Burma zählt erstmals seit 30 Jahren sein Volk

In den kommenden zwölf Tagen wird in Burma die Bevölkerung registriert – erstmals seit 1983. Zehntausende Helfer sind ausgeschwärmt. Das Vorhaben birgt Konfliktpotenzial.

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Erstmals seit dreissig Jahren findet in Burma eine Volkszählung statt. Zehntausende Helfer schwärmten heute in dem südostasiatischen Land aus, um die Bevölkerung zu registrieren. Der zwölftägige Zensus ist der erste in dem von Armut gebeutelten Staat seit 1983.

Die Volkszählung in dem armen und teilweise von gewaltsamen Aufständen geplagten Land wird vor allem von Lehrern und Behördenmitarbeitern vorgenommen. Das ehrgeizige Vorhaben wurde aber bereits vor dem Start vom Streit zwischen Buddhisten und der muslimischen Minderheit der Rohingya im Bundesstaat Rakhine infrage gestellt.

Drohen mit Boykott

Buddhistische Nationalisten drohten, den Zensus zu boykottieren, sollte die Zugehörigkeit zu der Minderheit dabei erfasst werden. Die Buddhisten fürchteten, die offizielle Anerkennung der staatenlosen Minderheit könnte dazu führen, dass ihnen politische Rechte gegeben werden.

Aufgrund der Proteste verzichteten die Behörden schliesslich auf die Erfassung der Minderheit als «Rohingya». Stattdessen sollen sie als «Bengali» registriert werden – ein Begriff, der die offizielle Sicht der Behörden widerspiegelt, wonach es sich um illegale Migranten aus dem benachbarten Bangladesh handelt.

Zahlreiche Rohingya in den Flüchtlingslagern rund um die Stadt Sittwe lehnten es aber ab, sich als «Bengali» zu registrieren. «Ich wurde hier geboren, meine Eltern wurden hier geboren. Ich wurde als Bürger von Burma geboren. Ich werde mich nicht als ‹Bengali›, sondern als ‹Rohingya› registrieren», sagte etwa der 58-jährige Hla Myint.

Blutige Unruhen

2012 war es in Rakhine zu blutigen Unruhen gekommen, bei denen Dutzende – überwiegend Muslime – ums Leben kamen und Zehntausende Rohingya vertrieben wurden. Die Zahl der Rohingya wird auf etwa eine Million geschätzt.

Zur Wochenmitte gab es in Sittwe Angriffe von Buddhisten auf Einrichtungen internationaler Hilfsorganisationen. Ein elfjähriges Mädchen wurde bei einem Einsatz von Sicherheitskräften versehentlich erschossen. Die Hilfsorganisationen zogen sich daraufhin aus Rakhine zurück.

Weitreichende Reformen

Neben dem Konflikt in Rakhine gibt es auch in mehreren anderen Bundesstaaten Spannungen und teils bewaffnete Aufstände ethnischer Minderheiten. Die Volkszählung soll der Regierung aktuelle Informationen über die Bevölkerung liefern.

Burma war jahrzehntelang von einer Militärjunta beherrscht worden. Seit März 2011 gibt es eine formal zivile Regierung, an deren Spitze der frühere General Thein Sein steht. Durch die Einleitung weitreichender politischer, sozialer und wirtschaftlicher Reformen erreichte er bereits die Aufhebung zahlreicher gegen sein Land verhängter Sanktionen. (wid/AFP)

Erstellt: 30.03.2014, 18:11 Uhr

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