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Widerstand gegen Trump – auch mit Schweizer Hilfe

Kurz vor Donald Trumps Amtsantritt formiert sich Protest in den USA. Etwa im New Yorker Stadtteil Brooklyn, wo sich ein Gruppe gegen seine Politik zusammengeschlossen hat.

Gegen ihn bilden sich lokale Widerstandsgruppen: Der designierte Präsident Donald Trump. (15. Dezember 2016)
Gegen ihn bilden sich lokale Widerstandsgruppen: Der designierte Präsident Donald Trump. (15. Dezember 2016)
Keystone

Ihre Strategie lautet: Zuerst auf lokaler Ebene handeln. «Die Gruppe hat sich ganz spontan während eines Konzerts in Brooklyn zusammengetan», sagt die Lausannerin Carole Villiger. Die Historikerin forscht über den Einsatz von Angst in der Politik Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts und wohnt seit August in Brooklyn.

«Man muss wissen, dass in vielen Konzertsälen hier ziemlich stark politisiert wird», sagt sie. Nach dem Schock der Wahl von Trump hätten einige Personen kurz darauf entschieden, sich jede Woche zu treffen. So wollten sie der Politik und den hasserfüllten Reden des gewählten Präsidenten entgegenwirken.

«Am darauf folgenden Treffen erschienen über 200 Personen, während die Organisatoren nicht mehr als 50 erwartet hatten», erinnert sich Villiger. «Die erste Session war ziemlich emotional.» Schwarze zeigten sich besorgt über das mögliche Wiederaufleben von Rassismus, und Senioren fürchteten um ihre Renten.

Druck auf «falsche Demokraten»

Das zweite Treffen sei konstruktiver gewesen. Die Bewegung fand eine Strategie und legte Themen fest, um die gekämpft werden soll.

«Die Wahrscheinlichkeit auf staatlicher Ebene zu intervenieren war quasi null, wenn man die Grösse des Landes in Betracht zieht», erläutert die Historikern. Die Teilnehmer seien deshalb davon überzeugt, zuerst auf lokaler Ebene zu handeln, ganz nach dem Beispiel der Podemos-Bewegung in Spanien.

Als eine der ersten Aktionen will die Gruppe Druck auf New Yorks Kongress-Abgeordnete machen. Diese sind zwar alle Demokraten. Sie stimmen aber immer wieder «republikanisch», etwa zu Klima- oder Sozialfragen.

Dieses Verhalten betrifft insgesamt fünf Abgeordnete. Die Aktivisten wollen vor dem Wohnsitz der «falschen Demokraten» demonstrieren und ihnen folgen, um ihnen während den öffentlichen Auftritten Fragen zu stellen. «Das Ziel ist, die Mitglieder des Kongresses dazu zu bringen, an den Parlamentswahlen in zwei Jahren nicht mehr anzutreten», so Villiger.

Es seien meistens Rentner, die genug Zeit haben, um den Politikern zu folgen. Es gehören aber auch viele Junge zur Brooklyn-Gruppe, die überhaupt sehr vielfältig aufgestellt ist und einen Querschnitt durch die Bevölkerung New Yorks repräsentiert.

Nächste Etappe startet im Januar

Die Gruppe will nun ab Januar die Ideen der lokalen Widerstandsbewegung im ganzen Land verbreiten. «Das Ziel ist, sich zu vereinen und Mitglieder der Gruppe in den Senat und das Repräsentantenhaus zu bringen, sagt die Forscherin.

In Brooklyn habe sie eine andere, ziemlich gut organisierte Gruppe im nördlichen Bezirk getroffen; die Gruppe «The Base» weise anarchistische Tendenzen auf. Und auf nationaler Ebene sei die Bewegung «Black Lives Matter» (Das Leben von Schwarzen zählt) sehr gut organisiert.

«Ich denke, eine Gruppe wie jene in Brooklyn bleibt bestehen», ist die Westschweizerin zuversichtlich. Die Bewegung habe Ziele und eine klare Strategie. Aber die Zahl der Mitglieder könnte sich verringern: «Wenn wir zwischen 30 und 50 Personen beibehalten können, ist das schon gut», sagt sie.

Eine neue Bürgerbewegung

Carole Villiger, die selber schockiert war von der Wahl Trumps, war schon in der Schweiz politisch aktiv in progressiven Kreisen. «Es interessiert mich sowohl auf persönlicher als auch auf beruflicher Ebene», gibt sie zu.

Villiger beschäftigt sich schon seit zehn Jahren mit dem Thema der politischen Gewalt. An der Kampagne in der USA kann sie aber nicht aktiv teilnehmen. Die Visumsbestimmungen erlauben das nicht. «Ich kann jedoch Ratschläge geben und damit zum Erfolg beitragen», sagt Villiger.

Es sei eine Bürgerbewegung und nicht eine Gruppe von langjährigen Aktivisten, betont sie. Alle hätten die Gefahr gespürt, die von einer radikalen rechten Person an der Macht ausgeht, die «bereits Personen in die Regierung geholt hat, die nicht zu Gunsten der Sozialpolitik und der Umwelt entscheiden werden».

SDA/kko

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