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Washington schickt Kriegsschiffe Richtung Sotschi

Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi wächst die Angst vor Terroranschlägen. In den USA nimmt man den Schutz von Athleten und Zuschauern nun selbst in die Hand.

Spezialtraining: Anti-Terror-Kommando im Kampf gegen Rebellen aus dem Nordkaukasus in der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala. (18. Januar 2014)
Spezialtraining: Anti-Terror-Kommando im Kampf gegen Rebellen aus dem Nordkaukasus in der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala. (18. Januar 2014)
AP Photo/NewsTeam
Bisher lehnen die Russen jegliche Unterstützung ausländischer Dienste ab: Militärpolizei am Bahnhof von Sotschi. (17. Januar 2014)
Bisher lehnen die Russen jegliche Unterstützung ausländischer Dienste ab: Militärpolizei am Bahnhof von Sotschi. (17. Januar 2014)
Alexander Demianchuk, Reuters
Polizisten und Geheimdienstmitarbeiter: Sicherheitsbeamte bei einer Schulung in Sotschi. (21. Mai 2013)
Polizisten und Geheimdienstmitarbeiter: Sicherheitsbeamte bei einer Schulung in Sotschi. (21. Mai 2013)
AP Photo/Artur Lebedev
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In knapp zwei Wochen ist es so weit: Dann beginnen im russischen Sotschi die Olympischen Winterspiele – Präsident Putins Lieblingsprojekt, für das er drei Milliarden Dollar und mehr als 50'000 Sicherheitskräfte bereitgestellt hat. Je näher der Event rückt, desto mehr wächst die Angst vor Terroranschlägen islamistischer Gruppen.

Erst am Wochenende waren neue Drohungen aufgetaucht: Auf einem Jihadistenforum versprachen die mutmasslichen Attentäter von Wolgograd weitere «tödliche Überraschungen». «Wenn ihr die Olympischen Spiele abhaltet, werdet ihr ein Geschenk von uns bekommen für das Blut der Muslime, das vergossen wurde», heisst es in dem veröffentlichten Video.

Besonders die Amerikaner nehmen diese Drohungen ernst. Der US-Abgeordnete Michael McCaul hatte sich bereits am Wochenende besorgt geäussert: «Sie rufen im Grunde zu Angriffen auf die Olympischen Spiele auf. Ich glaube, wir werden Versuche in diesem Sinne sehen», sagte der Republikaner dem US-Sender ABC. In Washington scheint man nicht darauf zu vertrauen, dass Russland die Lage unter Kontrolle hat. So hat das Pentagon der russischen Regierung «volle Unterstützung» bei den Sicherheitsvorkehrungen angeboten.

Grösster Einsatz seit 1980

Und diese Unterstützung sieht so aus: US-Kommandeure in der Region seien dabei, Vorbereitungen für den Fall zu treffen, dass Hilfe angefordert werde. Amerikanische Luft- und Marinekapazitäten, darunter zwei Kriegsschiffe im Schwarzen Meer und mehrere Transportflugzeuge, stünden «für alle Eventualitäten zur Verfügung» – «zur Unterstützung der russischen Regierung und in Konsultation mit dieser», teilte Ministeriumssprecher John Kirby gestern in Washington mit.

Doch die Russen lehnen jegliche Zusammenarbeit bisher ab. Die Verstimmungen zwischen den USA und Russland wegen Edward Snowden hätten dazu geführt, dass die Amerikaner nicht mit offenen Armen begrüsst werden, schreibt «Spiegel online» unter Berufung auf US-Kreise. «Die wollen nicht zugeben, dass sie nicht die komplette Kontrolle haben und etwas Hilfe gebrauchen könnten», erklärte Ex-CIA-Vizedirektor Michael Morell kürzlich im US-Fernsehen. Auch McCaul übt Kritik: «Die Zusammenarbeit mit Moskau könnte viel besser sein», klagte der Politiker auf ABC.

Für die Sicherheitskräfte in Russland ist der Einsatz in Sotschi der grösste seit den Olympischen Spielen in Moskau 1980. 37'000 Polizisten – die speziell für den Anlass Englischunterricht und einen Alpinkurs erhalten – sowie rund 23'000 Mitarbeiter des Ministeriums für Katastrophen- und Zivilschutz werden in Sotschi stationiert sein. Auch Geheimdienstmitarbeiter, Soldaten und Grenzschützer sind im Februar vor Ort – genauso wie die Eliteeinheit Speznas, die speziell auf den Anti-Terror-Kampf geschult ist, wie das Nachrichtenmagazin «Spiegel» schreibt.

Der «Emir des Kaukasus»

Durch die zwei Anschläge von Wolgograd, bei denen im Dezember 34 Menschen starben, ist der islamistische Terror in Sotschis Nachbarschaft wieder in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gerückt. So haben die russischen Behörden neben den Sicherheitsvorkehrungen in Sotschi auch den Kampf gegen die Rebellen im Nordkaukasus erneut aufgenommen. In der vergangenen Woche starben bei einem Anti-Terror-Einsatz in der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala sieben Islamisten.

Etwa zur gleichen Zeit verkündete Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow den Tod des «Emirs vom Kaukasus» Doku Umarow – seinerseits Chefideologe des kaukasischen Terrors. Er soll hinter den Anschlägen auf die Moskauer Metro im Jahr 2010 stehen. Ähnliche Gerüchte hatte es in der Vergangenheit immer wieder gegeben – und aus Moskau wurde Umarows Tod auch diesmal nicht bestätigt.

«Jederzeit besonders wachsam sein»

Was die Sicherheit bei den Olympischen Spielen betrifft, glauben Experten ohnehin nicht an die Schlagkraft der kaukasischen Islamisten. Die einzelnen Gruppen handelten autonom und seien zu zersplittert, als dass sie grossflächige Kommandoaktionen durchführen könnten, heisst es. Bombenanschläge von einem oder mehreren Selbstmordattentätern wie die von Wolgograd scheinen jedoch durchaus realistisch. Ein kaukasisches Webportal zählte in den vergangenen 13 Jahren mehr als 120 ähnlicher Anschläge.

Das US-Aussenministerium gab unterdessen für die Zeit der Olympischen Spiele eine Reisewarnung für Russland heraus. Öffentliche Grossveranstaltungen seien attraktive Ziele für Terroristen, heisst es dort. Man müsse also «jederzeit besonders wachsam» sein. In Washington scheint man angesichts der Terrorgefahr nervös zu sein – und schickt sicherheitshalber Kriegsschiffe und Transportflugzeuge Richtung Sotschi.

Angereichert mit Material der Nachrichtenagentur SDA.

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