Zu Höherem berufen

Nikki Haley tritt als UNO-Botschafterin der USA ab. Das dürfte kein Abschied von der grossen Politik sein – ganz im Gegenteil.

Hoffnungsträgerin vieler Republikaner: Nikki Haley (46), noch bis Ende Jahr Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen.

Hoffnungsträgerin vieler Republikaner: Nikki Haley (46), noch bis Ende Jahr Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen. Bild: Keystone

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Bei ihrer Ankündigung, per Ende Jahr als UNO-Botschafterin zurückzutreten, musste Nikki Haley gleich eine Klarstellung abgeben. Nein, sie strebe für 2020 keine Präsidentschaftskandidatur an und sie werde bei den Vorwahlen der Republikaner nicht gegen Donald Trump antreten. Diese Klarstellung äusserte Haley am Dienstag bei einem gemeinsamen Medientermin mit dem US-Präsidenten.

Unklar blieben aber die Beweggründe für ihren Rücktritt, den sie als «Auszeit» bezeichnete. Haley sagte nur, es sei «wichtig zu wissen, wann die Zeit zu gehen gekommen» sei. Als eine mögliche Erklärung für den Rücktritt gilt laut einigen Medienberichten, dass Haley sich nach einem besser bezahlten Job in der Privatwirtschaft umschauen könnte. Für diese Vermutung spricht, dass sie Schulden haben soll, unter anderem eine Million Dollar für eine Hypothek.

Andere Politbeobachter sehen einen Zusammenhang mit kürzlichen Vorwürfen, wonach sie teure Geschenke angenommen und nicht korrekt deklariert haben soll. Dabei ging es vor allem um Flüge in einem privaten Luxusjet.

Rücktritt als Karriereschritt

Schliesslich gibt es eine weitere Erklärung, und diese ist sehr plausibel: Der Rücktritt ist ein Karriereschritt. Die frühere Gouverneurin von South Carolina, die erst 46 Jahre alt ist, machte nie ein Geheimnis daraus, dass das Amt der UNO-Botschafterin der USA auch ein Sprungbrett zu höheren Ämtern sei. Das renommierte US-Magazin «Foreign Policy» bezeichnete Haley einst als «Politikerin nach altem Muster, die die UNO-Diplomatie als Fahrkarte ins Weisse Haus nutzt». Medien spekulierten bereits über eine Präsidentschaftskandidatur für die Wahlen in zwei Jahren. Nach ihrer gestrigen Klarstellung gilt Haley nun als Kandidatin für die Präsidentschaftswahlen 2024.

Mehrere Medien weisen darauf hin, dass Haleys Rücktritt als UNO-Botschafterin nicht das Ende ihrer Politkarriere sein wird. «Foreign Policy» zeigt sich überzeugt, dass sie zurückkommen wird («Nikki Haley Will Be Back»).

Für ein Comeback in ein paar Jahren hat sie gute Voraussetzungen, denn sie geht mit guten Noten und viel Lob in ihre Auszeit. Haley ist eine der wenigen hochrangigen Personen in der Trump-Administration, deren Ruf sich während ihrer Amtszeit verbessert und nicht verschlechtert hat. Nach Ansicht von «Foreign Policy» war Haley «sicher und überzeugend, wo der Präsident und der Aussenminister weniger sicher oder gar desinteressiert erschienen, die Regierungsaufgaben wahrzunehmen und die Entscheide der US-Administration der Öffentlichkeit darzulegen».

Hohe Zustimmung auch bei Demokraten

Auch andere wichtige US-Medien lobten das Wirken der Republikanerin, die das Amt bei den Vereinten Nationen ohne Erfahrungen in Sicherheits- und Aussenpolitik angetreten hatte. «Nikki Haley wird vermisst werden», kommentierte die Trump-kritische «New York Times». Haley profilierte sich rasch als wortgewandte Fürsprecherin von Trumps «America First»-Aussenpolitik. Sie scheute sich aber nicht, Kritik an Trump zu äussern. In der Öffentlichkeit erhält sie hohe Zustimmung. In einer kürzlichen Umfrage bekam sie sogar von den Demokraten eine Zustimmung von 55 Prozent.

Als Tochter indischer Einwanderer ist Haley eine Ausnahmeerscheinung bei den Republikanern, deren Spitzenpersonal hauptsächlich aus europäischstämmigen Weissen besteht. Nimrata Nikki Randhawa Haley, wie ihr vollständiger Name heisst, war von 2011 bis 2017 als erste Frau Gouverneurin von South Carolina und die zweite Gouverneurin in den USA mit indischem Migrationshintergrund. Und sie gilt als Hoffnungsträgerin vieler Republikaner, auch bei den Frauen in ihrer Partei. Bei ihrem Medientermin mit Präsident Trump schloss sie zwar eine Präsidentschaftskandidatur für 2020 aus. Offen liess Haley aber eine solche Kandidatur vier Jahre später. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 10.10.2018, 19:27 Uhr

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