US-Medien kontern Trumps «Fake News»-Theorie

«Wir sind nicht die Feinde des Volkes»: Mehr als 350 Redaktionen setzen gemeinsam ein Zeichen gegen den Präsidenten.

«Journalisten sind nicht der Feind»: Klare Aussage des «Boston Globe». (Screenshot «Boston Globe»)

«Journalisten sind nicht der Feind»: Klare Aussage des «Boston Globe». (Screenshot «Boston Globe»)

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Seit Monaten wird in amerikanischen Redaktionen darüber nachgedacht, wie man mit den dauernden, im Ton zunehmend schärferen Attacken von US-Präsident Donald Trump auf die freie Presse umgehen könnte. Auf einer Wahlkampfveranstaltung nannte er die anwesenden Medienvertreter kürzlich «schreckliche, abscheuliche Leute», dabei zeigte er mit dem Finger auf sie. Zudem sprach er von den «widerwärtigen Fake News».

Dazu gehören in seiner Weltsicht renommierte Zeitungen wie die «New York Times» oder die «Washington Post» ebenso wie viele Fernsehsender. Besonders CNN hat der Präsident auf dem Kieker. Von diesem Sender nimmt er bisweilen keine Fragen mehr an. Mehrmals hat Trump die ihm nicht genehmen Medien als «Feinde des Volkes» bezeichnet. Das ist eine Sprache, wie man sie sonst nur aus autoritären Regimen kennt.

Auf Initiative des «Boston Globe» haben sich jetzt mehr als 350 Redaktionen in ganz Amerika zusammengeschlossen, um an diesem Donnerstag ein Zeichen zu setzen. In jedem der Blätter erscheint ein Leitartikel, der sich kritisch mit Trumps Attacken auseinandersetzt.

Jede Zeitung wird ihren eigenen Text verfassen, doch der Tenor wird jeweils sein: Mit seinen Angriffen auf die Medien untergräbt der Präsident bewusst eine der Säulen der Demokratie. Grosse Regionalzeitungen wie die «Denver Post», der «Houston Chronicle» oder der «Miami Herald» sind ebenso dabei wie Dutzende Lokalzeitungen jeder Grösse.

«Ich beantworte keine Fragen von CNN»: Donald Trump an der Pressekonferenz mit der britischen Premierministerin Theresa May. (Foto: Reuters, 13. Juli 2018)

Unterstützt wird die Aktion vom landesweiten Industrieverband American Society of News Editors sowie von mehreren regionalen Journalistenverbänden. In einer gemeinsamen Mitteilung schreiben sie, die Zeitungen sollten sich mit Trumps Angriffen auf die freie Presse auseinandersetzen, ganz gleich, welche politische Ausrichtung sie hätten. «Unsere Worte werden sich unterscheiden», heisst es, «aber wir können uns darauf verständigen, dass diese Attacken besorgniserregend sind.»

Wenn Trump die Medien auf seinen Wahlkampfveranstaltungen angreift, fordert er seine Anhänger oft dazu auf, ihre Meinung kundzutun. Sie reagieren in der Regel, indem sie die Vertreter der Medien wütend beschimpfen. Kürzlich hatte Trump eine Gruppe von Harley-Davidson-Fahrern in seinem Golfresort in Bedminster in New Jersey zu Gast. Er zeigte auf die ebenfalls anwesende Presse. «Na, was halten Sie von unseren Medien», fragte er mit sardonischem Grinsen. Die Motorradfahrer grummelten böse. Zu den bevorzugten Stilmitteln Trumps gehört seit jeher die Einschüchterung.

«Wir sind nicht die Feinde des Volkes», sagt eine Organisatorin

Als er im vergangenen Monat zu Veteranen in Kansas City sprach, sagte Trump: «Denken Sie daran: Was Sie sehen und was Sie lesen, ist nicht das, was passiert.» Ein Satz, der direkt aus dem dystopischen Roman 1984 von George Orwell entlehnt sein könnte – und eine Taktik, die zumindest bei seinen Fans Erfolg hat: Einer Umfrage des Senders CBS zufolge glauben lediglich elf Prozent der Trump-Anhänger, dass die sogenannten Mainstream-Medien sie mit korrekten Informationen versorgen. Neun Zehntel dieser Gruppe glauben hingegen, dass Trump genau das tue.

Marjorie Pritchard, stellvertretende Chefin des Meinungsressorts beim «Boston Globe» und eine der Organisatorinnen der Leitartikelaktion, sagte: «Wir sind nicht die Feinde des Volkes.» Eine Bestätigung für genau diesen Satz wollte kürzlich ihr CNN-Kollege Jim Acosta von Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders bekommen. Mehrmals fragte er sie während einer Pressekonferenz, ob sie öffentlich erklären wolle, dass die freie Presse der Vereinigten Staaten nicht der Feind des Volkes sei. Sie wollte nicht.

Erstellt: 16.08.2018, 08:44 Uhr

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