Zum Hauptinhalt springen

«Wir müssen schauen, dass Trump die richtigen Fakten bekommt»

«Wie erreicht man Donald Trump?», fragt John Oliver in der ersten Sendung nach der Pause. Seine Antwort: Werbespots im Fernsehen.

Jürgen Schmieder, Los Angeles
Satiriker mit Haltung: John Oliver. Foto: PD
Satiriker mit Haltung: John Oliver. Foto: PD

Wie erreicht man den Menschen, der seit drei Wochen als der mächtigste Mensch auf diesem Planeten gilt? Recherchierte Fakten erreichen Donald Trump ja ganz offensichtlich nicht. Richterliche Beschlüsse scheinen ihn nicht zu interessieren. Und über Satire kann er offenbar auch nicht lachen. Der US-Präsident wirkt wohl auch deshalb bisweilen wie ein Kleinkind im Sandkasten, das alle anderen Kinder verprügelt hat und sich dann darüber beschwert, dass niemand mehr mit ihm spielen will.

Es ist sehr schwer, zu so einem Menschen durchzudringen, und deshalb ist es gut, dass John Oliver aus der Winterpause zurück ist.

Kurzer Rückblick: Der in den USA lebende Brite hatte die dritte Staffel seiner Satiresendung «Last Week Tonight» vor mehr als zwei Monaten mit einer gewaltigen Explosion und der Aussage «Fuck 2016» beendet. Nun hat er am Sonntagabend die neue Spielzeit mit drei Fragen begonnen: Wie kann es sein, dass ein notorischer Lügner zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird? Woher kommen diese Lügen? Und warum glauben ihm so viele Menschen?

Oliver ist kein Komiker, der jedem Gag hinterherjagt

Weil Oliver eine einfache Bestandsaufnahme natürlich nicht genügt, muss sich an diese drei Fragen eben die Eingangsfrage anschliessen: Wie erreicht man diesen Menschen? Und das alles führt zu den bislang besten fünf Fernsehminuten dieser Präsidentschaft. Denn Olivers Antwort wird lauten: Man muss Werbespots im Fernsehen schalten. Nein, nicht man, er, Oliver, muss es tun. Und zwar während jener Sendungen, die der Präsident dem Vernehmen nach sicher schaut – den Nachrichtenshows also, die morgens im Kabelfernsehen laufen.

Wieso er das nicht in seiner eigenen Sendung macht? John Oliver zieht seine komödiantische Kraft schliesslich aus dem Fakt, dass er aus einer einzigartigen Nische heraus sendet. Erst einmal ist er Brite. Und er ist einerseits kein Mitglied der Mainstream-Media-Journalisten-Gilde. Er ist andererseits aber auch kein Komiker, der jedem noch so faden Gag hinterherjagt, als würde der ihm Geld schulden.

Olivers Stärke ist damit: Haltung. Er nimmt die Position des aufrichtig Besorgten ein, der sich Gedanken darüber macht, wie er mit dieser bizarren politischen Situation umgehen soll. Dazu recherchiert er zunächst intensiv und präsentiert am Ende eine Lösung, die beides hat: Witz und Ernst. So kaufte er im vergangenen Jahr zum Beispiel für 60'000 Dollar die Arztschulden von 9000 Amerikanern auf – und erliess sie den Betroffenen.

Das hat er von seinem Mentor Jon Stewart übernommen, der seiner Late-Night-Sendung «The Daily Show» bereits vor mehr als zehn Jahren das Motto «The Fake-News you can trust» verpasst hat. Als die Sendung zur wichtigsten Nachrichtenquelle für junge Amerikaner erklärt wurde, sagte Stewart: «Leute, vor meiner Show sind auf unserem Sender Puppen zu sehen, die Telefonstreiche machen.» Schon Stewarts Ernst war immer auch witzig, sein Witz immer auch ernst.

Information statt Werbung

Am Sonntag arbeitet Stewarts Schüler John Oliver also zunächst, Stichwort Recherche, 25 Minuten lang die Beantwortung der ersten drei Fragen ab. Das ist vorhersehbar und wirkt angesichts der bereits erschienenen Beiträge seiner Kollegen (etwa Samantha Bee bei «Full Frontal») ein wenig fad. Doch Oliver muss erklären und ausholen und auch ein bisschen langweilen, damit die einzelnen Töne zu einem stimmigen Schlussakkord werden. Das hat er in den vergangenen drei Spielzeiten immer wieder getan, vor zwei Jahren etwa, als er den Zuschauern zunächst den Korruptionsskandal um den Fussball-Weltverband Fifa erklärte – und dann den Fifa-Verantwortlichen Jack Warner aus Trinidad in einem Werbespot im trinidadischen Fernsehen dazu aufforderte, diesen Skandal gefälligst aufzuklären.

Witz und Ernst. Kurz darauf wurde Warner in Zürich verhaftet, er ist mittlerweile für alle Fussball-Aktivitäten gesperrt.

Diesmal kommt Oliver eben zu dem Schluss, dass der US-Präsident ein Fernsehjunkie ist, der einen Grossteil seiner Informationen aus Sendungen bezieht, die morgens im Kabelfernsehen laufen. Und an diese Erkenntnis schliesst nun diese These an: Trump sollte während dieser Nachrichtenshows künftig keine Werbefilme für Hämorrhoidensalbe oder Katheter mehr sehen, sondern einen Cowboy, der ihm die Demografie in amerikanischen Grossstädten erklärt, die Geografie von Afrika oder das nukleare Arsenal der Vereinigten Staaten.

«Trumps Realität verändert sich mit jedem einzelnen Satz – er könnte derzeit im Regen stehen und sagen, dass die Sonne scheint», sagt Oliver. Denn die Entscheidungen des Präsidenten würden auf zweifelhaften Informationen basieren: «Wir müssen dabei helfen, dass er die richtigen und wichtigen Fakten bekommt.» Bildung für den Präsidenten – Oliver hat dafür bereits zahlreiche Werbeinseln bei den Sendern Fox News, CNN und MSNBC gekauft. Die ersten Spots sollen von Montag an zu sehen sein.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch