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«Stop! Hau ab, sonst lass ich eine Geisel hochgehen»

Auf neu aufgetauchten Audioaufnahmen aus der Terrornacht von Paris ist das erste Mal zu hören, was sich in den letzten Minuten im Inneren des Bataclan abgespielt hat.

«Bataclan» überlebt: Denys Plaud besucht den Ort der tödlichen Anschläge. (7. November 2016)
«Bataclan» überlebt: Denys Plaud besucht den Ort der tödlichen Anschläge. (7. November 2016)
Oleg Cetinic/AP, Keystone
Draussen konnten die Leute fliehen, im Konzerthaus wurden sie als Geiseln gehalten: Verwundete werden vor dem Bataclan evakuiert. (14. November 2015)
Draussen konnten die Leute fliehen, im Konzerthaus wurden sie als Geiseln gehalten: Verwundete werden vor dem Bataclan evakuiert. (14. November 2015)
Yoan Valat, Keystone
Das Bataclan ein paar Tage nach den Anschlägen. (17. November 2015)
Das Bataclan ein paar Tage nach den Anschlägen. (17. November 2015)
Patrick Kovarik, AFP
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Ein Diktiergerät wurde im ersten Stock des Pariser Konzerthauses Bataclan gefunden. Es stammt aus der Blutnacht vom 13. November 2015, als islamistische Terroristen in koordinierten Anschlägen über die Stadt verteilt 130 Menschen ermordeten, 90 davon im Bataclan.

Laut der französischen Zeitung «Le Parisien» und anderen Medien sind darauf neue Audioaufnahmen des Bataclan-Massakers zu hören. Offenbar wollte ein Besucher des Konzerts der amerikanischen Band «Eagles of Death Metal» den Auftritt mitschneiden und wurde dabei von den Terroristen überrascht. Das Gerät blieb im Chaos liegen. Nachdem Ermittler die Aufnahmen zusammen mit den Funksprüchen der Polizei ausgewertet haben, wurde jetzt unter anderem von «Le Parisien» veröffentlicht, was genau auf dem Gerät zu hören ist.

Neben Schüssen und verzweifelten Schreien seien auch klar Stimmen zu erkennen. Darunter die Rufe von Besuchern: «Bringt euch in Sicherheit!» und «Träume ich oder was?» Es folgen sieben Minuten, in denen Schüsse zu hören seien, unterbrochen von widersprüchlichen Befehlen der Täter: «Steh auf oder ich töte dich!» oder «Leg dich hin oder ich erschiesse dich!»

«Die Stunde der Rache ist gekommen»

Einer der Attentäter habe seine Botschaft an die Leute im Bataclan gerichtet: «Ihr bombardiert unsere Brüder in Syrien und im Irak. Warum sind wir nun hier? Wir sind aus Syrien gekommen, um euch dasselbe anzutun.» Die Ermittler konnten einzig diese Stimme klar einem bestimmten Terroristen zuordnen: Samy Amimour. Der ehemalige Busfahrer ist derjenige, der Augenzeugen zufolge während des Massakers mit einem «sadistischen Lachen» auf der Bühne Xylophon spielte.

«Wir sind Männer, wir bombardieren am Boden. Wir haben es nicht nötig, dies mit Flugzeugen zu tun», führt ein anderer Attentäter fort. «Ihr habt euren Präsidenten Hollande gewählt, das ist seine Kampagne. Bedankt euch bei ihm dafür.»

Den Geiseln sei gedroht worden: «Wer versucht, den Helden zu spielen, den bringe ich um.» Nach zwei Schüssen habe einer der Attentäter gerufen: «Die Stunde der Rache ist gekommen.»

«Wir werden überall zuschlagen»

Zwölf Minuten lang sei zu hören, wie Leute in Serie erschossen werden. Dann die Stimme eines Terroristen, als er sich als IS-Mitglied zu erkennen gibt: «Kennt ihr Daesh? (...) Daesh, das ist der Islamische Staat. Sie sind überall, in Frankreich, in den Vereinigten Staaten. Wir werden überall zuschlagen.»

Einem Polizisten sei es in der Zwischenzeit gelungen, in den Saal zu gelangen und Amimour ins Visier zu nehmen. Dieser droht und beschimpft ihn: «Hau ab, hau ab!» Der Polizist habe darauf auf den Fanatiker geschossen, der es jedoch im selben Moment schaffte, seinen Sprengstoffgürtel zu aktivieren. «Allah Akbar!», feiern ihn seine Komplizen.

«Kommt ja nicht rein, sonst jagen die alles in die Luft»

Gemäss der Rekonstruktion der Ermittler verstecken sich die Attentäter Ismaël Omar Mostefaï und Foued Mohamed-Aggad als nächstes in einem Raum im ersten Stock. Inmitten der Geiseln verschanzen sie sich und ernennen einen der Besucher zu ihrem Sprecher: «Wir wurden als Geiseln genommen. Sie tragen Sprenggürtel. Kommt ja nicht rein, sonst jagen die alles in die Luft.»

Die französische Polizei habe über die Handys der Zuschauer versucht Kontakt herzustellen, doch der schlechte Empfang verhinderte dies. Als sich die Polizisten dem Raum näherten, in dem sich Mostefaï und Aggad verschanzt haben, habe einer der Terroristen gewarnt: «Stop! Hau ab, sonst lass ich eine Geisel hochgehen.» Die Rettungskräfte drehen um. Einige der Konzertzuschauer rufen um Hilfe, andere flehen die Polizisten an, sich zurückzuziehen, aus Angst vor einem weiteren Blutbad.

Um 23.37 Uhr soll ein Polizist in sein Funkradio gerufen haben: «Holt sie hier raus, es reicht jetzt!» Vierzig Minuten später gelingt es den Rettungskräften, die letzten Geiseln aus dem Bataclan zu befreien.

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