Weshalb Tillerson Trump einen Schwachkopf nannte

Bei einer militärischen Beratung im Pentagon stellte der US-Präsident Forderungen, welche seinen Aussenminister übelst entnervten.

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Bei sicherheitspolitischen Beratungen am 20. Juli im Pentagon schockierte Präsident Trump die Teilnehmer mit der Forderung, die Zahl der US-Atomwaffen zu verzehnfachen. Dies berichtete der US-Fernsehsender «NBC News» am Mittwoch unter Berufung auf mehrere Anwesende. Neben Angehörigen des Generalstabs sowie Verteidigungsminister James Mattis nahm auch Aussenminister Rex Tillerson an den Beratungen teil. Nachdem Trump den Raum verlassen hatte, bezeichnete Tillerson den Präsidenten mehreren Teilnehmern zufolge als «fucking moron» – wobei «moron» so viel wie Schwachkopf, Depp oder Trottel bedeutet. Die Runde war einberufen worden, um Trump einen Überblick über die militärischen Kapazitäten der USA zu verschaffen. Eine Grafik zeigte dabei die Anzahl amerikanischer Atomwaffen von 1945 bis jetzt. Gemäss dem Schaubild besassen die USA Ende der 60er Jahre rund 32'000 nukleare Waffen, verfügen derzeit jedoch nur über 4000. Als der Präsident eine Verzehnfachung dieses Arsenals verlangte, wurde ihm erklärt, dass die 4000 Atomwaffen ausreichten und eine nukleare Aufrüstung bestehende Abrüstungsverträge verletze. Ausserdem wurde Trump bei dem Treffen am 20. Juli über die laufende Modernisierung des amerikanischen Atomarsenals informiert.

Video: Tillerson dementiert Rücktrittsgedanken

Kurz vor dem Rücktritt? Nein, sagt der US-Aussenminister. (Video: Tamedia/AFP) NBC habe «die Story erfunden, dass ich eine Verzehnfachung unseres nuklearen Arsenals wollte – reine Fiktion», twitterte Trump am Mittwoch, der Fernsehsender aber blieb bei seiner Darstellung und berief sich dabei auf mehrere Quellen. «NBC News» meldete bereits vergangene Woche, dass Tillerson den Präsidenten einen «Schwachkopf» genannt hatte, gab den Grund dafür aber nicht an.

Das Treffen am 20. Juli folgte Beratungen am Vortag über die militärische Lage in Afghanistan. Auch dabei hatte der Präsident die anwesenden Generäle und sicherheitspolischen Mitarbeiter vor den Kopf gestossen, als er die Entlassung des US-Oberkommandierenden in Afghanistan verlangte und den Rat seiner Militärs mit den Empfehlungen eines Restaurant-Consultants verglich, «dessen schlechtes Urteilsvermögen ein Geschäft wertvolle Zeit und Geld kostet», so «NBC News». Während Trump das diplomatische Budget der USA enorm kürzen möchte und viele wichtige Posten im Aussenministerium weiterhin unbesetzt bleiben, beantragte der Präsident, den Militäretat um 54 Milliarden Dollar zu erhöhen – mehr als der gesamte Haushalt des US-Aussenministeriums. «Alle unsere Werkzeuge sind im Moment militärisch, und wenn alle deine Werkzeuge militärisch sind, dann greifst du nach diesen Werkzeugen», zitierte die Zeitschrift «New Yorker» vor Tagen einen hochrangigen ehemaligen Mitarbeiter Barack Obamas im Hinblick auf die Militarisierung der US-Aussenpolitik. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.10.2017, 20:10 Uhr

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