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«Wir sind eine friedliebende Nation»

Bei seinem ersten Wahlkampfauftritt 2020 gibt sich Donald Trump als Verteidiger des christlichen Amerika und attackiert die «radikalen Demokraten».

US-Präsident Donald Trump umringt von Pastoren vor seiner Rede in einer sogenannten Megachurch in Miami. Foto: Keystone/AP
US-Präsident Donald Trump umringt von Pastoren vor seiner Rede in einer sogenannten Megachurch in Miami. Foto: Keystone/AP

Kurz vor Weihnachten erschien im christlichen Magazin Christianity Today ein für den US-Präsidenten unangenehmer Meinungsartikel. Darin sprach sich der Chefredakteur der Publikation für das Impeachment des Präsidenten aus und nannte ihn «unmoralisch». Es war der erste Artikel einer evangelikalen Publikation seit Langem, der etwas anderes als vollumfängliche Unterstützung für Trump zum Ausdruck brachte.

Etwa zwei Wochen später steht Präsident Trump auf der Bühne der fünftgrössten Kirche in Florida. Tausende Gläubige kommen regelmässig zum Gottesdienst in die El-Rey-Jesus-Kirche. Bevor er ans Mikrofon tritt, lässt sich Trump von acht ihn umringenden Pastoren segnen. Einer von ihnen ist Guillermo Maldonado, ein Trump nahestehender Prediger, der ihn nach Miami eingeladen hatte. In der El-Rey-Jesus-Kirche versammeln sich gewöhnlich auch illegale Einwanderer aus Mittelamerika. Laut Miami Herald hatte Maldonado im Sonntagsgottesdienst explizit drauf hingewiesen, dass auch Illegale bei dem Wahlkampfauftritt nichts zu befürchten hätten.

Trumps erste Worte an diesem Abend gelten dem grössten Ereignis der Vornacht, als eine US-Drohne den iranischen General Qassim Soleimani tötete. Der US-Präsident stellt den hochumstrittenen Vorgang als eine Art Präventivschlag dar. Soleimani, der das Blut zahlloser Amerikaner an seinen Händen gehabt habe, habe eine weitere «sehr grosse Attacke» auf US-Kräfte geplant, «und wir haben ihn gekriegt».

Angesichts weltweiter Sorgen vor einem neuen Krieg im Nahen Osten sagte Trump: «Wir suchen nicht den Krieg, wir sind nicht darauf aus, Regime zu stürzen, aber ich werde als Präsident nie zögern, amerikanische Bürger zu schützen.» Und er betonte: «Wir sind eine friedliebende Nation.» Bereits kurz zuvor hatte der US-Präsident auf einer Pressekonferenz erkärt: «Wir haben letzte Nacht Massnahmen ergriffen, um einen Krieg zu stoppen. Wir haben keine Massnahmen ergriffen, um einen Krieg anzufangen.»

In der Kirche beginnt nach dieser Einführung Trumps eigentliche Aufgabe an diesem Abend: Mögliche aufkommende Zweifel christlicher Wähler an seiner Eignung als bestmöglicher Lenker der Nation im Keim zu ersticken. Seine Taktik, wie so häufig im Wahlkampf, Attacke.

Trump als Kämpfer gegen «radikale Demokraten»

Trump zeichnet das Bild eines umkämpften christlichen Amerika, mit radikalen Demokraten, die das Land in einen antireligiösen Sozialismus führen und religiöse Freiheiten beschneiden wollen auf der einen Seite – und ihm, dem Verteidiger uramerikanischer christlicher Werte auf der anderen: «Amerika wurde nicht von religionshassenden Sozialisten aufgebaut, sondern von in die Kirche gehenden, gottgläubigen, freiheitsliebenden Patrioten.»

Worin genau die behaupteten «Angriffe» der «radikalen Demokraten» auf religiöse Freiheiten in den USA besteht, verrät Trump nicht. Stattdessen sagt er Sätze wie: «Die Demokraten wollen Gott ausperren, um ihre radikale Agenda zu verwirklichen» und «Ich habe den Krieg der Regierung gegen die Religion beendet».

Gern erzählt Trump auch kleine Geschichten: So sei ihm aufgefallen, dass dieses Mal an Weihnachten endlich wieder «Christmas» gesagt wurde. «Man ging in diese grossen Kaufhäuser, vor drei oder vier Jahren, und alle haben diesen Schnee und überall rot und weiss, aber da steht nirgends ‹Christmas'. Und ich habe gefragt: Wo ist 'Christmas'? Und sie haben gesagt: 'Wir dürfen das nicht sagen.› Jetzt sagen sie das alle wieder.»

Attacken auf politische Gegner

Am konkretesten wird Trump bei seiner Rede in seiner Unterstüzung der Anti-Abtreibungsbewegung und beim Thema Justiz. Er werde die Bestimmungen zur Abtreibung verschärfen, verspricht er. Auch habe er Dutzende konservativer Richter ernannt, die für Jahrzehnte die Politik des Landes prägen würden. Jemand habe ihm vorgeschlagen, einen 69-Jährigen zum Richter zu machen, doch ihm sei schnell klar gewesen, dass das keine gute Idee sei. Er ernenne lieber junge Richter, die den Job 40 Jahre lang machen können.

Auch in einer Kirche konnte sich Trump seine beliebten Angriffe auf politische Gegner nicht verkneifen. So verglich er den demokratischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur Pete Buttigieg mit der Comicfigur Alfred E. Neumann aus der Zeitschrift Mad und machte sich über dessen Namen lustig. Ausserdem unterstellte er ihm politischen Opportunismus. So sei Buttigieg offenbar «vor zwei Wochen» überraschend religiös geworden.

Zuletzt rief Trump seine Zuhörer dazu auf, sich für die Wahl registrieren zu lassen, um einen erneuten «monumentalen» Wahlsieg zu feiern: «Für Glauben und Familie, Gott und Land, die Flagge und die Freiheit.»

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