Wer macht Donald Trump 2020 das Amt streitig?

Dutzende Demokraten liebäugeln mit der Kandidatur: Erfahrung, Geschlecht, Hautfarbe – wer hat das richtige Profil?

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Die erste Vorwahl im Bundesstaat Iowa ist zwar noch 13 Monate entfernt, doch bei den Demokraten hat längst begonnen, was amerikanische Beobachter die «invisible primary» nennen, die unsichtbare Vorwahl. Es geht um die Frage, wer 2020 gegen US-Präsident Donald Trump antritt. Reihenweise bringen sich derzeit mögliche Kandidaten in Stellung, sie umgarnen Geldgeber, werben Berater an, erkunden in Umfragen die Stimmung an der Basis – alles mit dem Ziel, im Frühsommer 2020 zum offiziellen Kandidaten der Demokratischen Partei gewählt zu werden.

Der Politikberater Jon Haber hat schon für fünf verschiedene demokratische Präsidentschaftskandidaten gearbeitet, unter anderem für Bill Clinton und Howard Dean. «So gross wie dieses Mal war das Feld noch nie», sagt er. Mehr als drei Dutzend Demokraten haben erklärt oder angedeutet, sie würden sich eine Kandidatur überlegen. Einige wenige haben ihre Kandidatur auch schon formell angekündigt. Die Prominenteste von ihnen ist die Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts. Zu den anderen zählen Julian Castro, der frühere Bürgermeister von San Antonio, und John Delaney, ein ehemaliger Abgeordneter aus Maryland.

Es werden abermals die Staaten des Mittleren Westens entscheidend sein, in denen Trump bei der letzten Wahl gewann.

Die Namen, die in Washington kursieren, wechseln täglich, doch es gibt einige Faktoren, die immer wieder auftauchen bei der Frage, welche Person Trump am ehesten schlagen könnte. Dabei geht es bisher kaum um politische Inhalte. Zu Recht, findet Stratege Haber: «Am Wahltag schauen sich die Wähler die Kandidaten an und fragen sich: Mag ich diese Person?» Inhaltlich trenne die Demokraten ohnehin nicht viel: Bei Themen wie dem Ausbau der Gesundheitsversorgung, der Anhebung des Mindestlohnes oder der Forderung nach strengeren Waffengesetzen herrsche Einigkeit. Wichtiger sei die Persönlichkeit der Kandidaten – und ob sie einige entscheidende Punkte erfüllt.

Das Geschlecht

Ihren Sieg in den Zwischenwahlen vom Herbst verdanken die Demokraten zu einem wesentlichen Teil den Frauen. Und die Frauen werden auch bei den nächsten Präsidentschaftswahlen eine grosse Rolle spielen: Erstmals werden mehrere ernsthafte Kandidatinnen um die demokratische Nomination kämpfen. Neben Warren könnten das die Senatorinnen Kirsten Gillibrand (New York), Kamala Harris (Kalifornien) oder Amy Klobuchar (Minnesota) sein.

Video – US-Demokratin Warren will zur Präsidentenwahl 2020 antreten

Einiges spricht dafür, dass eine weibliche Kandidatur bei der Parteibasis gute Chancen hätte. Es gibt aber auch andere Stimmen, die sagen: Wenn sich die Demokraten zum Ziel setzen, ein bestimmtes Segment von Trump-Wählern zurückzugewinnen, brauchen sie einen Mann. Sie verweisen dann auf die frauenfeindlichen Angriffe, die zuletzt Hillary Clinton zu schaffen machten und die sich in Zügen bereits jetzt wieder in der Diskussion um die Person von Warren zeigen. Frauen, so dieses Argument, würden immer noch mit anderen Massstäben gemessen – zu ihrem Nachteil.

Das Alter

In den ersten Umfragen unter demokratischen Parteigängern finden sich auf den Spitzenplätzen zwei Männer, die bereits in einem hohen Alter sind: Joe Biden (76), Vizepräsident unter Barack Obama, und Bernie Sanders (77), der letztes Mal gegen Hillary Clinton unterlag. Frische Gesichter sind das nicht. Von beiden Männern gibt es zudem Geschichten aus der Vergangenheit über sexistische Bemerkungen und mangelndes Gespür, die ihnen in Zeiten von #MeToo zum Verhängnis werden könnten.

Eine Theorie über Biden besagt, dass er im Fall einer Kandidatur durchblicken lassen könnte, dass er nur für eine Amtszeit antritt, als Übergangspräsident sozusagen – was Wählern die Angst vor seinem Alter nehmen könnte. Dennoch wünschen sich viele Demokraten einen jüngeren Vertreter, was für Leute wie den ehemaligen Abgeordneten Beto O’Rourke (46, Texas) oder Senator Cory Booker (49, New Jersey) spricht. O’Rourke gelang es zuletzt mit seiner Senatskandidatur in Texas, einen landesweiten Hype um seine Person zu erzeugen, speziell unter Erstwählern.

Die Hautfarbe

Eine der heikelsten Fragen dreht sich um ein Thema, das oft unausgesprochen bleibt: Müssen die Demokraten einen Weissen aufstellen, um im ländlichen Amerika eine Chance gegen Trump zu haben? Oder sollte Trumps Herausforderer eine Person sein, die der Diversität der Partei und des Landes Rechnung trägt, die immer grösser wird? Die Senatoren Booker und Kamala Harris sind zwei wahrscheinliche Kandidaten mit schwarzer Hautfarbe, Stacey Abrams, die zuletzt in Georgia als Gouverneurskandidatin scheiterte, eine weitere.

