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45 Tage Haft, 100 Dollar Busse: Mildes Urteil gegen Bin Laden-Witwen

Sie gingen mit Osama Bin Laden durch dick und dünn: Vor Gericht kommen die Witwen und Töchter des ehemaligen Al-Qaida-Chef verhältnismässig gut weg.

Die ehemaligen Frauen von Bin Laden sollen möglichst schnell in ihre Heimatländer rückgeführt werden: Polizei wacht vor dem Haus der Bin Laden-Wittwen in Islamabad.
Die ehemaligen Frauen von Bin Laden sollen möglichst schnell in ihre Heimatländer rückgeführt werden: Polizei wacht vor dem Haus der Bin Laden-Wittwen in Islamabad.
Keystone

Elf Monate nach der Tötung von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden sind seine drei Witwen wegen illegalen Aufenthalts in Pakistan zu je anderthalb Monaten Gefängnis verurteilt worden. Laut dem Urteil vom Montag müssen die Frauen 45 Tage ins Gefängnis und 10000 Rupien (rund 82 Euro) Strafe zahlen. Da die Zeit ihres Hausarrests teilweise auf die Strafe angerechnet wird, dürften sie schon bald in ihre Heimatländer abgeschoben werden.

Die drei Frauen waren bei dem Einsatz eines US-Kommandos in der Garnisonsstadt Abbottabad am 2. Mai 2011 festgenommen worden, bei dem der Al-Qaida-Chef getötet worden war. Seitdem stehen sie in einer Villa in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad unter Hausarrest. In dem vornehmen zweistöckigen Haus fand am Montag auch der dreistündige Prozess statt - hinter verschlossenen Türen. Polizisten riegelten den Eingang ab, die Journalisten drängelten sich auf der gegenüberliegenden Strassenseite.

Abschiebung in zwei Wochen

Wie der Bruder von Bin Ladens jüngster Ehefrau Amal Abdulfattah, Sakaria Ahmad Abdulfattah, sagte, wurden die drei Witwen sowie zwei erwachsene Töchter des Al-Qaida-Chefs zu denselben vergleichsweise milden Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt. Als Höchststrafe hatten ihnen fünf Jahre Haft gedroht. Die Geldstrafen haben sie nach Angaben des Bruders bereits bezahlt.

Zugleich forderte der Richter die Regierung in Islamabad auf, die Rückführung der Frauen in ihre Heimatländer in die Wege zu leiten, wie ihr Anwalt Muhammad Aamir sagte. Der Beginn der gut sechswöchigen Haftstrafe wurde seinen Angaben zufolge auf Anfang März zurückdatiert, als die Frauen formell angeklagt worden waren. Die Abschiebung werde daher «vermutlich in zwei Wochen abgeschlossen sein», sagte der Anwalt. Bis dahin dürfen sie demnach in der Villa bleiben.

Neben der Jemenitin Abdulfattah waren die beiden Bin-Laden-Frauen Chairiah Sabar und Siham Sabar aus Saudiarabien angeklagt, die zusammen mit Bin Laden sowie mehreren Kindern und Enkelkindern in dem Versteck in Abbottabad gelebt hatten. Neben den drei Frauen wurden jedoch nur zwei Töchter Bin Ladens angeklagt, die über zwölf Jahre alt und damit in Pakistan strafmündig waren.

Vier Kinder nach dem 11. September

Die 30-jährige Abdulfattah, die jüngste Gattin Bin Ladens und angeblich seine Lieblingsfrau, hatte nach ihrer Festnahme der pakistanischen Polizei gesagt, sie habe nach den Anschlägen vom 11. September 2001 noch vier Kinder mit Bin Laden bekommen. Sie kamen demnach 2003, 2004, 2006 und 2008 zur Welt.

Laut dem Vernehmungsprotokoll kam Abdulfattah im Juli 2000 nach Pakistan und ging von dort nach Afghanistan, wo sie mit Bin Laden und den anderen Ehefrauen zusammenlebte. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 floh die Jemenitin zunächst nach Karachi im Süden Pakistans. Den Al-Qaida-Chef traf sie später in der Stadt Peshawar nahe der Grenze zu Afghanistan wieder.

Anschliessend verbrachten sie rund zwei Jahre in Haripur nördlich von Islamabad. Dort wurden 2003 ihre Tochter Aasia und 2004 ihr Sohn Ibrahim geboren. Danach lebte das Paar bis zum Angriff des US-Kommandos in Abbottabad weiter im Nordosten, wo 2006 die Tochter Zainab und 2008 der Sohn Hussain geboren wurden. Die Aussagen Abdulfattahs sind eine der genauesten Quellen für das Leben Bin Ladens nach den Anschlägen in den USA 2001.

AFP/mrs

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