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Wofür Obama Bundeskanzlerin Merkel eine Medaille verleiht

Angela Merkel ist zu einem dreitägigen Aufenthalt in den USA angekommen. Gesprächsthemen mit US-Präsident Barack Obama in Washington sind unter anderem die Schuldenkrise und die Lage in Afghanistan und Nahost.

Eine freundschaftliche Beziehung: US-Präsident Barack Obama mit Angela Merkel in Washington.
Eine freundschaftliche Beziehung: US-Präsident Barack Obama mit Angela Merkel in Washington.

Barack Obama und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel haben sich am Montagabend (Ortszeit) in Washington zu einem zweistündigen Gedankenaustausch getroffen und dabei unter anderem über die Schuldenkrise beraten.

Auf der breiten Agenda des privaten Abendessens in einem Restaurant in Georgetown hätten aber auch Nordafrika, Afghanistan, die Weltwirtschaft sowie die Lage in Deutschland und den USA gestanden, hiess es in deutschen Regierungskreisen. Es habe sich um einen «gelungenen, intensiven und freundschaftlichen Gedankenaustausch» gehandelt.

Merkel geniesst grosse Aufmerksamkeit

Bundeskanzlerin Angela Merkel geniesst bei ihrer USA-Reise ein ungewöhnliches Mass an Aufmerksamkeit durch den US-Präsidenten. Nicht nur, dass es 17 Jahre her ist, dass im Weissen Haus zuletzt ein Abendessen für einen deutschen Kanzler – damals Helmut Kohl – gegeben wurde. Merkel ist auch die erste europäische Politikerin, die eine solche Behandlung durch Barack Obama erfährt.

Gleich zu Beginn von Merkels Reise wurde deutlich, welche Aufmerksamkeit ihr der US-Präsident angedeihen lässt. Nicht nur, dass er sie gleich am ersten Abend in ein Gourmet-Restaurant ausführte, was an sich schon eine ungewöhnliche Geste war, wie es aus amerikanischen Delegationskreisen hiess. Es war auch seine Wagenkolonne, die die Bundeskanzlerin vorher aus dem Gästehaus der US-Regierung abholte.

Merkel trifft Joe Biden und Hillary Clinton

Heute Morgen wird Merkel dann mit militärischen Ehren durch Obama und dessen Ehefrau Michelle offiziell begrüsst, es folgt ein weiteres Gespräch mit dem US-Präsidenten. Mittags trifft Merkel Vizepräsident Joe Biden und Aussenministerin Hillary Clinton.

Vornehm wird es heute Abend zugehen, wenn Bundeskanzlerin Merkel von Barack Obama zum Staatsbankett empfangen wird. Festliche Kleidung ist Pflicht, das Protokoll kennt hier keine Gnade. Man könnte den Eindruck haben, dass sich die Beziehung zwischen Merkel und Obama auf einem ähnlich formellen, steifen Stand bewegt. Die Bundesregierung weist das aber zurück.

Eine ganz besondere Ehre

Mit Obamas Vorgänger George W. Bush schien die Beziehung herzlicher und persönlicher zu sein. Im November 2007 beispielsweise gab es ein Treffen auf dessen Ranch im texanischen Crawford. Bei dem Termin wurde bewusst auf Förmlichkeiten verzichtet, es galt ein Krawattenverbot, und die Einladung war eine besondere Ehrung. Vorher hatten nur wenige Regierungschefs ihren Fuss auf den Boden der «Prairie Chapel Ranch» gesetzt.

Allerdings: Das Staatsbankett, das Obama im Weissen Haus für Merkel ausrichtet, gilt ebenfalls als besondere Auszeichnung. Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen wurden in Obamas Amtszeit bislang nur die Spitzen aus China, Indien und Mexiko mit solch hohen protokollarischen Ehren empfangen. Eine vergleichbare Einladung an einen Deutschen habe es nur für Altkanzler Helmut Kohl gegeben.

