Warum Trump von der Papst-Kritik profitiert

Jetzt warnt sogar der Heilige Vater vor dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Doch diesen scheint das wenig zu stören – im Gegenteil. Die Gründe.

Trump vs. Papst: Wie die Kontroverse zwischen den beiden entstand. (Video: Adrian Panholzer)

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Die Kandidatur von Donald Trump für das Amt des amerikanischen Präsidenten ist von vielen Seiten unter Beschuss – seit gestern auch von der katholischen Kirche. Dessen Oberhaupt kritisiert Trumps Wahlversprechen, die US-Grenze stärker zu sichern. Ein Mann, der eine Mauer bauen wolle, um Menschen fernzuhalten, sei «kein Christ», sagte Papst Franziskus zum Abschluss seiner Mexikoreise gegenüber Medienvertretern. Das sass – aber wirkt es sich auch negativ auf die Kandidatur des Republikaners aus?

Äusserungen kommen zu einem guten Zeitpunkt

In weiten Teilen der USA geniesst der Papst grossen Respekt und Beliebtheit. Die «Washington Post» glaubt deshalb, dass seine Aussagen der Kandidatur Trumps potenziell schaden könnten. Kurzfristig, so die Zeitung, würden sie diesem aber helfen. Trump habe die ganze Woche seinen plötzlichen Meinungswandel bei sozialen Themen verteidigen müssen, jetzt richte sich die Aufmerksamkeit wieder auf die Zuwanderung. Die Äusserungen von Papst Franziskus kommen für ihn also zu einem guten Zeitpunkt.

Das sieht auch der «Spiegel» so. Laut dem Nachrichtenmagazin könnte sich die christliche Rechte in den USA Trump zwar noch einmal genauer anschauen und ihm am Ende wichtige Stimmen verweigern. Wahrscheinlicher sei allerdings, dass sich die Aussagen für den Präsidentschaftskandidaten als hilfreich erweisen würden. Denn sie lenken von seinen derzeitigen Problemen ab: Zwei landesweite Umfragen sehen Trump plötzlich hinter seinem Rivalen Ted Cruz. Durch die Kontroverse mit dem Heiligen Vater ist er wieder dort, wo er sich am wohlsten fühlt – in den Schlagzeilen.

Kontroversen haben Trump bisher geholfen

Erstmals seit längerer Zeit dominiert Trump wieder sämtliche Nachrichtensendungen. Gemäss dem «Spiegel» hilft ihm die Auseinandersetzung dabei, sich erneut als starker Mann zu präsentieren, der sich nichts sagen lässt. Und zwar von niemandem. Nicht einmal vom Papst. Dessen Kritik sei «unbegreiflich» und «beschämend», liess sich Trump zitieren. Seine Fans lieben ihn für diese unerschrockene Art. Und die «New York Times» glaubt, dass Trump damit sogar seine Stellung bei den anstehenden Vorwahlen verbessert hat.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Trump Angriffe auf seine Person zu seinen Gunsten nutzen kann. Auch der britische Premierminister David Cameron, sein französischer Amtskollege François Hollande oder der türkische Präsident Recep Erdogan haben den Republikaner schon verbal attackiert. Geschadet hat es diesem kaum – im Gegenteil: Trump hat durch Kontroversen immer noch mehr Anhänger mobilisieren können. Papst Franziskus sei lediglich ein weiterer Weltführer, der Trump kritisiere, meint die «Washington Post» denn auch ironisch.

Sogar die Gegenkandidaten geben Rückendeckung

Wie die «Süddeutsche Zeitung» aufzeigt, spielen Trump die Reaktionen von direkten Rivalen im Kampf um die republikanische Präsidentschaftskandidatur zusätzlich in die Karten. Jeb Bush, selbst Katholik, erklärte, Trumps Glauben sei Privatsache. «Es ist nicht unchristlich, dafür zu sorgen, dass Menschen nicht illegal über unsere Grenze kommen. Das ist eine Sache, die man tun muss», so Bush. Auch Marco Rubio stellte sich hinter Trump: Beim Schutz der Grenze ginge es auch um den Schutz vor Terroristen; dies habe der Papst womöglich nicht vollständig verstanden.

Evangelikale wie Trump, aber auch andere Konservative würden ebenfalls eine immer kritischere Meinung gegenüber dem Papst einnehmen, meint dazu die «New York Times». Franziskus habe mit seinen jüngsten – eher liberalen – Aussagen zu den Themen Homosexualität, Geburtenkontrolle und Scheidung Kritik auf sich gezogen. Ob seine Warnung vor einer Wahl Donald Trumps erfolgreich ist, scheint also fraglich.

Erstellt: 19.02.2016, 10:38 Uhr

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