CNN-Reporter muss Presseausweis vor dem Weissen Haus abgeben

Trumps Konflikt mit der Presse erreicht eine neue Dimension. Nach einem Streit verliert CNN-Mann Jim Acosta seine Zugangsberechtigung für das Weisse Haus.

Trump greift bei seiner Pressekonferenz einen CNN-Journalisten hart an. Video: The White House/Youtube

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Es war ein Eklat, den der Zuschauer von Pressekonferenzen mit dem US-Präsidenten nun schon zur Genüge kennt. Doch das Wortgefecht zwischen CNN-Reporter Jim Acosta und Donald Trump vom Mittwochnachmittag hatte für den Journalisten nun schwere Folgen.

Wenige Stunden nach dem Vorfall entzog das Weisse Haus ihm «bis auf Weiteres» die Presseakkreditierung. Das teilte Sprecherin Sarah Sanders am Mittwochabend mit.

Acosta erfuhr von der Suspendierung seiner Akkreditierung, als er am Abend in das Weisse Haus vorgelassen werden wollte. Der Reporter filmte sein Gespräch mit dem Sicherheitsmitarbeiter, der ihm den Presseausweis abnahm, und postete das Video auf Twitter.

Video: Acosta muss Presseausweis abgeben.

Als der CNN-Journalist ins Weisse Haus zurückwollte, wurde ihm beim Eingang zu seiner Überraschung der Zutrittsausweis entzogen. (Video: Twitter/Acosta)

Acosta ist dafür bekannt, als CNN-Reporter dem US-Präsidenten gerne unliebsame Fragen zu stellen. Seine Zuschauer lieben ihn dafür, doch bei Donald Trump eckte er deswegen schon öfter an. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch zettelte Trump auf offener Bühne einen handfesten Streit mit dem Reporter an. «Sie sind eine furchtbare, unverschämte Person», fuhr der Präsident den bekannten Journalisten an. Weiter nannte er ihn «Feind des Volkes».

Ihr Streit begann, nachdem Acosta Trump etwas über die sogenannte Karawane von Migranten auf dem Weg an die US-mexikanische Grenze gefragt hatte. Nach einer weiteren Frage sagte Trump: «Das ist genug!» Als eine Mitarbeiterin des Weissen Hauses Acosta das Mikrofon aus der Hand nehmen wollte, hielt dieser es weiter fest und wiederholte seine Frage. Das Verhalten gegenüber der Mitarbeiterin wurde nun zum Anlass für den Entzug seiner Akkreditierung genommen.

Auf Twitter schrieb Sanders: «Präsident Trump glaubt an eine freie Presse und heisst schwierige Fragen an ihn und seine Regierung willkommen.» Doch das Verhalten des Reporters, «seine Hände an eine junge Frau zu legen», werde nicht toleriert. Bei der Mitarbeiterin handelt es sich offenbar um eine Praktikantin des Weissen Hauses.

Auf CNN sagte Acosta nach dem Vorfall, er habe die Frau weder geschubst noch sonst irgendwie berührt. Der Vorwurf, er habe Hand an sie gelegt, sei eine glatte Lüge. «Sie versuchen, uns zum Schweigen zu bringen», sagte er.

Acosta wird aufs Übelste beschimpft

Der Reporter gilt als einer der prominentesten Mitglieder des Pressekorps, das Trumps Politik begleitet. Bei Wahlkampfveranstaltungen von Trump wird der CNN-Journalist regelmässig Ziel seiner Verbalangriffe. Wenn der Präsident bei seinen Reden die Medien als «Fake News» und «Feinde des Volkes» bezeichnet, ist es zum Ritual geworden, dass die Trump-Anhänger buhen und «CNN sucks!» skandieren. Auf Trump-Veranstaltungen wird Acosta regelmässig von Anhängern des Präsidenten aufs Übelste beschimpft.

Reporterkollegen von Acosta, die ebenfalls bei der Pressekonferenz am Mittwoch zugegen waren, verteidigten Acosta und wiesen die Anschuldigungen des Weissen Hauses als falsch zurück. «Ich sass direkt neben Acosta bei der Pressekonferenz heute und habe nicht gesehen, dass er seine Hände an die junge Praktikantin gelegt hat, dessen ihn das Weisse Haus beschuldigt. Er hielt einfach nur das Mikrofon fest, als sie nach ihm griff», twitterte Reuters-Korrespondent Jeff Mason.

Peter Baker, Chef-Korrespondent der «New York Times» im Weissen Haus, schrieb: «Trumps Pressesprecherin bestätigt, dass das Weisse Haus die Akkreditierung eines Reporters suspendiert hat, weil sie es nicht mögen, wie er seinen Job macht. Das ist etwas, was ich noch nie gesehen habe, seit ich 1996 anfing, über das Weisse Haus zu berichten.»

CNN teilte in einer Stellungnahme mit, Pressesprecherin Sanders habe gelogen. «Jim Acosta hat unsere volle Unterstützung.»

Der Verband der im Weissen Haus akkreditierten Korrespondenten (WHCA) hat den Entzug der Akkreditierung für Acosta als «schwach und fehlgeleitet» kritisiert. Den Zugang zum Weissen Haus zu widerrufen stehe in keinem Verhältnis zu dem angeblichen Vergehen und sei «nicht akzeptabel», heisst es in einer Erklärung. Der WHCA forderte das Weisse Haus auf, die Entscheidung rückgängig zu machen.

Wutausbruch auch bei anderen Fragen

Trump hatte sich bei der Pressekonferenz am Tag nach den Kongress- und Gouverneurswahlen mit gleich mehreren Journalisten persönlich angelegt. Einer afroamerikanischen Journalistin warf er vor, eine «rassistische Frage» gestellt zu haben.

Im Verlauf der Pressekonferenz im Weissen Haus am Mittwoch steigerte sich Trump regelrecht in Rage auf diverse Fragesteller. Er beklagte eine «feindselige» Stimmung im Raum, beschwerte sich über angeblich grobes Verhalten von Reportern und forderte mehrere von ihnen barsch auf, sich hinzusetzen, wenn sie eine Frage stellen wollten.

Auch der NBC-Journalist Peter Alexander bekam während der Pressekonferenz sein Fett weg, als er Acosta als «gewissenhaften Reporter» in Schutz nahm. «Ich bin auch kein Fan von Ihnen», schimpfte Trump. «Um ehrlich zu sein, gehören Sie nicht gerade zu den Besten.»

Später wurde der Zorn des Präsidenten dann durch die afroamerikanische Korrespondentin Yamiche Alcindor erregt, die unter anderem für den öffentlichen Fernsehsender PBS arbeitet. Sie merkte an, dass Trumps im Wahlkampf formulierte Selbstbeschreibung als «Nationalist» von manchen Beobachtern als «ermutigendes» Signal an «weisse Nationalisten» gedeutet werde.

Trump schnitt Alcindor daraufhin das Wort ab und warf ihr vor, ihn mit einer «rassistischen Frage» beleidigt zu haben. Was die Reporterin gesagt habe, «ist so beleidigend für mich, es ist eine sehr schreckliche Sache, was Sie gesagt haben». Er behauptete auch, die «höchsten Zustimmungsraten» unter afroamerikanischen Wählern zu haben.

(Mit Material der Agenturen SDA und AFP.) (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 08.11.2018, 07:52 Uhr

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