Merkel bekommt hohe Auszeichnung

Obama selbst sagte dem «Tagesspiegel», er betrachte Merkel als gute Freundin und enge Partnerin. «Das ist einer der Gründe, warum ihr Besuch in Washington den ersten offiziellen Besuch mit einem Staatsdinner für einen europäischen Regierungschef in meiner Präsidentschaft markiert.»

Merkel wird bei der Veranstaltung die «Medal of Freedom» überreicht. Die Freiheitsmedaille ist die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten, und die CDU-Vorsitzende ist nach Kohl erst die zweite Deutsche, die den goldenen Orden verliehen bekommt. Für Obama ist die Kanzlerin jedenfalls eine «aufrichtige Freundin Amerikas und eine unbeirrbare Verfechterin des Bündnisses zwischen den USA und Deutschland». Er freue sich sehr darauf, ihr die Freiheitsmedaille zu überreichen, sagte der US-Präsident.

Aus Regierungskreisen heisst es, Bush und Obama seien eben zwei verschiedene Typen. Mit Obama könne die Kanzlerin sehr intensive und tief gehende Gespräche führen. Obamas Arbeitsweise sei der Merkels sehr ähnlich, er beherrsche seine Dossiers und kenne sich in den Themen aus.

Viel Zeit für Gespräche

Zeit für Gespräche mit Obama wird Merkel auf ihrer Reise genug haben. Sowohl die Zahl der Gesprächstermine als auch ihre geplante Dauer dürfen als Zeichen von Obamas Wertschätzung gegenüber Kanzlerin Merkel gewertet werden. Und so könnte der Beziehung zwischen beiden wohl die Note «sehr gut» verliehen werden - wenn da nicht die Sache mit dem Staatsbesuch wäre. Knapp zweieinhalb Jahre nach Amtsantritt hat der US-Präsident Deutschland noch keinen solchen Besuch abgestattet.

Obama besuchte Merkel nicht

Ende Mai reiste Obama nach Europa, war in Grossbritannien oder Frankreich zu Gast, tat aber nicht den Schritt über die deutsche Grenze. Beobachter in Washington machten damals allerdings keine Störungen in den deutsch-amerikanischen Beziehungen aus. Die Beziehungen zu Merkel gehörten vielmehr zu den stabilsten, die Obama überhaupt unterhalte, verlautete aus informierten Kreisen im Weissen Haus. Sie vermuteten eher logistische denn politische Gründe für Obamas Deutschland-Fremdelei.

Und in deutschen Regierungskreisen heisst es dazu, es könne doch wohl niemand erwarten, dass der US-Präsident nach Deutschland komme, wenn kurze Zeit später die deutsche Regierungschefin in die USA reise.

Die Spekulationen über eine Disharmonie zwischen Merkel und Obama rühren noch aus den Anfangstagen. Merkel hatte den Wunsch Obamas im Juli 2008, noch als Präsidentschaftskandidat der Demokraten am Brandenburger Tor zu sprechen, abgelehnt. Das Symbol der deutschen Einheit sollte gewählten amerikanischen Präsidenten als Kulisse vorbehalten bleiben, meinte sie. Letztlich sprach Obama vor 200'000 begeisterten Zuhörern an der Berliner Siegessäule – mit Blick auf das Brandenburger Tor.

Obama hat das Verhältnis zu Merkel geklärt

Seitdem gab es jedoch zahlreiche Kontakte zwischen Präsident und Kanzlerin. Merkel reiste seit Obamas Amtsantritt schon fünfmal in die USA, Obama stattete Deutschland als Präsident zwei Besuche ab – Baden-Baden und Kehl im April 2009 sowie Dresden, Buchenwald und Landstuhl im Juni 2009. Zudem tauschen sich beide regelmässig per Video und Telefon aus.

Für Obama ist sein Verhältnis zu Merkel geklärt. Mit der Kanzlerin verbinde ihn Freundschaft und Partnerschaft, sagte er im Interview. «Meine Freundschaft mit Kanzlerin Merkel gründet auf meinem hohen Respekt und meiner Bewunderung für ihre Führungsqualitäten und auf der Erfahrung, dass ich ihr vertrauen kann, wenn sie eine Zusage macht.»

dapd/pbe/mrs

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