinschätzungen.

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