Anders genau hinschauen

In ungewöhnlicher Form rüttelt uns Karikaturist Felix Schaad mit seinen Comicreportagen auf.

Karikaturist Felix Schaad reiste mit Médecins Sans Frontières (MSF) nach Lateinamerika und begleitete einen Teil der Flüchtlingsroute. Video: Felix Schaad, Yves Magat

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In einer Comicreportage über Honduras lenkt Felix Schaad, der Karikaturist des «Tages-Anzeigers», unseren Blick auf eine der Ursachen für die Flüchtlingskrise in Zentralamerika. Zeichnungen, die auf den ersten Blick nüchtern, auf den zweiten verstörend wirken, bringen uns eine Region nahe, die weit entfernt ist, selten thematisiert wird – und durch die scharf geführte Flüchtlingsdebatte in den USA dennoch geradezu weltpolitische Ausstrahlung hat.

Es ist schon das dritte Mal, dass Schaad seine Stifte eingepackt hat und in ein Konfliktgebiet gereist ist (nach dem Besuch einer Ebola-Klinik in Sierra Leone 2015 und des Kriegs­gebiets in der Ostukraine 2017). Die Comicberichterstattung über Kriege und gesellschaftliche Umwälzungen ist nicht neu: In jüngerer Zeit hat der in den USA lebende Malteser Joe Sacco mit gezeichneten Berichten etwa über die Balkankriege ein grosses Publikum angesprochen. Auch der Schweizer Patrick Chappatte hat solche Reportagen vorgelegt.


Comicreportage: «Die Killer verfolgen ihre Opfer bis in die Notaufnahme» Die honduranischen Städte Tegucigalpa und San Pedro Sula gehören zu den gefährlichsten Städten der Welt. Unser Karikaturist Felix Schaad war vor Ort und hielt die katastrophalen Zustände in einem Comic fest. (Abo+)


Dennoch bleiben die Schaad-Bilder überraschend, sie sprengen unsere Lese- und Sehgewohnheiten und sorgen für ungewöhnliche Aufmerksamkeit. Auch geschriebene Berichte können Eindrücke von der täglichen Arbeit von Hilfsorganisationen in Krisengebieten vermitteln. Auch Fotos zeigen uns Personen und Orte.

Die Schaad-Bilder überraschen und sprengen unsere Lese- und Sehgewohnheiten.

Die Schaad-Seiten jedoch haben eine ganz eigene Perspektive, sie leben von der Subjektivität des Karikaturisten. Manches wird überzeichnet, anderes nur angedeutet, einige Protagonisten erscheinen im Porträt, andere nur schemen- und symbolhaft. Manche Zeichnung kommt objektiv wie eine Gebrauchsanleitung daher – und wirkt in ihrer Banalität umso schockierender, weil es um kaum fassbare alltägliche Gewalt und den routinierten Umgang damit geht.

Im Angesicht des allgegenwärtigen Leidens nicht abzustumpfen, darum bemühen sich Berichterstatter und Leserinnen ständig. Dass das nicht immer gelingt, zeigen uns die Schaad-Bilder. Sie helfen uns, noch einmal – ganz anders – genau hinzuschauen.


Hintergrund: Jetzt oder nie In Honduras herrschen Gewalt, Korruption und Armut. Doch es gibt einen Lichtblick. Allerdings bewegt die Drohung der USA, eine Mauer zu bauen, noch mehr Menschen zum Auswandern.

Erstellt: 28.04.2019, 20:57 Uhr

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