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Zollstreit treibt US-Firmen in die Grauzone

Während einige von «katastrophalen Zöllen» sprechen, suchen andere bereits nach Mitteln zum Umgehen der Sanktionen.

Nike fordert die Regierung Trump auf, Schuhimporte von den erhöhten Zöllen auszunehmen. Foto: Reuters
Nike fordert die Regierung Trump auf, Schuhimporte von den erhöhten Zöllen auszunehmen. Foto: Reuters

«Wir haben dank der grossartigen Arbeit unserer Teams nur sehr geringe Auswirkungen der Zölle», sagte Cisco-Chef Chuck Robbins kürzlich zu den letzten Quartalszahlen des führenden Ausrüsters der Internetinfrastruktur. «Als wir gesehen haben, dass die Zölle auf 25 Prozent steigen würden, haben wir sofort gehandelt und getan, was zu tun war.»

Was Cisco gemacht hat, versuchen immer mehr auch andere Firmen. Sie stellen ihre Zulieferkette in Asien um und verschieben den Export in Länder ausserhalb von China. Dabei wird auch eine Grauzone des «tariff engineering» – des Frisierens der Zölle – ausgekundschaftet.

So leicht wie die weltweit tätige und vernetzte Cisco können andere Firmen aber nicht Umwege um die Strafzölle finden. Auch eine Verlagerung zurück in die USA, von der Präsident Trump träumt, ist unmöglich.

Ein Ausweichen sei reines Wunschdenken, erklärt Greg Daco, Chefökonom von Oxford Economics. «Die Art der in China gefertigten Güter und der Umfang der Lieferungen machen einen Ersatz nahezu unmöglich.» Die US-Fertigungsindustrie hat in den letzten 20 Jahren rund ein Drittel der Kapazitäten verloren. Mehr als 90'000 Fabriken wurden geschlossen, und 5 Millionen Stellen gingen verloren.

Wenig Spielraum haben deshalb vor allem Unternehmen, die in den USA keine industrielle Basis mehr haben. Schuhe, Kleider, Textilien, Möbel und Elektronika made in the USA gibt es praktisch keine mehr oder dann nur als Luxuswaren. Deshalb forderten diese Woche 173 Firmen, darunter Nike und der Sportkleiderhersteller Under Armour, die Regierung Trump auf, Schuhimporte unbedingt von den auf 25 Prozent erhöhten Zöllen auszunehmen. «Der Zoll ist für unsere Kunden, für unsere Unternehmen und die amerikanische Wirtschaft eine Katastrophe», heisst es im Brief.

Finanzminister widerspricht Trump

Die Branche verweist darauf, dass Schuhe bereits vor der jüngsten Sanktionsrunde mit Zöllen von teilweise mehr als 30 Prozent belastet wurden. Mit den kumulierten Strafzöllen würden Schuhe bis zu 100 Prozent belastet. Getragen würden die Kosten von 7 Milliarden Dollar von den Kunden, schreibt der Branchenverband der Importeure und widerspricht damit Präsident Trump.

Er hatte zur Rechtfertigung der Zollerhöhung getwittert, es gebe «keinen Grund, dass die US-Kunden die Zölle bezahlen. Sie können komplett vermieden werden, wenn Waren aus Ländern ohne die Zusatzzölle oder in den USA selber (die beste Idee) gekauft werden.»

«Nur China hat ausreichend Kapazitäten, Arbeitskräfte und Logistik.»

David French vom Dachverband der US-Detailhändler

Wie schief Trump mit seiner Nullsummenrechnung liegt, zeigte gestern auch die Anhörung von Finanzminister Steven Mnuchin. Zum ersten Mal räumte er ein, dass die Zölle die US-Kunden direkt treffen werden. Er habe deshalb bereits mit dem Finanzchef von Walmart, dem grössten Detailhändler des Landes, gesprochen. «Ich wollte wissen, welche Güter sie aus anderen Ländern als China beziehen können und welche nicht.»

Auch mit allen anderen grossen Importeuren von Konsumgütern sucht Mnuchin nach seinen Worten nach Mitteln und Wegen, die Strafzölle zu vermeiden. Neben Walmart haben bereits auch Adidas und Nike Preisaufschläge wegen der Zölle bekannt gegeben. «Ich erwarte, dass viele Unternehmen aus China in andere Regionen verlagert werden, womit keine Zusatzkosten entstehen.»

Rohmaterialien nur in China erhältlich

Doch ein Ausweichen auf andere Länder sei für viele Firmen innert nützlicher Frist gar nicht möglich, sagt David French vom Dachverband der US-Detailhändler. «Nur China hat ausreichend Kapazitäten, Arbeitskräfte und Logistik.» Ob andere Länder die gleiche Infrastruktur, zum Beispiel Tiefseehäfen für den Export, bauen könnten, sei ungewiss. Doch verweisen Handelsexperten auch darauf, dass eine Verschiebung in andere asiatische Länder die Kosten sogar erhöhen könnten, da diese nicht ausreichend Produktionskapazitäten und zudem für viele Industrien keinen Ersatz bieten.

Beispiel ist die chemische Industrie. Viele Rohmaterialien seien ausserhalb von China gar nicht erhältlich, sagt Jennifer Abril, Präsidentin des Verbandes der Chemieindustrie. Und diese Rohmaterialien würden nun voll mit 25 Prozent belastet. Umgekehrt verteuerten die chinesischen Retorsionszölle den Export derart, «dass US-Chemiefirmen aus dem chinesischen Markt verbannt werden».

So suchen Firmen auch die Grauzone des internationalen Handels auf, dort, wo die Herkunftsbezeichnung geändert und Exporte sogar physisch verändert werden. Ford zum Beispiel begann vor zehn Jahren, den in der Türkei gefertigten Transit Connect als Passagierauto einzuführen, obwohl es sich um einen Lieferwagen handelt. Zu diesem Zweck wurde die zweite Sitzreihe vor dem Export entfernt und erst in den USA wieder eingebaut.

Statt 25 Prozent für einen Cargo Van war nur ein Zoll von 2,5 Prozent für ein Passagierauto fällig. In einer ersten Runde gewann Ford einen Prozess gegen die US-Regierung, die geltend machte, das Unternehmen habe den wahren Wert des Fahrzeuges verschwiegen. Es wäre so, als ob ein Tabakimporteur hochklassigen Tabak in einer Rolle minderwertiger Ware versteckt hätte.

Der Fall ist noch offen, nachdem die US-Regierung das Beispiel Ford erneut vor Gericht gebracht hat. Sie will mit einem abschliessenden Urteil, dass US-Firmen die China-Zölle nicht mit allen Mitteln des «tariff engineering» umgehen können.

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