Aus der Höhle an die politische Spitze

Er schlief auf dem Boden, schuftete als Bauerngehilfe und lebte in einer Höhle: Xi Jinping, Chinas künftiger starker Mann, kultiviert das Image eines einfachen Mannes.

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Einen guten Teil seiner Jugend hat der kommende starke Mann Chinas in einem abgelegenen Dorf in einer Höhlenwohnung gelebt. Sieben Jahre schuftete Xi Jinping Seite an Seite mit Bauern und schlief auf blankem Boden – ein krasser Kontrast zu seiner verwöhnten Kindheit als Spross der kommunistischen Parteiprominenz.

Als sein Vater bei Mao Tsetung in Ungnade fiel, wurde Xi mit 15 Jahren nach Liangjiahe im Norden Chinas verschickt, um das einfache Landleben kennenzulernen. Die Jahre auf dem Land zählen zu den wenigen Einzelheiten, die über Xi bekannt sind – auch deshalb, weil Xi sie selbst als prägende Erfahrung geschildert hat.

Sie gehören zu dem unscharfen Bild des Mannes, der im Laufe seiner politischen Karriere kaum einmal auffiel und der nun zum Parteichef und nächstes Jahr zum Staatschef der zunehmend selbstbewussten Volksrepublik gekürt werden soll. Politisch ist er schwer einzuschätzen. Als kühner Reformer ist Xi nicht bekannt.

Fan von Hollywood-Kriegsfilmen

Die Bilanz seiner Posten in der Provinz lässt vermuten, dass er nichts gegen Privatwirtschaft und einige administrative Reformen hat, so lange sie das Machtmonopol der KP nicht gefährden. Er liebt Hollywood-Kriegsfilme, war mehrmals in den USA und lässt seine Tochter in Harvard studieren, kann im Streit mit Japan um eine Inselgruppe aber auch nationalistische Töne anschlagen.

Der massige 59-Jährige ist mit der bekannten Sängerin Peng Liyuan verheiratet und tritt leutselig auf, ganz im Gegensatz zu den üblichen steifen und unnahbaren Spitzenpolitikern.

«Durch Härten erfahren»

Sein unauffälliger Aufstieg gelang Xi, weil er aus zwei Aspekten das Beste gemacht hat: Er entstammt gehobenen, gebildeten Kreisen mit Verbindungen zu den Vätern der Revolution, die ihm in der chinesischen Politik einen entscheidenden Vorteil verschaffen, und pflegte zugleich das Image eines einfachen Mannes.

Dabei ging er nicht freiwillig nach Liangjiahe, das Kaff aus kleinen, in den kahlen Berg gehauener Behausungen. Als Sohn des ehemaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten Xi Zhongxun war er in den 50er-Jahren in gediegenen Umständen aufgewachsen.

Doch als Mao den Vater 1962 schasste, wurde Xi im Zuge der Kulturrevolution in die Provinz Shaanxi aufs Land geschickt. Ein Fluchtversuch brachte ihm sechs Monate Arbeitslager ein. «Messer werden am Stein geschärft. Menschen werden durch Härten erfahren», sagte er 2001 einer chinesischen Zeitschrift. «Wann immer ich später auf Probleme stiess, dachte ich nur daran, wie schwer es damals war, und dann erschien nichts mehr so schwierig.»

Der Vater half tatkräftig

Mit 22 Jahren verliess er Liangjiahe wieder. Nach neun vergeblichen Versuchen wurde Xi 1974 in die Partei aufgenommen und besuchte die Tsinghua-Eliteuniversität. Als er seinen Abschluss in Chemie machte, war Mao gestorben und sein Vater rehabilitiert.

Xi wurde Sekretär von Verteidigungsminister Geng Biao, nahm aber drei Jahre später einen niederen Posten in der Provinz Hebei an. Mithilfe seines Vaters stieg Xi 1985 zum Vizebürgermeister der Hafenstadt Xiamen auf, damals bei Wirtschaftsreformen vorne dran, und warb Investitionen an.

Auf dem Chefposten in der Provinz Zhejiang liess er später kleinere verwaltungstechnische Neuerungen zu, ohne sie selbst anzustossen. «Er wird nichts tun, was die Vorherrschaft der Partei schwächen könnte, aber zumindest kann man sagen, dass er sich um das Leben der Bauern und einfachen Leute kümmert», sagt Li Baiguang, damals Menschenrechtsanwalt in Zhejiang.

Nach einer kurzen Station in Shanghai wurde Xi nach Peking zurückbeordert und mit den Olympischen Spielen 2008 betraut. Nun steht der unauffällige Politiker vor dem Sprung nach ganz oben.

Erstellt: 05.11.2012, 12:33 Uhr

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