Zum Hauptinhalt springen

Abdeslam überstand drei Polizeikontrollen

Nach den Anschlägen in Paris fehlt von Salah Abdeslam noch immer jede Spur. Nun erzählt ein Freund von der Flucht des mutmasslichen Attentäters.

Ein Steckbrief des einzig überlebenden Attentäters von Paris: Salah Abdeslam. (Archiv)
Ein Steckbrief des einzig überlebenden Attentäters von Paris: Salah Abdeslam. (Archiv)
Police National, Keystone
Razzia in Brüssel: Die Polizei hat den mutmasslichen Paris-Attentäter Salah Abdeslam lebendig gefasst. (18. März 2016)
Razzia in Brüssel: Die Polizei hat den mutmasslichen Paris-Attentäter Salah Abdeslam lebendig gefasst. (18. März 2016)
AFP
Mohamed Abdeslam, ein Bruder des Gesuchten, zündet Kerzen für die Opfer an.
Mohamed Abdeslam, ein Bruder des Gesuchten, zündet Kerzen für die Opfer an.
Emmanuel, AFP
1 / 14

Einer der mutmasslichen Attentäter von Paris, der flüchtige Salah Abdeslam, ist nach Angaben aus Ermittlerkreisen auf der Flucht nach Belgien dreimal von der französischen Polizei kontrolliert worden. Damit wurde am Sonntag ein am selben Tag erschienener Artikel der französischen Zeitung «Le Parisien» bestätigt. Grundlage für die Berichte ist die Zeugenaussage von Hamza Attou, einem Freund von Abdeslam aus dem Brüsseler Viertel Molenbeek.

Attou und ein weiterer Freund, Mohammed Amri, sollen den flüchtigen Franzosen Abdeslam nach den Anschlägen vom 13. November mit dem Auto aus Paris abgeholt und nach Brüssel gefahren haben. Beide sitzen in Belgien in Untersuchungshaft. Attou zufolge drohte Abdeslam während der Fahrt, er werde das Auto in die Luft sprengen, sollte er nicht nach Brüssel gebracht werden. Er erinnerte demnach daran, dass sich auch sein an den Anschlägen in Paris beteiligter Bruder Brahim dort in die Luft sprengte und dass er selbst Menschen mit der Kalaschnikow getötet habe.

Attou zufolge erzählte Abdeslam während der Fahrt, dass er den Ausweis seines Bruders in einem Auto zurückgelassen habe, damit Brahim «weltweit bekannt» werde - «so wie Coulibaly». Der Islamist Amédy Coulibaly war am 9. Januar, zwei Tage nach dem Anschlag auf das Pariser Büro der Satirezeitung «Charlie Hebdo» mit zwölf Toten in einen jüdischen Supermarkt der Hauptstadt eingedrungen. Er erschoss dort vier seiner jüdischen Geiseln, bevor die Polizei ihn tötete.

Langsam auf kleinen Strassen fahren

Während der Flucht von Paris nach Brüssel verlangte Abdeslam laut Attou, langsam zu fahren und kleine Strassen zu benutzen, um nicht in Polizeikontrollen zu geraten. Das Trio geriet jedoch auf die Autobahn nach Belgien und wurde dreimal angehalten.

Bei der ersten Kontrolle habe sie der Polizist gefragt, ob sie etwas «konsumiert» hätten. Amri und Attou antworteten demnach «Ja», weil sie gerade einen Joint geraucht hatten. Der Polizist habe gesagt, das sei «nicht gut», doch weil es «heute nicht das Vordringliche» sei, habe er sie ohne Kontrolle ihrer Papiere weiterfahren lassen. Abdeslam habe derweil schweigend auf der Rückbank gesessen. Erst beim zweiten und dritten Mal wurden die Personalausweise kontrolliert.

130 Tote und 350 Verletzte

Bei der dritten Kontrolle an einer Tankstelle in der Nähe von Cambrai habe Abdeslam sogar seine Adresse in Molenbeek angegeben, sagte die Quelle aus Ermittlerkreisen weiter. Zu diesem Zeitpunkt wurde noch nicht nach Abdeslam gefahndet. Als Abdeslam von der Toilette kam, war den Angaben zufolge seine Jacke offen. Darunter seien weder ein Sprenggürtel noch eine Kalaschnikow zu sehen gewesen.

Bei den Attentaten vom 13. November in Paris wurden 130 Menschen getötet und mehr als 350 weitere verletzt. Mehrere Attentäter hatten in Cafés, Restaurants und im Konzertsaal Bataclan sowie vor der Fussballarena Stade de France wahllos auf Menschen geschossen oder sich selbst in die Luft gesprengt. Die meisten Angreifer sind inzwischen identifiziert. Von Abdeslam fehlt seit den Anschlägen jede Spur. Seine genaue Rolle bei der Angriffsserie ist noch unklar.

«Heute weint die gesamte Nation um die Opfer»: Präsident Hollande bei seiner bewegenden Trauerrede. (27. November 2015)
«Heute weint die gesamte Nation um die Opfer»: Präsident Hollande bei seiner bewegenden Trauerrede. (27. November 2015)
Reuters
Anführer der Nation: Präsident François Hollande (rechts) steht bei der Trauerfeier vor der französischen Regierung. (27. November 2015)
Anführer der Nation: Präsident François Hollande (rechts) steht bei der Trauerfeier vor der französischen Regierung. (27. November 2015)
Reuters
Die Regierung stellte sogar ein hochauflösendes Bild der Fahne online, damit die Franzosen sie ausdrucken und aufhängen können.
Die Regierung stellte sogar ein hochauflösendes Bild der Fahne online, damit die Franzosen sie ausdrucken und aufhängen können.
Keystone
1 / 15

AFP/woz

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch