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Zwischen den Fronten

Eugene Kasperskys Software ist erfolgreich – und umstritten.

Der Vorwurf: Russische Hacker sollen seine Produkte gezielt ausgenutzt haben, um an Geheimnisse der US-Spione zu kommen: Der IT-Unternehmer Eugene Kaspersky. Bild: Sean Gallup/Getty Images
Der Vorwurf: Russische Hacker sollen seine Produkte gezielt ausgenutzt haben, um an Geheimnisse der US-Spione zu kommen: Der IT-Unternehmer Eugene Kaspersky. Bild: Sean Gallup/Getty Images

Die Zeigefinger von Eugene Kaspersky fahren durch die Luft, sie zeigen nach vorn, zur Seite und nach oben, er wirft den Kopf in den Nacken und schaut an die Decke. «Die Türschlösser, die Feuermelder, die Klimaanlagen: Cyber ist überall», sagt er. Und aus Sicht des 52-jährigen IT-Unternehmers heisst das: Überall ist eine Angriffsfläche für Viren und andere digitale Attacken. Der Russe leitet von Moskau aus Kaspersky Labs – und 400 Millionen Menschen, Unternehmen und Institutionen nutzen die Anti-Viren-Software seiner Firma, der Jahresumsatz liegt bei umgerechnet mehr als 600 Millionen Franken.

Kaspersky hat sein Auftreten als Cyber-Erklärer, Entertainer und Selbstvermarkter perfektioniert. An einer Veranstaltung der «Süddeutschen Zeitung» im Berliner Hotel Adlon macht er vor vollem Saal Werbung für seine Website mit «very funny travel pictures».

Das ist die normale Kaspersky-Show, aber bei allen Scherzen: Die vergangenen Monate hätten ihn mitgenommen, sagt er. Sein Unternehmen ist zwischen die Fronten eines geopolitischen Machtspiels geraten. Russland und die USA beharken sich in einem Streit mit Hacks, Leaks und Onlinepropaganda. Es geht unter anderem um den Vorwurf, Russland habe über das Internet gezielt in den US-Wahlkampf eingegriffen. «Es ist eine sehr schwierige Zeit für mich, weil sie mich für all das verantwortlich machen.» Damit meint er die Amerikaner: Vor kurzem haben die USA Kaspersky Labs geächtet. Das Heimatschutzministerium hat amerikanischen Behörden untersagt, dessen Software zu benutzen. Der Vorwurf: Russische Hacker sollen Kaspersky-Produkte gezielt ausgenutzt haben, um an Geheimnisse der US-Spione zu kommen.

Er sei, so schwört er, «einer von den Guten». Er spricht lieber über aktuelle Gefahren.

Darum geht es auch im Fall von digitalen Angriffswerkzeugen des US-Geheimdienstes NSA, der Auslöser – oder, je nach Perspektive: Vorwand – für den Regierungsbann gegen Kaspersky war. Die Daten hatte ein NSA-Mitarbeiter vorschriftswidrig auf seinem Privatcomputer, als dieser gehackt wurde. Auf dem Rechner fanden Ermittler auch Sicherheitssoftware aus dem Hause Kaspersky. Kaspersky bestreitet die Vorwürfe. Er sei, so schwört er, «einer von den Guten». Er spricht lieber über aktuelle Gefahren.

Entscheidend sei, kritische Infrastruktur wie Kraftwerke und das Stromnetz zu schützen. «Wenn sie keine Energie mehr haben, das ist das Ende der Welt!», ruft er. Er könne, so sieht es Kaspersky, dabei helfen, dass so etwas nicht passiert. Und Beweise gegen ihn gebe es bisher «zero», sagt er, keine. Da habe wohl einfach jemand eine Rechnung mit ihm offen. Und dann folgt ein Exkurs in die Philosophie des Informatikers: «Im Cyberspace gibt es nur Fakten. Wahrheit und Unwahrheit – 0 und 1.» Alles einfach, alles binär, wie die Sprache der Maschinen. Dass Kaspersky die beherrscht, darüber zumindest besteht kein Zweifel.

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