Pariser Attentat trifft Winterthurer Journalismus-Studenten

Was denken angehende Journalisten nach dem Angriff auf Branchenkollegen über ihren Beruf?

Äussern sich nach dem Terroranschlag auf «Charlie Hebdo» zur Presse- und Meinungsfreiheit: Die angehenden Journalisten der ZHAW in Winterthur. (Video: Anja Metzger)

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«Entsetzt, erschüttert, sprachlos.» Die Reaktionen der Journalismus-Studenten in Winterthur haben denselben Tenor wie die Solidaritätsbekundungen, die weltweit stattfinden: tiefe Betroffenheit und Anteilnahme – #JeSuisCharlie

Darüber hinaus machen sich die Jungjournalisten Gedanken über ihre berufliche Zukunft. Leandro Huber fühlt sich durch das Ereignis «beeinträchtigt». Er befürchtet, dass der Angriff auf «Charlie Hebdo» eine Einschränkung seines Wunschberufs zur Folge haben könnte: «Die Meinungsfreiheit wird infrage gestellt. Journalisten überlegen sich nun zweimal, was sie schreiben wollen», sagt Huber, der an der Zürcher Hochschule für Angewandte Medienwissenschaften (ZHAW) im ersten Semester studiert.

«Kein Risiko ist zu gross»

Davon möchte sein Kollege Arianit Peci nichts wissen. Er fühlt sich durch das Attentat angespornt. «Kein Risiko ist zu gross, um Nachrichten auch künftig unzensiert wiederzugeben.» Es sei nun wichtiger denn je, dass Journalisten die Öffentlichkeit über Terrorismus und Religionskonflikte informieren. Dabei müsse die Berichterstattung immer «objektiv» sein und die Fakten korrekt wiedergegeben werden: «Über eine Milliarde Muslime lebt auf diesem Planeten, ein Grossteil davon absolut friedlich. Es ist die Aufgabe der Medien, diese Relation aufzuzeigen», sagt Peci.

Lisa Aeschlimann ist überzeugt, dass der Terrorschlag ihre künftige Arbeit als Journalistin beeinflusst. «Ich fühle mich bekräftigt, Werte wie Pluralismus und Meinungsfreiheit noch entschlossener zu vertreten.» Wer jetzt zurückschrecke, mache sich unbewusst zum Gehilfen der Attentäter. «Ihr Ziel ist die Abschreckung», sagt Aeschlimann.

«Das ist Sensationsjournalismus»

Auch Sarah Fluck, die im 5. Semester studiert, möchte als Journalistin couragiert auftreten: «Angst im Journalismus führt zu Selbstzensur.» Die Studentin ist der Meinung, dass die Hintergründe und Fakten nun genau analysiert werden müssen. Eine 24-Stunden-Berichterstattung, die auf Vermutungen basiert, findet sie heikel und auf die emotionalisierenden Titelseiten mit den «Je suis Charlie»-Schriftzügen könnten die Zeitungen ihrer Meinung nach ruhig verzichten: «Das ist Sensationsjournalismus», sagt Fluck.

Erstsemester-Student Huber findet, dass die Medien satirische Mittel künftig vorsichtiger einsetzen sollten. Ob Mohammed-Karikaturen oder der Papst als Kinderschänder: «Solche Zeichnungen sind kontraproduktiv und giessen unnötig Öl ins Feuer.» Anderer Ansicht ist sein Jahrgangskollege Peci: «Gestalterische Mittel leben von der Provokation. Satire sollte im Journalismus immer einen Platz haben.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.01.2015, 09:50 Uhr

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