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Wen Trump sich wünscht und wen er fürchtet

Der US-Präsident versucht, die Kandidatenwahl der Demokraten zu beeinflussen – notfalls mit illegalen Mitteln.

Zu zwölft bevölkerten die demokratischen Präsidentschaftskandidaten am Dienstagabend die Bühne in Ohio. Im Geiste aber gesellte sich ein Dreizehnter zu ihnen: Donald Trump. Die gesamte dreistündige Debatte hindurch war er präsent, alle zwölf kritisierten den Präsidenten scharf.

Trump seinerseits wird den vierten TV-Schlagabtausch der demokratischen Aspiranten aufmerksam verfolgt und sich Gedanken gemacht haben, gegen wen er im November 2020 am liebsten antreten würde. Und vor wem er sich am meisten fürchten würde.

Trump wie Nixon

Der Präsident, dessen Skrupellosigkeit inzwischen hinlänglich bekannt ist, wird es jedoch nicht dabei belassen. Die Ukraineaffäre beweist, dass er bereits in den demokratischen Auswahlprozess einzugreifen versuchte. Joe Biden scheint derjenige zu sein, den Trump aus dem Weg kegeln möchte. Notfalls auch mit illegalen Methoden.

Ein Novum ist dies nicht: Richard Nixon bediente sich im Wahlkampf 1972 einer Reihe schmutziger Tricks, um den von ihm am meisten gefürchteten Senator Ed Muskie zu schwächen. Tatsächlich ging Muskie bei den demokratischen Vorwahlen unter. Statt ihn nominierte die Demokratische Partei Senator George McGovern, einen entschiedenen Gegner des Vietnamkriegs und Vertreter des linken Parteiflügels.

Nixons Kalkül ging auf: McGovern verlor, der Präsident zog nach einem Erdrutschsieg neuerlich ins Weisse Haus ein. Nicht immer aber geht die Rechnung auf: 2016 wünschte sich die Demokratin Hillary Clinton Donald Trump als Gegner. Bekanntlich verkalkulierte sie sich.

Trumps Wunschgegnerin ist Warren: Eine Frau, links und progressiv, die der Präsident als «Sozialistin» brandmarken würde.

Wen also könnte sich Trump nach der gestrigen Debatte der Demokraten wünschen? Ein Wette darauf einzugehen, ist weiterhin verfrüht. Denn die erste innerparteiliche Entscheidung fällt erst in vier Monaten bei den Parteiversammlungen in Iowa, zu sehr ist die politische Lage in den Vereinigten Staaten im Fluss, als dass sich jetzt sagen liesse, wen die Demokraten küren werden.

Joe Biden? Elizabeth Warren? Oder einen Kandidaten, der unerwartet und plötzlich zu den beiden Führenden aufschliesst? Trumps Wunschgegnerin ist die Senatorin Elizabeth Warren: Eine Frau, links und progressiv, die der Präsident als «Sozialistin» brandmarken und deren politische Positionen er als abseits des Mainstreams angreifen würde.

Joe Biden aber schlug sich gestern Abend in Ohio wacker. Andere wie die Senatorin Amy Klobuchar oder der Bürgermeister Pete Buttigieg gaben ebenfalls eine gute Figur ab. Eine Klärung ergab die Debatte nicht wirklich, Donald Trump wird sich gedulden müssen.

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