Was verraten Trump-Konten über die Russland-Affäre?

Donald Trumps Beziehung zur Deutschen Bank soll untersucht werden: Kongressdemokraten fragen, ob ihm der Kreml Kredite garantiert hat.

Der US-Präsident dürfte kaum verhindern können, dass seine finanziellen Angelegenheiten durchleuchtet werden: Logo der Deutschen Bank als verzerrtes Spiegelbild in Frankfurt am Main. Foto: Andreas Arnold (Keystone)

Der US-Präsident dürfte kaum verhindern können, dass seine finanziellen Angelegenheiten durchleuchtet werden: Logo der Deutschen Bank als verzerrtes Spiegelbild in Frankfurt am Main. Foto: Andreas Arnold (Keystone)

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Die Russland-Probleme Donald Trumps türmen sich weiter auf: In einem Schreiben an John Cryan, den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, verlangen die fünf demokratischen Mitglieder des Ausschusses für finanzielle Dienstleistungen im Washingtoner Repräsentantenhaus Informationen über die finanziellen Angelegenheiten Trumps und seiner Familie.

Unter anderem wollen die Kongressabgeordneten wissen, wer von dem Geldwäscheskandal profitierte, bei dem russische Kunden rund zehn Milliarden Dollar mithilfe der Deutschen Bank wuschen. Die Bank wurde deshalb von amerikanischen und britischen Aufsehern mit einer Geldstrafe von 630 Millionen Dollar belegt. Ausserdem tappe der Kongress «völlig im Dunkeln, ob Kredite der Deutschen Bank an Präsident Trump von der russischen Regierung garantiert wurden oder sonst wie mit Russland verbunden waren», schreiben die Abgeordneten.

Interne Ermittlungen bezüglich privater Konten

Nachdem Trumps Unternehmen in den 80er- und 90er-Jahren mehrere Bankrotte angemeldet hatten, trockneten Kredite amerikanischer Banken aus. Die Deutsche Bank hingegen habe weiterhin Kredite vergeben, «obwohl Trump die Bank verklagt und einen Kredit nicht zurückgezahlt hatte», heisst es in dem Schreiben, das die derzeitigen Verpflichtungen des Präsidenten gegenüber der Deutschen Bank auf rund 340 Millionen Dollar beziffert.

Neben einer internen Untersuchung über den russischen Geldwäscheskandal habe die Deutsche Bank, so die Abgeordneten weiter, «angeblich auch interne Ermittlungen bezüglich der privaten Konten von Präsident Trump und seinen Familienmitgliedern durchgeführt». Bereits am 10. März hatten die fünf Demokraten des Ausschusses unter Führung der kalifornischen Abgeordneten Maxine Waters in einem Schreiben an den republikanischen Ausschussvorsitzenden Jeb Hensarling verlangt, eine weitere Untersuchung des Geldwäscheskandals durch das US-Justizministerium müsse vom Kongress beaufsichtigt und die Rolle von Trumps Justizminister Jeff Sessions kontrolliert werden.

Trump muss befürchten, dass Ermittler zufällig auf Justiziables stossen.

Für den Präsidenten kommt das Schreiben der fünf Demokraten an die Deutsche Bank denkbar ungelegen: Die Ermittlungen in der Russland-Affäre weiten sich stetig aus, Trump muss inzwischen befürchten, dass diverse Aufklärer auf geringste Verdachtsmomente hin nach allen Richtungen ermitteln und dabei zufällig auf Justiziables stossen. Kaum wird der Präsident beispielsweise verhindern können, dass seine finanziellen Angelegenheiten sowohl vom Sonderermittler Robert Mueller als auch von mehreren Kongressausschüssen durchleuchtet werden.

Überdies hatte die «New York Times» unter Berufung auf mehrere anonyme Quellen am Mittwoch berichtet, russische Offizielle hätten im Sommer 2016 diskutiert, wie Präsidentschaftskandidat Trump mithilfe seiner beiden damaligen Mitarbeiter Paul Manafort und Michael Flynn beeinflusst werden könne. Offenbar waren entsprechende Telefonate von der NSA abgefangen worden.

Das Weisse Haus arbeitet an einer PR-Gegenoffensive

Obschon bislang keine klaren Beweise für eine «Russland-Connection» Trumps und seiner Mitarbeiter vorliegen, hat der Präsident am Mittwoch seinen bisherigen privaten Anwalt Marc Kasowitz als Rechtsbeistand verpflichtet. Kasowitz wird sich nur um die Russland-Ermittlungen kümmern und dabei den Präsidenten vertreten. Zudem will das Weisse Haus im Zuge einer PR-Gegenoffensive künftig sofort auf neue Enthüllungen reagieren. Trumps Stabschef Reince Priebus und sein strategischer Berater Steve Bannon kehrten deshalb am Mittwoch vorzeitig nach Washington zurück, anstatt den Präsidenten weiterhin bei dessen Europareise zu begleiten.

Erstellt: 26.05.2017, 09:59 Uhr

Seine aktuellen Verpflichtungen gegenüber der Deutschen Bank werden auf rund 340 Millionen Dollar beziffert: US-Präsident Donald Trump in Brüssel. Foto: Stephanie Lecocq (AP, Keystone)

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