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«Wir haben nicht mehr viel Zeit»

Die Verhandlungen in Cancún fallen durch viele Vorschläge und wenig Einigung auf. Kurz vor Ende des Klimagipfels stehen die Warnlampen der Verhandlungsleiterin auf Rot.

Bisher leitete der Klimagipfel noch wenig konkrete Massnahmen gegen die Klimaerwärmung ein: Umweltaktivist von Greenpeace in Eisbärenkostüm.
Bisher leitete der Klimagipfel noch wenig konkrete Massnahmen gegen die Klimaerwärmung ein: Umweltaktivist von Greenpeace in Eisbärenkostüm.
Keystone

In der Schlussphase ist beim Klimagipfel in Cancún noch alles drin: von einem völligen Scheitern bis zu einem Überraschungserfolg. Allerdings legten die Arbeitsgruppenleiter in der Nacht zum Freitag ernüchternde Ergebnisse vor.

Kurz vor dem Ende des Klimagipfels ringen die rund 190 Staaten im mexikanischen Cancún um einen Erfolg. Streit gab es vor allem darüber, wie verbindliche Ziele zur Einsparung von Treibhausgasemissionen festgelegt und kontrolliert werden können.

Japan kritisch gegenüber Fortsetzung des Kyotoprotokolls

Japan bekräftigte, ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyotoprotokoll alleine sei kein effektiver Weg, um den Klimawandel zu bekämpfen. Grundlage der weiteren Arbeit sollten stattdessen die im vergangenen Jahr in Kopenhagen getroffenen Vereinbarungen sein, sagte Japans Umweltminister Ryo Matsumoto am Donnerstag in Cancún.

Er begründete seine ablehnende Haltung damit, dass die Mitglieder des Kyoto-Protokolls nur 27 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursachten. Im Gegensatz zu Kyoto umfassten die zur Kopenhagen- Vereinbarung vorgelegten nationalen Vorschläge 80 Prozent der CO2- Emissionen.

Kopenhagen als neue Basis

Zugleich trat Matsumoto Vorwürfen entgegen, Japan wolle sich von Klimaverpflichtungen befreien. Sein Land werde nicht nur sein bisheriges Ziel von minus sechs Prozent umsetzen, sondern bis 2020 eine Reduktion um 25 Prozent erreichen, verglichen mit 1990.

Auch der kanadische Umweltminister John Baird sagte, sein Land wolle die Kopenhagen-Vereinbarung zur Grundlage eines neuen, «umfassenden und rechtlich bindenden Abkommen für die Zeit nach 2012» machen. Auf das Kyoto-Protokoll, dessen Vorgaben Kanada bislang nicht eingehalten hat, ging Baird nicht ausdrücklich ein.

Der russische Klimabeauftragte Alexander Bedritsky warb ebenfalls für neue Vereinbarungen auf der Kopenhagener Basis. Verbindliche Ziele würden dann eben dort stehen und nicht mehr im Kyoto- Protokoll, sagte er in Cancún.

Auch der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen sagte, es sei ein weit verbreitetes Missverständnis, dass das Kyotoprotokoll das entscheidende Instrument sei, um dem Klimawandel zu begegnen.

Nicht mehr viel Zeit

Auch beim Waldschutzabkommen REDD waren Kernpunkte wie Finanzierung und ein Messsystem nicht endgültig geklärt. Zudem war noch nicht fertig ausformuliert, ob das Abkommen einzelne Wälder jeweils für sich oder die gesamten Wälder eines Landes betrachten soll. Falls nur ein Wald einzeln geschützt wird, besteht die Befürchtung, dass Holz im Nachbarwald geschlagen wird.

«Wir haben nicht mehr viel Zeit», mahnte die Verhandlungsleiterin des Gipfels, Patricia Espinosa, rund 20 Stunden vor offiziellem Abschluss des Gipfels. «Schauen Sie über Ihre nationalen Grenzen hinweg.»

Deutschlands Umweltminister Röttgen mahnte, nicht zu viele Probleme auf die Zukunft zu verschieben. «Je weniger wir hier in Cancún aufs Papier bringen, desto dicker wird der Rucksack für Durban», betonte Röttgen mit Blick auf die UNO-Klimakonferenz 2011 in Südafrika.

Dort soll ein neues, verbindliches Klimaschutzabkommen, das die diversen Einzelabkommen berücksichtigt, zustande kommen. Der Gipfel in Cancún soll in der Nacht zu Samstag MEZ enden - Japan schliesst aber auch eine Verlängerung bis in den Tag hinein nicht aus.

SDA/mrs

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