Angriff auf Hongkongs Justizministerin in London

Teresa Cheng soll von Demonstranten verletzt worden sein. In Hongkong gibt es derweil ein zweites Todesopfer.

Cheng wurde nach Angaben von Hongkongs Regierung an der Hand verletzt. (14. November 2019) Video: Tamedia

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Innerhalb eine Woche sterben bei den sich zuspitzenden Protesten zwei Menschen. Zunächst stürzte ein Demonstrant von einem Parkhaus, nun wurde ein alter Mann von einem Pflasterstein getroffen. Die Regierung macht «Randalierer» verantwortlich. Hongkong (dpa) – Am Rande der anhaltenden Anti-Regierungsproteste in Hongkong hat es ein weiteres Todesopfer gegeben. Wie die Behörden am Donnerstagabend mitteilten, erlag ein 70-jähriger Mann seiner schweren Verletzung.

Lokale Medien hatten zuvor berichtet, dass der Mann am Mittwoch in einer Auseinandersetzung zwischen Anti-Regierungsdemonstranten und Anwohnern von einem Pflasterstein am Kopf getroffen worden war. Der Mann hatte demnach mit anderen versucht, von Demonstranten zur Blockade ausgelegte Steine von der Strasse zu räumen. In anderen Berichten hiess es, er habe auch Videos und Fotos gemacht.

Demonstranten werfen Pflastersteine auf eine Strasse in Hongkong. (11. November 2019) Foto: Billy H.C. Kwok/Getty Images

Es werde vermutet, dass der Mann während seiner Mittagspause durch einen «harten Gegenstand» starb, der von «Randalierern» geschleudert wurde, hiess es in einer Mitteilung der Hongkonger Behörde für Lebensmittel- und Umwelthygiene, für die das Opfer als Reinigungskraft gearbeitet hatte. Die Polizei stufte die Tat als Mord ein.

Auf einem Video von dem Vorfall ist zu erkennen, wie sich schwarz gekleidete Demonstranten und eine andere Gruppe mit Steinen und anderen Objekten bewerfen. Der Mann wird von einem Objekt getroffen und fällt zu Boden.

Polizisten sichern eine Kreuzung im Bankenviertel von Hongkong. (14. November 2019) Foto: Justin Chin/Getty Images

Die Sonderverwaltungsregion Hongkong sei empört über «die böswillige Tat», hiess es in der Mitteilung der Regierung weiter. Die Polizei werde alle Anstrengungen unternehmen, um den Fall zu untersuchen und die Straftäter vor Gericht zu bringen.

Die Gewalt in Hongkong war in den vergangenen Tagen eskaliert. Vergangene Woche bestätigten die Behörden den Tod eines Studenten, der am Rande von Ausschreitungen von einem Parkhaus gestützt war. Am Montag hatte ein Polizist einem jungen Demonstranten in den Bauch geschossen. Sein Zustand hatte sich im Laufe der Woche gebessert. Ebenfalls am Montag zündete ein radikaler Demonstrant einen Sympathisanten der Regierung an (lesen Sie hier). Sein Zustand ist kritisch. Gleiches gilt für einen 15-Jährigen, der laut Berichten von einem Tränengas-Kanister am Kopf getroffen worden war.

Demonstranten blockieren den Edinburgh Platz im Zentrum Hongkongs mit einem Sitzstreik. (14. November 2019) Foto: Justin Chin/Getty Images

Derweil haben Proteste gegen die Hongkonger Regierung auch ausserhalb Hongkongs eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nach Angaben der Führung in der chinesischen Sonderverwaltungszone wurde Justizministerin Teresa Cheng in London von Demonstranten angegriffen und verletzt.

Das wäre die erste direkte Auseinandersetzung zwischen einem Hongkonger Regierungsmitglied und den Demonstranten - noch dazu im Ausland. Cheng war in der britischen Hauptstadt, um für Hongkong unter anderem als Geschäftsmetropole zu werben. China legte offiziell Beschwerde in Grossbritannien ein und forderte, dass die mutmasslichen Täter zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Hongkonger Regierung zufolge hat Cheng «schwere körperliche Schäden» erlitten. Die chinesische Botschaft in London teilte mit, Cheng sei zu Boden gedrückt und an der Hand verletzt worden.

Mehr als 4000 Demonstranten wurden festgenommen

Den fünften Tag in Folge entflammten auch am Freitag an vielen Orten in der Stadt Proteste. Demonstranten blockierten dabei mehrere Strassen. Die seit mehr als fünf Monaten anhaltenden Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungsregion richten sich gegen die Regierung: Die Demonstranten kritisieren unter anderem den wachsenden Einfluss Chinas auf die ehemalige Kronkolonie. Seit der Rückgabe an China 1997 wird Hongkong nach dem dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» autonom regiert.

Die Demonstranten fordern freie Wahlen, eine unabhängige Untersuchung von Polizeibrutalität sowie Straffreiheit für die bereits weit mehr als 4000 Festgenommenen. Auch der Rücktritt von Regierungschefin Carrie Lam gehört zu ihren Forderungen. (aru/sda)

Erstellt: 15.11.2019, 09:55 Uhr

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