Ashtianis Todesurteil spaltet das Regime

Eine konservative iranische Zeitung stellt das Steinigungsurteil gegen Sakineh Mohammadi Ashtiani in Frage. Ein Zeichen, dass ihr Fall das Regime entzweit.

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«Die Lücke zwischen Strafprozessen und der Scharia», so lautet die Schlagzeile des Berichts in der Zeitung «Alef». Der Richter, der Sakineh Mohammadi Ashtiani wegen angeblichen Ehebruchs verurteilt hat, habe unzureichende Kenntnisse der Scharia, welche Verzeihung vorsieht und vier Zeugen verlangt, um jemanden wegen Ehebruchs verurteilen zu können.

Die Zeitung kritisiert auch, dass die iranischen Behörden es zugelassen haben, dass der Fall der zum Tode verurteilten Mutter zweier Kinder in der westlichen Welt für Aufruhr sorgt. «Die Geschichte Ashtianis ist von den Amerikanern, den Engländern und den Zionisten aufgeblasen worden. Aber was haben wir dagegen getan? Nichts!» sagt laut «Times» der Autor, Hojatoleslam Jalil Mohebby, ein Kader-Kleriker.

Unstimmigkeiten über das Urteil werden wachsen

Mohammed Mostafei, der Anwalt Ashtianis, der in Grossbritannien im Exil lebt, sagte der «Times»: «Das ist das erste öffentliche Zeichen von Unstimmigkeiten über Sakinehs Fall, und diese Unstimmigkeiten wachsen, weil das Regime den Fall vor sich hinschiebt.»

Die Zeitung «Alef» wird von Ahmad Tavakkoli kontrolliert, einem ehemaligen Minister und Cousin des Parlamentssprechers Ali Larijani und des Justizministers Sadegh Larijani. Die Zeitung unterstützt Ayatollah Ali Khamenei, steht aber Präsident Mahmoud Ahmadinejad kritisch gegenüber. Bisher haben staatlich kontrollierte Medien im Iran zurückhaltend über das Urteil im Fall Ashtiani berichtet.

Islam als brutale Religion hingestellt

Heftige Kritik am Todesurteil über die Iranerin äussert in der «Times» Mehdi Karroubi, ein Oppositionskandidat Ahmadinejads. «Ich verurteile solche Urteile aufs Schärfste und bin der Überzeugung, dass wir uns und den Islam damit zusätzlich isolieren. Sie stellen den Islam als brutale Religion dar, wo doch die Grundlage des Islam Liebe, Mitgefühl und Barmherzigkeit ist.»

Hassan Ghashghavi, stellvertretender iranischer Aussenminister, hat sich ebenfalls geäussert. Teheran werde notfalls Tausende hinrichten, um das islamische Recht zu schützen. Von Studenten auf Berichte von heimlichen Massenhinrichtungen im Vakilabad Gefängnis im Nordosten Irans angesprochen, sagte Ghashghavi: «Wir leben in einem islamischen Land und wir führen die Urteile des Korans aus, auch wenn Hunderttausend hingerichtet werden müssen.»

Hundert Menschen hingerichtet

In den letzten sechs Monaten sollen im Vakilabad Gefängnis über hundert Menschen hingerichtet worden sein. Auf Ashtianis Urteil angesprochen, bestritt Ghashghavi, dass im Iran seit 2005 ein Steinigungsurteil ausgeführt worden sei. Dem widerspricht wiederum Amnesty International. Die Menschenrechtsorganisation hat Kenntnis von mindestens drei Steinigungen seit 2008.

Erstellt: 09.11.2010, 16:03 Uhr

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