Der Held aus dem Supermarkt

Während der Geiselnahme im Hyper Cacher in Paris versteckt der Angestellte Lassana Bathily Kunden im Kühlraum. Nun erzählt er im Detail seine Geschichte – und auch, wie die Polizei ihm zuerst nicht geglaubt hat.

Lassana Bathily im Interview mit BFMTV.


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Frankreichs neuer Held ist 24 Jahre alt und Muslim. Der Supermarktangestellte Lassana Bathily soll während der Geiselnahme im Pariser Hyper Cacher mehreren Menschen das Leben gerettet haben.

Bathily stammte ursprünglich aus Mali. Als Amedy Coulibaly den Supermarkt im Osten von Paris stürmt, betet Bathily gerade im Keller des Ladens. Plötzlich stehen mehrere Kunden vor ihm, die vor dem Geiselnehmer in den Keller geflohen sind, so Bathily gegenüber dem französischen Fernsehsender BFMTV. Der 24-Jährige erzählt, was dann geschah: Er führt die Menschen in einen Kühlraum, schaltet Kühlung und Licht aus. Dann versucht er, die Leute zu beruhigen. «Ich sagte ihnen, sie sollen keinen Lärm machen – der Geiselnehmer würde uns sonst hören und käme in den Keller, um uns zu töten.»

Laden-Grundriss für die Polizei

Doch Coulibaly vermutet, dass Personen in den Keller geflohen sind. Er schickt eine Angestellte des Hyper Cacher, um sie zu holen. Vier Leute begleiten die Angestellte, erzählt Bathily. Dem Geiselnehmer sollen sie versichern, es befinde sich niemand mehr im Keller. Bathily bietet derweil den Übrigen im Kühlraum an, sie über den Lastenlift aus dem Gebäude zu bringen. Doch die Menschen fürchten, das Geräusch des Lifts könnte sie verraten.

Also schleicht sich Bathily selber über die Feuertreppe aus dem Gebäude. Vor dem Supermarkt wird er von der Polizei in Empfang genommen. Diese hält den jungen Mann offenbar zunächst für einen Komplizen des Geiselnehmers und legt ihm Handschellen an. Nach eineinhalb Stunden schafft es Bathily, die Beamten vom Gegenteil zu überzeugen. Er zeichnet den Polizisten den Grundriss des Ladens auf, gibt ihnen den Schlüssel für ein Absperrgitter, sagt ihnen, dass sie die Eingangstür des Marktes ohne Gefahr für die Geiseln aufbrechen können.

Ehrenlegion und Staatsbürgerschaft

Widersprüche gibt es derzeit, wenn es um die Zahl der Leute geht, die Bathily versteckte. Verschiedene Medien berichten von fünf, sechs oder gar fünfzehn Personen. Frankreich scheint dieses Detail kaum zu kümmern: Der junge Mann wird als Held gefeiert. Wie «Le Figaro» berichtet, bedankte sich Frankreichs Präsident François Hollande telefonisch bei Bathily für seinen Einsatz. Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu bedankte sich in einer Synagoge in Paris dafür, dass er das Leben von Juden gerettet hat.

Bereits wenige Stunden nach den Vorfällen von Paris wurde eine Facebook-Seite in seinem Namen aufgeschaltet; diese hat gut 15'000 Fans. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wird Bathily unter dem Hashtag #UneMedaillePourLassana gefeiert. Zahlreiche Nutzer fordern gar, Lassana Bathily soll in die französische Ehrenlegion aufgenommen werden – und er soll die französische Staatsbürgerschaft erhalten. Diese hat Bathily schon länger beantragt. (kpn)

Erstellt: 12.01.2015, 11:16 Uhr

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