Vorsorgen statt streiten

Weder am Bergsturz in Bondo noch an der Flut in Houston sind Klimaleugner schuld.

Ein Mann steht in seiner Auffahrt und telefoniert mit Angehörigen. Houston, Texas.

Ein Mann steht in seiner Auffahrt und telefoniert mit Angehörigen. Houston, Texas. Bild: Rick Wilking/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Alle guten «Tatort»-Folgen funktionieren so: Zuerst kommt der Schock über die böse Tat, der sich in Erleichterung auflöst, wenn der Täter identifiziert und dingfest gemacht ist. Beruhigt geht man ins Bett. Anders war es bis vor kurzem bei Naturkatastrophen: Als Schuldige kamen bei einem Bergsturz oder einer Überschwemmung nur die Natur und der liebe Gott infrage. Aber die lassen sich nicht wegsperren. Die Rückfallquote ist hoch. Die Tat blieb ungesühnt, das Leben ungewiss, der Schlaf gestört.

Die Klimaforschung hat dies verändert. Unter Leserbriefschreibern gilt es längst als ausgemacht, dass die Ereignisse in Bondo und Houston Folge des menschengemachten Klimawandels sind. Fachleute sind da vorsichtiger: Einen direkten Zusammenhang mag kaum einer herstellen. Naturkatastrophen gab es schon lange, bevor wir CO2 in die Luft zu blasen begannen. Als gesichert gilt, dass sich solche extremen Ereignisse wegen des Klimawandels künftig häufen.

Dennoch: Noch bevor das Wasser abgelaufen ist, werden in Houston die Ölcowboys als Täter angeprangert. Was Bondo betrifft, will der Zuger Jung-Alternative Konradin Franzini Polizisten auf die SVP und «ihren Chefideologen Roger Köppel» ansetzen. Franzinis Schuldbeweis: «Sie verniedlichen den Klimawandel.»

Noch bevor das Wasser abgelaufen ist, werden in Houston die Ölcowboys als Täter angeprangert.

Aber selbst wenn sämtliche Klimaleugner und -verniedlicher seit Jahren eingekerkert wären: Auf die Klimaerwärmung hätte das keinen Einfluss. Sie ist die Folge jahrzehntealter Prozesse. Diese begannen lange, bevor die Zusammenhänge zwischen CO2 und Klima erkannt waren. Bei Bergstürzen und Stürmen auf vermeintlich Schuldige zu zeigen, mag populär sein und entlastend wirken. Den Menschen in den Gefahrenzonen nützt es nichts.

Neben der Ursachenbekämpfung braucht es vor allem eines: Vorsorge gegen solche Katastrophen, egal, ob menschengemacht oder nicht. Bondo und Houston mit ihren tiefen Opferzahlen zeigen, dass das hoch entwickelten Staaten nicht schlecht gelingt. Anders in Indien, Nepal und Bangladesh, wo diese Woche 1500 Menschen im Hochwasser ertranken. Es gäbe so viel zu tun.

Erstellt: 01.09.2017, 21:38 Uhr

Artikel zum Thema

Und die in Asien sieht man nicht

Kommentar Es müssen Hunderte Bauern in Bangladesh ertrinken, bevor ihnen ähnliche Aufmerksamkeit zukommt wie einem Opfer in der westlichen Welt. Mehr...

Harvey bringt Tod und Verwüstung nach Texas

Der Hurrikan legt Houston lahm, eine der wichtigsten Wirtschaftsregionen der USA. Mehr...

«Wow! Was für eine Menge»

Reportage Donald Trump ist von der Katastrophe in Texas beeindruckt: Er redet vom grössten, mächtigsten, epischsten Sturm aller Zeiten – als hätte er Harvey höchstpersönlich so gross gemacht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Kunst in der Luft: Seifenblasen machen Spass vor dem Louvre in Paris. (19. Juli 2019)
(Bild: Alain Jocard) Mehr...