Woher kommt Hillary Clintons Geld?

Donald Trump will das Geldsammeln der Clintons und ihrer Stiftung zum Wahlkampfthema machen. Ausgraben könnte er einiges.

Clintons Schwäche: Sie gilt als Teil des politischen Establishments.

Clintons Schwäche: Sie gilt als Teil des politischen Establishments. Bild: Rick Wilking/Reuters

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Die demokratische Präsidentschaftskandidatur ist ihr sicher, eine Traumkandidatin aber ist Hillary Clinton nicht. Im Verlauf ihrer nahezu vier Jahrzehnte im Rampenlicht hat sich viel Schutt angehäuft, und manches davon wird Donald Trump in den kommenden Monaten auszuschlachten versuchen. Clintons Schwäche ist nicht nur, dass sie als Teil des politischen Establishments zu einer Zeit kandidiert, da dieses Establishment in den Vereinigten Staaten und andernorts unter Druck gerät – siehe Brexit und den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien in Europa.

Die Kandidatin wird überdies mit den sogenannten New Democrats identifiziert, die in den Neunzigerjahren die Partei Franklin Roosevelts in die politische Mitte rückten und Freihandel und Globalisierung favorisierten. Trump wird seiner demokratischen Widersacherin unter anderem vorhalten, sie habe jedes Handelsabkommen ohne Rücksicht auf den Verlust amerikanischer Arbeitsplätze unterstützt und sich ausserdem zusammen mit ihrem Ehemann in grossem Stil bereichert.

Hillary Clinton, so Trump Anfang Juni, habe als Amerikas Chefdiplomatin das Washingtoner Aussenamt «in ihren privaten Hedgefonds verwandelt». Der republikanische Kandidat übertreibt, die rasante Anhäufung privaten Reichtums sowie manche Vorgänge bei der 1997 gegründeten Clinton-Stiftung aber werden unweigerlich zum Wahlkampfthema werden.

Spenden aus Saudiarabien

Dass die Clintons zwischen 2001 und 2015 über 150 Millionen Dollar mit Reden verdienten, ist nicht weiter überraschend. Ebenfalls nicht verwunderlich ist, dass sich Bill Clintons Einnahmen für Auftritte und Reden verdoppelten und verdreifachten, nachdem Hillary 2009 Aussenministerin geworden war. So erhielt der frühere Präsident laut dem US-Fernsehsender ABC eine halbe Million Dollar für eine Rede vor russischen Investmentbankern und gar eine Dreiviertelmillion Dollar für einen Redebeitrag bei einer chinesischen Telecomkonferenz.

In diesem Dickicht von Geld und Einfluss hofft Donald Trump nun im Wahlkampf fündig zu werden.

Viele der Auftritte hatten zudem einen einträglichen Nebeneffekt, da die Veranstalter eine Spende an die Clinton-Stiftung überwiesen. Dort zahlten auch Nationen ein, deren Menschenrechtsverletzungen Hillary Clintons Aussenministerium regelmässig anprangerte. Unter den Spendern befanden sich Saudiarabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Brunei, Kuwait sowie Algerien. «Ist es ein Problem, wenn eine amtierende Aussenministerin und eine Stiftung, die von ihrem Ehemann geleitet wird, Millionen Dollar bei Regierungen einsammeln, die Diktaturen sind?», fragte während des demokratischen Vorwahlkampfs Hillarys Rivale Bernie Sanders und gab sogleich die Antwort: «Ja, das ist ein Problem.»

Damit nicht genug, stiegen laut einer Untersuchung des Wirtschaftsdienstes «International Business Times» die amerikanischen Waffenverkäufe an Staaten, die Gelder an die Clinton-Stiftung überwiesen, während der Amtszeit Hillary Clintons sprunghaft an: 20 Spendernationen erhielten US-Waffen und Ausrüstung im Wert von 165 Milliarden Dollar. Unter den Käufern befanden sich Katar, Saudiarabien sowie Algerien – obschon das US-Aussenamt das algerische Regime 2010 schwerer Menschenrechtsverletzungen beschuldigt und Präsident Clinton 1995 verfügt hatte, das Aussenministerium müsse künftig Menschenrechtsverletzungen bei der Erteilung von Exportlizenzen für Waffen in Betracht ziehen.

Trotzdem erhielt Algerien während der Amtszeit Hillary Clintons Waffen und Ausrüstung im Wert von 2,4 Milliarden Dollar. Bereits 2010 hatte das nordafrikanische Land der Clinton-Stiftung 2010 eine halbe Million Dollar überwiesen. Amerikanische Rüstungskonzerne zahlten ebenfalls in die Stiftung ein. In diesem Dickicht von Geld und Einfluss hofft Donald Trump nun im Wahlkampf fündig zu werden. Er will die Clintons als Geschöpfe einer internationalen Elite zeichnen, die kein Verständnis für die Sorgen und Nöte des kleines Mannes aufbringt und sich im Zeitalter der Globalisierung schamlos auf Kosten der Durchschnittsbürger bereichert hat. Trumps Problem ist freilich, dass er selbst auf oft zwielichtige Weise zu Geld kam. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.06.2016, 08:55 Uhr

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