Warum Trump sich mit «seinem Freund» Elton John misst

Der US-Präsident brüstet sich mit den Besuchermengen bei seinen Auftritten. Beliebteste Messlatte ist der britische Sänger.

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Je mehr, desto besser für das Ego: Schon im Wahlkampf 2016 prahlte Donald Trump mit den Menschenmengen, die zu seinen Veranstaltungen strömten. Sie waren ein Massstab für seine Beliebtheit. Entsprechend gross war Trumps Enttäuschung, als die Besucherzahl bei seiner Amtseinführung in Washington im Januar 2017 weit unter denen von Barack Obamas Amtseinführungen 2009 und 2013 blieb.

Trump log die fehlenden Besucher einfach herbei, sein Pressesprecher Sean Spicer blamierte sich, als er die Lügen des Bosses wiederholte. Seitdem sind grosse Menschenmengen bei politischen Auftritten noch wichtiger für den Präsidenten geworden. Er misst sie an den Veranstaltungen der politischen Konkurrenz – und an Elton Johns Konzerten.

War mal Elton-John-Fan

Der Präsident ist ein Fan des britischen Entertainers und hatte gehofft, Sir Elton werde ihm bei der Amtseinführung 2017 ein Ständchen singen. «Haben Sie Dank für die extrem freundliche Einladung», antwortete Sir Elton und schlug Trumps Gesuch ab. Seitdem will der – beleidigte? – Präsident alle Besucherrekorde des Briten brechen, überbieten und auslöschen.

So etwa im Sommer 2018 bei einer Politveranstaltung im Bundesstaat Montana, wo Sir Elton zuvor ein Konzert gegeben hatte: «Ich habe schon wieder einen Rekord von Elton John gebrochen, er scheint viele Rekorde aufgestellt zu haben», lobte sich Trump. Und überhaupt habe er ja im Gegensatz zu Sir Elton «kein Musikinstrument, ich habe keine Gitarre und keine Orgel – Elton hat eine Orgel und Leute, die ihm helfen, aber ich habe jede Menge Rekorde gebrochen, wir haben buchstäblich jeden Rekord gebrochen», triumphierte der Präsident.

Nachdem der Brite in Fargo im Staat North Dakota aufgetreten war, wollte Trump von einem der Senatoren des Staats wissen, wie gross die Besuchermenge gewesen sei. Es galt, sie bei einer politischen Veranstaltung in Fargo zu überbieten.

Auch Warren wird zum Angriffsziel

Im August 2019 durfte sich Trump neuerlich brüsten, Sir Elton übertrumpft zu haben: «Tolle Nachricht! Heute Abend haben wir den absoluten Rekord für die Besuchermenge in der SNHU-Arena in Manchester in New Hampshire gebrochen, der bisher von Elton John gehalten wurde», twitterte der Präsident.

Gefahr aber droht ihm weniger von Sir Elton, den es garantiert nicht ins Weisse Haus zieht, als vielmehr von der Demokratin Elizabeth Warren, die Trump gern besiegen möchte bei der Wahl im kommenden Jahr. Die Senatorin erregte Aufsehen, als sie am Montagabend in New York vor 20'000 begeisterten Fans sprach. «Die Menschenschlangen werden länger, das ist eine gute Sache», bewertete Warren am Dienstag ihren Auftritt.

Trump konnte das natürlich nicht auf sich beruhen lassen. Zum einen habe Warren keine 20'000 Besucher gehabt und ausserdem sei sie ja mitten in Manhattan aufgetreten, erklärte Trump. Da gebe es so viele Leute, «jeder kriegt dort so eine Menge zusammen». Er hingegen trete im Hinterland auf, «wo niemand solche Menschenmengen wie meine jemals gesehen hat».

Es stimmt: Trump fliegt oft in die Pampa, und viele seiner Anhänger reisen von weit an, um ihn zu erleben. Aber auf dem platten Land ist es bekanntlich nicht weit her mit Unterhaltung. Und Trump, stets ein Showman, liefert sie kostenlos. Sir Elton hingegen singt und orgelt für Geld.


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Erstellt: 19.09.2019, 19:00 Uhr

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