Begehrte Ware aus Russland

Das Flugabwehrsystem S-400 wird weltweit bestellt – inzwischen auch von einem Nato-Land.

Russisches Flugabwehrsystem S-400. Foto: Vadim Savitsky (Ministry Press Service)

Russisches Flugabwehrsystem S-400. Foto: Vadim Savitsky (Ministry Press Service)

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Sie sind eindeutig zu schwer, als dass Kunden sie dem Hersteller aus der Hand reissen könnten. Aber die Nachfrage nach russischen Flugabwehrsystemen des Typs S-400 Triumph ist gross. So gross, dass ein Konzernsprecher kokettierte: «Die Möglichkeiten der Produktion sind nicht grenzenlos.»

Ein halbes Jahr ist es her, dass Russlands Rüstungsunternehmen Rostec bekannt gab, es stelle jetzt S-400-Systeme für China her. China und Russland zelebrieren seit Jahren ihre militärpolitische Partnerschaft, in diesen Wochen aber folgten zwei weitere Aufträge mit grosser politischer Reichweite: Zuerst bestätigten Russlands Präsident und der türkische Staatschef einen Kaufvertrag für S-400-Systeme, dann besiegelte Wladimir Putin auch mit dem saudiarabischen König einen solchen Deal.

Heiss begehrte Ware «Made in Russia», so oft kommt das sonst nicht vor. Aber bei Russlands neuestem Flugabwehrsystem sollen die Staaten «regelrecht Schlange» stehen. Warum aber halten es China, Saudiarabien oder die Türkei für derart grossartig?

Das Nato-Land Türkei zeigt mit dem geplanten Kauf des russischen Flugabwehrsystems demonstrativ, dass es auf westliche, konkret: amerikanische, Rüstungshilfe nicht länger angewiesen sein will. Dieser politische Trotz macht andererseits nur Sinn, wenn aus militärischer Sicht die Ware stimmt. Das modernisierte mobile S-400-System – eigentlich eine ganze Gruppe von Abschussvorrichtungen – gilt als sehr effizient, weil es gleichzeitig die unterschiedlichsten Luftziele erfassen und automatisch bekämpfen kann: Kampfjets, hochfliegende Aufklärungsflugzeuge, ballistische Raketen, Marschflugkörper, Drohnen, sogar Tarnkappenbomber. Bis zu 36 Ziele erfasst es parallel, bei einer vermuteten Reichweite von 400 Kilometern und einer Höhe von 27 Kilometern. Das Königreich Saudiarabien also wäre damit in der Lage, sich gegen den grossen Rivalen Iran zu wappnen.

Besser als das US-System

«Dieses System hat seine Überlegenheit gegenüber allen anderen bewiesen, es ist sicher das beste Luftabwehrsystem, das es derzeit gibt», sagt Dmitri Schugajew, der Leiter des russischen Dienstes für militärisch-technische Zusammenarbeit. Etwas weniger überschwänglich erklärt der ehemalige Oberst Wolfgang Richter, Rüstungsexperte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, das russische Flugabwehrsystem immerhin «zu den Spitzenprodukten auf dem internationalen Markt. Es ist ein Projekt, mit dem die Türkei ihre Fähigkeit zur Luftabwehr erheblich verbessert.» Es sei «mit Sicherheit besser als das amerikanische Patriot-System, das Deutschland hat», sagt Richter. «Und günstiger scheint es auch zu sein.»

Für Russland sind die jüngsten Grossaufträge wichtig, weil sie seinen Ruf als zweitgrösste Rüstungsexportnation festigen, die Militärindustrie gehört zu den grössten Wirtschaftszweigen des Landes. Vor allem der Abschluss mit dem Nato-Land Türkei ist besonders geeignet, Moskaus Sehnsucht nach strategischem Gewicht zu befriedigen. Die US-Regierung ist jedenfalls nicht erfreut.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.10.2017, 21:58 Uhr

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