Zum Hauptinhalt springen

«Wir sollten 9/11 aus dem kollektiven Gedächtnis streichen»

Vor allem amerikanische und europäische Medien zeigen sich berührt von den Gedenkfeiern zu 9/11. Ein kritischer Kommentar erschien auf der Website des arabischen Fernsehsenders al-Jazeera.

Die Gedenkfeiern zu 9/11 werden in der Weltpresse unterschiedlich gewürdigt. Die Nation habe über Verlust und Widerstandsfähigkeit reflektiert, schrieb die« New York Times». Die Gedenktage seien eine Art kollektive Gruppentherapie gewesen, die von den Medien – Fernsehen, Radio, Zeitungen, Online-Portalen und Social-Media-Kanälen – gefüttert worden seien, heisst es in der «Washington Post».

Der kanadische «Globe and Mail» hingegen thematisierte den Umstand, dass die Welt mit dem Krieg gegen den Terror auf Abwege geraten sei. Ein Kommentator des arabischen Fernsehsenders al-Jazeera plädiert sogar dafür, 9/11 zu vergessen: «Wenn wir Respekt vor der Geschichte und der Menschheit haben, sollten wir 9/11 aus dem kollektiven Gedächtnis streichen.» Ground Zero solle man schliessen und die Touristen davon fernhalten. Die Anschläge seien ein monströser Akt gewesen, doch genauso schlimm sei die Art und Weise gewesen, wie die US-Regierung die zahlreichen Opfer missbraucht habe, um in ihrem Namen einen Krieg zu führen.

Auch in China wurden Stimmen laut, weniger in die Vergangenheit und mehr in die Zukunft – und auf die Terrorgefahr – zu blicken. China sei eines der Länder, das am meisten von den Terroranschlägen betroffen sei, schreibt «China Daily».

«Endlich ein Ort, wo Angehörige trauern können»

Auf grosses Interesse stiess die Gedenkfeier in Europa. Die Feier und die Einweihung der Gedenkstätte bei Ground Zero kamen beim britischen «Telegraph» gut weg: Endlich hätten die Hinterbliebenen einen Ort, wo sie trauern könnten, einen Ort, den sie berühren könnten. Die Trauernden hätten sich denn auch beim Mahnmal kaum von den eingravierten Namen der Opfer lösen können.

Als nüchtern und andächtig beschreibt die französische Zeitung «Le Monde» die Feier. Der gemeinsame Auftritt von Bush und Obama am Ground Zero symbolisiere, dass eine neue Politik immer nur die Fortsetzung der Geschichte mit anderen Mitteln sei, heisst es wiederum in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». «Aus dem Gefängnis des 11. September 2001 gibt es so schnell noch kein Entrinnen.»

Der alte Mann am Boden

Die «Tageszeitung» aus Berlin äussert sich vor allem kritisch zu den US-Terrorwarnung kurz vor dem 11. September 2011: «In den USA kritisieren nicht nur liberale Medien und Intellektuelle die Instrumentalisierung des Terrors durch rechte Politiker, sondern auch ganz normale Leute. Sie trauern. Sie gedenken. (...) Sie schütteln den Kopf, wenn sie sehen, wie ihr Land an diesem Tag der Trauer aufrüstet wie für einen Krieg. Viele wissen nicht, was sie schlimmer finden sollen: die Angst vor einem neuen Anschlag oder das fehlende Vertrauen in die Wahrheitsliebe der Regierung. Immerhin ist Wahlkampf. Was also ist angemessen, was politische Inszenierung? Natürlich muss dem Sicherheitsbedürfnis einer traumatisierten Nation Genüge getan werden. Doch muss das derart laut geschehen?»

Und die «Märkische Allgemeine» aus Potsdam kommentiert den zehnten Jahrestag der Attentate vom 11. September folgendermassen: «Wenn ein alter Mann am Ground Zero vor dem Denkmal für die Toten der Anschläge des 11. September 2001 verharrt, niedersinkt auf sein Knie und sich nur noch mit der Hand an jene Stelle klammert, die den Namen seines Sohnes trägt. Als wolle er die Verbindung nicht abreissen lassen, ihn zurückholen. Was könnte stärker ausdrücken, wie es Amerika geht? Obama und seine Landsleute eint das Bewusstsein um die fortwährende Gefahr und die eigene Verwundbarkeit.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch