Wutausbrüche, Fast Food, Dauerstress

Wie es ist, wenn Donald Trump der Boss ist: Zwei Wahlkampfmanager beschreiben das Leben unter dem Präsidentschaftskandidaten.

Der Boss: Präsidentschaftskandidat Donald Trump mit dem ehemaligen Bürgermeister New Yorks, Rudolph Giuliani, in einem Restaurant in der Nähe von Pittsburgh, Pennsylvania. (10. Oktober 2016) Bild: Mike Segar/Reuters

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Der Boss brüllt jeden jederzeit an. Er flucht und droht, «fucking» ist eines seiner Lieblingswörter. Er ernährt sich nahezu ausschliesslich von Fast Food, lässt sich die Hosen am Leib von seiner jungen PR-Assistentin bügeln und fliegt samt Stab zu den donnernden Klängen von Elton John.

Der Mann heisst Donald Trump. Jetzt beschreiben sein ehemaliger Wahlkampfmanager Corey Lewandowski und der stellvertretende Wahlkampfmanager David Bossie in einem Buch die wilden Monate, als sich Donald Trump 2016 an die Spitze des republikanischen Kandidatenfelds schiebt und schlussendlich die US-Präsidentschaftswahl gewinnt.

Das Buch – «Let Trump Be Trump» – bleibt bewundernd, doch wird der Kandidat weniger bewundernswert, je mehr er in Erscheinung tritt. Trump reisst seinen Untergebenen regelmässig «das Gesicht ab», seine Wutausbrüche sind so legendär wie gefürchtet.


Video – Ein Jahr Twitter-Sturm

Seit seiner Wahl hält Donald Trump die Welt mit seinen zahllosen und oft rüden Tweets auf Trab. (Video: Tamedia)


Als der spätere Wahlkampfmanager Paul Manafort Trumps sonntägliche Auftritte in den politischen TV-Talkshows im April 2016 absagt, um den Kandidaten vor sich selber zu bewahren, geht Trump an die Decke. Umgehend befiehlt er dem Piloten seines Privathelikopters über New York eine niedrigere Flughöhe, um Manafort anrufen zu können.

«Haben Sie gesagt, ich soll am Sonntag nicht im Fernsehen auftreten? Ich erscheine im TV, wann immer ich das gottverdammt fucking möchte, und Sie sagen kein fucking Wort mehr dazu. Wie? Sie wollen, dass ich mich beherrsche? Ich werde noch lauter. Sie wollen ein politischer Profi sein? Ich sagen Ihnen, ich bin ein Profi, was das Leben angeht, ich kenne Typen wie Sie mit diesem Haar und dieser Haut!» Lewandowski bezeichnet Trumps Eruption anerkennend als «eine der grössten Zerlegungen in der Geschichte der Welt», gesteht aber ein, es habe oft Momente gegeben, als er und Bossie Trumps Flugzeug «mit einem Fallschirm verlassen» wollten.

Einblick in die Bordküche

Denn die Wut des Kandidaten macht vor nichts halt. Auch nicht vor Hope Hicks, der Büglerin. Als sie das Spezialbügeleisen mitzubringen vergisst, schreit Trump sie an: «Gottverdammt Hope, wie zur Hölle können Sie die Maschine vergessen?»

Die Verpflegung an Bord von Trumps Jet unterliegt genauen Vorschriften. Da der Kandidat Fast Food bevorzugt, beeilen sich die Unterlinge rechtzeitig mit der Bestellung, damit Trump nach Wahlkampfauftritten Mahlzeiten von McDonald’s, von Kentucky Fried Chicken oder von einer Pizzabude in sich hineinstopfen kann. Typisch: «Zwei Big Mac, zwei McDonald’s Fischbrötchen, Schokomilch». Die Bordküche ist prallvoll mit Kartoffelchips, kleinen Wiener Würstchen aus der Dose, Bretzelpackungen sowie Keksen – von allem gibt es extra, da der Bakterienfeind Trump nicht aus einer angebrochenen Packung isst.

Als Lewandowski krank in seinem Sitz an Bord des Wahlkampfjets hängt, fährt Trump ihn an: Wenn Lewandowski die Luft ausgehe, suche er sich einen anderen.

Als ein Wahlkampfhelfer eine Sonderbestellung bei McDonald’s aufgibt und Trump und seine Begleiter deshalb warten müssen, bläst der Kandidat ungeduldig zum Aufbruch, der Helfer bleibt nichtsahnend zurück. Lewandowski und Bossie beschreiben einen Wahlkampf, der völlig improvisiert und oft ohne professionelle Hilfe vonstatten geht.

Trump aber bleibt unerschütterlich, natürlich werde er gewinnen, versichert der Kandidat. Sein physisches Durchhaltevermögen ist erstaunlich: Als Lewandowski krank in seinem Sitz an Bord des Wahlkampfjets hängt, fährt Trump ihn an: Wenn Lewandowski die Luft ausgehe, werde er sich einen anderen suchen, schimpft der Kandidat.


Video – Auf Anweisung von oben

Russland-Ermittlungen – Michael Flynn hat sich auf einen Deal mit Sonderermittler Mueller eingelassen. (Video: Tamedia)


Erstellt: 04.12.2017, 21:02 Uhr

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