Wohltuend wenig Ideologie

Der künftige US-Aussenminister Rex Tillerson fiel in den Anhörungen im Senat durch Besonnenheit und klare Positionen auf.

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Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Exxon Mobil bezeichnete sich in den Anhörungen im Senat in ­Washington als Pragmatiker. Immer wieder wies er darauf hin, er habe als Ingenieur Erfahrung «in der Lösung komplexer Sachverhalte». Ausserdem sei er Texaner, scherzte er, ruhig und ausgewogen.

Dass man es nicht allein mit Ruhe und Ausgewogenheit bis an die Spitze des Ölmultis schafft und dass bei Milliardendeals mit Wladimir Putin in der Arktis nicht alles gerecht zu- und hergeht, erwähnte Rex Tillerson nicht. Schwer vorstellbar ist auch, wie Tillerson sich unvoreingenommen nach all den Jahren als ­Ölbaron plötzlich in den diplomatischen Dienst fügt und nationale Interessen vor private stellt.

Doch Tillersons Besonnenheit blitzte in den ­Anhörungen hervor, was neben dem Schlingerkurs Donald Trumps und dessen verbalen Aussetzern eine Wohltat war. Tillerson sprach wie ein Geschäftsmann. Nicht wie ein Ideologe.

Klare Worte zu Putin

Tillerson ist ein moderater Republikaner. In der Befragung sprach er sich gegen einen pauschalen Einwanderungsstopp für Muslime aus und räumte ein, dass es Klimawandel gebe und man handeln müsse. Er bekräftigte die Allianz mit der Nato, denn nur gemeinsam könne man globalen Problemen entgegentreten. Da klang er schon als der sehr viel verlässlichere Ansprechpartner als Trump, der mit seinen «America first»-Parolen Konzerthallen füllt.

Vor allem aber fand Tillerson klare Worte in Richtung Putin. Russland bezeichnete er als «Gefahr», die Annexion der Krim als «ungerechtfertigt». Tillerson benötigte nur wenige Minuten, um seine Haltung gegenüber Putin deutlich zu machen. Trump lässt jede Haltung vermissen.

Die Frage bleibt, ob sich Tillersons Pragmatismus überhaupt durchsetzen kann gegen einen Chef, der es vorzieht, via Smartphone ins Weltgeschehen einzugreifen. Angesprochen auf mögliche Dissonanzen mit seinem zukünftigen Boss, antwortete Tillerson, er habe Trumps Telefonnummer und werde es mit ihm besprechen. Voraussetzung dafür ist, dass Trump nicht gerade am Twittern ist.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2017, 21:09 Uhr

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