Die drei hätten in den Vorwahlen wohl den Vorteil, dass sie auf die Stimmen schwarzer Wähler zählen könnten, die in der Partei Gewicht haben. Und auch wenn es verschiedentlich immer noch Zweifel darüber gibt, ob ein Schwarzer gegen Trump bestehen könnte: Barack Obama hatte mit seiner Wahl bewiesen, dass ein schwarzer Kandidat durchaus auch bei weissen Wählern Stimmen holen kann.

Die Herkunft

2020 werden abermals die Staaten des Mittleren Westens entscheidend sein, in denen Trump bei der letzten Wahl hauchdünn gewann. Eine oft gehörte Überlegung geht deshalb in die Richtung, dass die Demokraten jemanden brauchten, der aus einer dieser Gegenden stammt. Das würde für jemanden wie Biden sprechen, der im Industriegürtel von Pennsylvania gross geworden ist, oder für jemanden wie Sherrod Brown, einen gewerkschaftsnahen Senator aus Ohio, der im Herbst mit einem sehr guten Ergebnis wiedergewählt wurde. Viele Unterstützer hat aber auch Senatorin Klobuchar aus Minnesota, eine bodenständige, bei den Wählern ihres Staates beliebte Politikerin.

Der Leistungsausweis

Unter den Bewerbern der Demokraten dürften mehrere Politiker sein, die in ihrer Kampagne auf eine erfolgreiche Regierungsarbeit verweisen können. Dazu zählt John Hickenlooper, früherer Gouverneur von Colorado, der in seiner Heimat auch bei Republikanern ein gewisses Macher-Image geniesst. Dazu zählen wahrscheinlich auch Mitch Landrieu, ehemaliger Bürgermeister von New Orleans, und der erst 36-jährige Bürgermeister der Stadt South Bend in Indiana, Pete Buttigieg. Diese Leute haben allerdings den Nachteil, dass sie auf nationaler Ebene kaum jemand kennt. Eine Ausnahme: Michael Bloomberg, der ehemalige Bürgermeister von New York.

Im Gegensatz dazu gibt es einige Interessenten, die dadurch auffallen, dass sie – wie Trump vor seiner Wahl – gar keine politische Erfahrung haben. Dazu zählt der ehemalige Investor Tom Steyer, der einer der wichtigsten Geldgeber der Demokraten ist. Auch Howard Schultz, dem Ex-Chef der Kaffeekette Starbucks, wird ein Interesse an einer Kandidatur nachgesagt. Was diesen Leuten allerdings fehlt, ist die Erfahrung im politischen Nahkampf, über die Leute wie Biden und Senatoren wie Warren, Booker oder Harris verfügen. Umgekehrt ist deren Status als Washingtoner Insider womöglich eher schädlich.

Das Geld

Niemand sichert sich eine Nomination zum Präsidentschaftskandidaten, der es nicht vermag, schon zu einem frühen Zeitpunkt grosse Mengen an Spendengeldern aufzutreiben. Milliardäre wie Bloomberg und Steyer haben dabei einen Startvorteil, weil sie viele eigene Mittel haben, aber auch sie können eine Präsidentschaftskampagne nicht ausschliesslich aus der eigenen Tasche finanzieren. Entscheidend ist deshalb auch, wie gut ein Kandidat darin ist, Gross- und Kleinspender hinter sich zu scharen. In Texas gelang dies O’Rourke im vergangenen Jahr auf eindrückliche Weise: Er sammelte aus dem ganzen Land Spenden in Rekordzahl.

Die Überzeugung

Warren, Sanders, Brown und Harris sind vier der vielleicht bestplatzierten Demokraten, die zum linken Parteiflügel gehören. Biden, aber auch viele der aktuellen und früheren Gouverneure und Bürgermeister sind eher im Zentrum anzusiedeln. Ein Dilemma für die demokratischen Parteigänger in den Vorwahlen lautet: Entscheiden sie sich für einen Vertreter des linken Flügels, der an der Parteibasis vielleicht mehr Begeisterung auslöst? Oder wählen sie jemanden, der in der Hauptwahl Wechselwähler aus der Mitte abholen kann? Es sei falsch, zu glauben, dass Wähler in den Vorwahlen taktisch stimmen würden, sagt Politikberater Haber. «Die Wähler wollen sich verlieben. Die meisten entscheiden sich mit dem Herzen.»

Der Stil

Eine der wichtigsten Fragen stellt sich für die demokratischen Kandidaten unabhängig von all den anderen Faktoren: Wie bekämpfen sie Trump am besten? Indem sie ihn hart attackieren, so wie er es mit seinen Gegnern tut? Nichts sähen manche an der Parteibasis lieber. Oder indem sie versuchen, der direkten Konfrontation aus dem Weg zu gehen – und angesichts der tiefen Spaltung des Landes möglichst versöhnlich zu klingen? Das soll angeblich die Botschaft sein, die etwa der frühere Vizepräsident Biden, aber auch der viel jüngere O’Rourke überbringen würde.

Nicht alle, deren Namen derzeit kursieren, werden auch tatsächlich für die Präsidentschaft kandidieren. Aber auch mit einem bereinigten Kandidatenfeld dürfte es schwierig bleiben, einen Favoriten zu benennen. Dazu trägt das neue Regime bei, das die Demokraten nach den letzten Wahlen eingeführt haben: Auf Druck der Basis hat die Parteiführung den Einfluss von Amtsträgern auf den Selektionsprozess beschnitten.

Wer tritt also 2020 gegen Trump an? Die grosse Aufregung hat bereits eingesetzt – doch eine Antwort wird es noch lange nicht geben.

Erstellt: 08.01.2019, 10:05 Uhr

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