Anschlag nach der Sonntagsmesse – 78 Tote

Bei einem Selbstmordanschlag auf Christen im Nordwesten Pakistans sind mindestens 78 Menschen ums Leben gekommen. Zwei Taliban-Terroristen hatten sich vor einer Kirche in die Luft gesprengt.

Einer der schlimmsten Anschläge seit Jahren: Krankenwagen sind vor die Kirche in Peshawar gefahren. (22. September 2013)
Video: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Beim schwersten Anschlag auf Christen in Pakistan seit Jahren haben Selbstmordattentäter Dutzende Menschen getötet. Zwei Angreifer sprengten sich in die Luft, als Gottesdienstbesucher gerade eine Kirche in der Stadt Peshawar nach der Sonntagsmesse verliessen.

Mindestens 78 Menschen kamen nach Regierungsangaben ums Leben. Unter ihnen seien 34 Frauen und sieben Kinder, sagte Innenminister Chaudhry Nisar Ali Khan. Mehr als 145 Menschen wurden bei dem Doppelanschlag nach Abschluss des Gottesdienst verletzt.

Der Leiter der örtlichen Polizeiwache, Muhammed Noor, sagte, in der Kirche sei gerade das Abschlussgebet gebetet worden. Vor dem Gotteshaus habe die Verteilung von Essen begonnen, als die beiden Selbstmord-Attentäter sich dort in die Luft sprengten.

Taliban bekennen sich zu Anschlag

Ein Augenzeuge sagte dem Sender Geo TV, mindestens 600 Gläubige seien zu dem Zeitpunkt auf dem Kirchenareal versammelt gewesen. Nach Polizeiangaben trug jeder der beiden Attentäter sechs Kilo Sprengstoff bei sich.

Zu dem Anschlag bekannte sich die militante Gruppe TTP Jundullah mit Verbindungen zu den Taliban. «Dies sind Feinde des Islam, deshalb nehmen wir sie ins Visier», erklärte ein Sprecher. «Wir werden unsere Angriffe auf nicht-Muslime auf pakistanischem Boden fortsetzen.»

Bischof Sadiq Daniel, der den anglikanischen Kirchen in Pakistan vorsteht, forderte einen besseren Schutz der Gotteshäuser. Er kündigte eine dreitägige Trauer an, bei der alle christlichen Bildungs- und Sozialeinrichtungen geschlossen blieben. In christlichen Spitälern würde nur die Notaufnahme geöffnet.

Sharif verurteilt Tat

Premierminister Nawaz Sharif verurteilte den Anschlag. Es sei gegen die Lehren des Islams und aller Religionen, Unschuldige anzugreifen, hiess es in einer Mitteilung. «Terroristen haben keine Religion.»

Sharif versucht seit seiner Amtsübernahme im Juni, Gespräche mit der TTP in die Wege zu leiten. Bislang sind diese Versuche erfolglos geblieben. Die Taliban setzen ihre Gewalttaten unbeirrt fort. Der Anschlag dürfte die Bemühungen Sharifs weiter erschweren.

Diskriminierte Christen

Christen in Pakistan klagen besonders im Zusammenhang mit den international umstrittenen Blasphemiegesetzen des Landes über Diskriminierung. Erst im Juli wurde ein Christ als Gotteslästerer zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die mögliche Todesstrafe wegen Blasphemie wurde bisher nicht vollstreckt, doch wurden mehrere Angeklagte nach ihrer Freilassung von Islamisten gelyncht. Nicht-Muslime - darunter Christen und Hindus - stellen weniger als fünf Prozent der rund 180 Millionen Pakistaner. (kpn/AFP)

Erstellt: 22.09.2013, 15:50 Uhr

Artikel zum Thema

Pakistan lässt Ex-Militärchef der Taliban frei

Nach drei Jahren Haft kommt Abdul Ghani Baradar frei. Der frühere Kämpfer der Mujahedin gilt als Schlüsselfigur für mögliche Friedensverhandlungen. Mehr...

Vergewaltigung einer 5-Jährigen in Pakistan – «Das war eine Bestie»

In der pakistanischen Metropole Lahore wurde ein kleines Mädchen entführt, mehrfach vergewaltigt und dann schwer verletzt vor einem Spital abgelegt. «Das waren keine Menschen», sagte die Justizministerin. Mehr...

Pakistan setzt ein Zeichen für das Nachbarland

Sieben ranghohe Taliban-Mitglieder werden in Kürze aus Gefängnissen in Pakistan freigelassen. Damit sollen die Friedensverhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Aufständischen erleichtert werden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Rioja fasziniert mit neuer Vielfalt

Die Winzer aus der Region Rioja glänzen mit stetig zunehmender Finesse und Vielfalt. Neben Weissweinen sind auch Einzellagen, Orts- und Gebietsweine auf dem Vormarsch.

Blogs

Sweet Home Diese Farben geben den guten Ton an

Never Mind the Markets Das griechische Zinswunder

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...