«Burma braucht eine Revolution des Geistes»

Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi sieht erste Anzeichen für einen politischen Wandel in Burma. Gewaltsame Aufstände wie in Libyen verurteilt sie und pocht auf einen friedlichen Regierungswechsel.

Bevorzugt einen langsamen politischen Wandel: Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi in Burma.

Bevorzugt einen langsamen politischen Wandel: Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi in Burma. Bild: Reuters

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«Es ist noch immer ein ziemlich langer Weg, aber ich denke, es gab positive Entwicklungen», sagte Suu Kyi in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP in der Zentrale ihrer Partei in Rangun. «Es gab Veränderungen, aber ich denke nicht, dass wir alle frei oder schon ganz frei sind», sagte die Friedensnobelpreisträgerin, die trotz langer Zeit unter Hausarrest weiter ungebrochen schien.

Sie bleibe «eine vorsichtige Optimistin». Birmas Präsident Thein Sein sei willens, «positive Veränderungen» zu erreichen, doch sei unklar, wie weit er Veränderungen durchsetzen könne. Es müsse eine «Revolution des Geistes» geben, forderte die 66-Jährige. Solange sich die Haltung der Behörden nicht ändere, werde es keinen wirklichen Wandel geben.

Zeit zur Vollendung

Mit Blick auf die Kämpfe gegen Libyens Machthaber Muammar al-Ghadhafi sagte Suu Kyi, sie wolle keinen gewaltsamen Aufstand in ihrem Land. In Libyen würden nach Beseitigung des alten Regimes noch lange «Bitterkeit» und «unverheilte Wunden» bleiben. In Burma waren 1988 und 2007 Proteste für die Errichtung einer Demokratie von der Militärjunta brutal niedergeschlagen worden. «Eine echte Revolution braucht Zeit zur Vollendung», sagte Suu Kyi. «Ich ziehe es vor, Wandel auf friedlichen Wege zu erreichen, durch Verhandlungen.»

Suu Kyi hatte den Grossteil der vergangenen 20 Jahre unter Hausarrest verbracht. Kurz nach der Parlamentswahl im vergangenen November, der ersten Wahl seit 1990, wurde sie freigelassen. Suu Kyis Nationale Liga für Demokratie, die wichtigste Oppositionspartei, hatte die Wahl als unfrei kritisiert und zum Boykott aufgerufen. Sie war daraufhin verboten worden, doch bleibt sie weiter aktiv. Ob ihre Partei die Wiederzulassung beantragen wird, um 2015 bei der nächsten Wahl anzutreten, liess Suu Kyi im AFP-Gespräch offen.

Suu Kyi zeigt sich ermutigt

Auf die Frage, ob sie Präsidentin werden wolle, sagte Suu Kyi, wer dazu nicht bereit sei, brauche nicht in die Politik zu gehen. Letztlich müsse aber das Volk entscheiden, wer Präsident sein solle. Suu Kyi war Ende August erstmals mit dem früheren General Thein Sein zusammengekommen, der im Frühjahr die Präsidentschaft übernommen hatte. Die Oppositionsführerin hatte sich anschliessend «ermutigt» gezeigt. Beobachter werteten die Gespräche als Zeichen des Bemühens der neuen zivilen Regierung um eine Annäherung an die Opposition.

Als weiteres Zeichen der Öffnung wurde vergangene Woche eine Gruppe ausländischer Journalisten ins Land gelassen, darunter ein AFP-Journalist. Angesichts des Fehlens konkreterer Schritte, etwa zur Entlassung der mehr als 2000 politischen Gefangenen, bleiben jedoch Zweifel am Reformwillen der Regierung.

Nichts mit Rache zu tun

Der UN-Sondergesandte Tomas Ojea Quintana hatte nach einem Besuch in Burma im August gesagt, es gebe Anzeichen für eine Besserung der Menschenrechtslage, doch blieben weitere ernste Probleme. Suu Kyi sagte im AFP-Gespräch, eine UN-Untersuchung wie nach dem Ende der Apartheid in Südafrika könnte auch in ihrem Land helfen. «Ich denke, für zukünftige Harmonie und Vergebung müssen die Fakten festgestellt werden», sagte Suu Kyi. «Das ist kein Tribunal und hat nichts mit Rache zu tun.» (wid/AFP)

Erstellt: 18.09.2011, 10:54 Uhr

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