16 Tote nach Drohnenangriff – in Pakistan steigt die Wut auf die USA

In Pakistan tötete US-Drohne mindestens 16 Menschen. Gemäss einer Umfrage sieht inzwischen ein Grossteil der pakistanischen Bevölkerung die USA als grosse Bedrohung für das Land.

Amerika soll aus dem Land verschwinden: Mitglied der Jamaat-e-Islami-Partei protestiert in der Stadt Karachi gegen die Drohnenangriffe der US-Armee.

Amerika soll aus dem Land verschwinden: Mitglied der Jamaat-e-Islami-Partei protestiert in der Stadt Karachi gegen die Drohnenangriffe der US-Armee. Bild: Keystone

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Drei vermutlich von den US-Streitkräften ausgeführte Raketenangriffe im Nordwesten Pakistans haben nach Geheimdienstinformationen heute insgesamt 16 mutmassliche Extremisten das Leben gekostet. Eine Rakete habe eine Residenz in dem Ort Wicha Dana in Süd-Waziristan getroffen und dabei sieben mutmassliche Extremisten getötet, teilten die Geheimdienstangehörigen mit.

Etwa zur gleichen Zeit sei auch ein muslimisches Seminar im selben Ort angegriffen worden, dabei starben fünf mutmassliche Aufständische. Unter den Toten befänden sich vermutlich auch Männer arabischer Herkunft, hiess es weiter. Die dritte Rakete traf ein Fahrzeug, das an der Grenze von Nord- und Süd-Waziristan unterwegs war.

Drohnenangriff bereits am Freitag

Erst am Freitag waren bei einem US-Drohnenangriff in Süd-Waziristan neun Menschen getötet worden. Unter ihnen war offenbar Ilyas Kashmiri, einer der Al-Qaida-Anführer. Auf den 47-Jährigen hatten die USA ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt.

Der neue Angriff am Montag war der zehnte bekannt gewordene Drohnenangriff in Pakistan seit der Tötung von Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden Anfang Mai durch ein US-Spezialkommando im pakistanischen Abbottabad.

Heftige Kritik

Die Drohnenangriffe stossen in der pakistanischen Bevölkerung auf heftige Kritik, weil immer wieder auch Zivilisten getötet werden. Auch die pakistanische Regierung kritisiert die Angriffe der unbemannten US-Kampfflugzeuge, duldet sie aber.

Gemäss einer nicht repräsentativen Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) bei 500 Pakistanern stellen die USA für mehr als einen Drittel der Befragten die grösste Bedrohung dar. Amerika wird damit als gefährlicher wahrgenommen als die Wirtschaftskrise, der Terrorismus oder der Erzfeind Indien.

USA als «grösste Gefahr»

Auf die Frage nach der grössten Bedrohung für Pakistan nennen 38 Prozent die USA, gefolgt von der Wirtschaftskrise (31 Prozent) und Terroristen (22 Prozent). Nur noch neun Prozent halten die benachbarte Atommacht Indien für die grösste Gefahr. KAS-Landeschef Babak Khalatbari nannte die Ergebnisse «überraschend».

Nach der heute veröffentlichten Umfrage glaubt ausserdem fast jeder Dritte (31 Prozent), dass Bin Laden noch am Leben sei. Fast drei Viertel der Befragten gehen davon aus, dass er zumindest nicht bei der eigenmächtigen US-Operation Anfang Mai in der nordpakistanischen Stadt Abbottabad getötet wurde. (mrs/sda)

Erstellt: 06.06.2011, 08:52 Uhr

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