Das Grauen des Krakatau ist zurück

Als der indonesische Ur-Vulkan ausbrach, war der Donner 5000 Kilometer weit zu hören. Nun hat der «Sohn des Krakatau» neues Leid gebracht.

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Die Eruption vom 27. August 1883 erzeugte einen unheimlich lauten Knall. Noch in 5000 Kilometern Entfernung war das Donnern zu hören, als der legendäre Vulkan Krakatau in die Luft flog und Verderben über die Menschen brachte. Der Ausbruch aber war weder Anfang noch Ende einer äusserst explosiven Geschichte, wie Indonesien in der Nacht zum Sonntag leidvoll erfuhr. Das Grauen des Krakatau ist zurück, wieder haben die Naturgewalten viele Menschen in den Tod gerissen.

Aus der Asche des alten explodierten Vulkans war damals schon bald ein neuer geboren worden, sie nannten ihn «Anak Krakatau», das Kind des Krakatau. Dieser Jüngling, der im Laufe des 20. Jahrhunderts in der Meerenge zwischen den Inseln Sumatra und Java allmählich heranwuchs, eifert nun dem Vater nach und beweist seine zerstörerische Kraft.

Um 21.03 Uhr brach der Anak Krakatau am Samstag aus, 24 Minuten später traf eine Flutwelle auf die Strände, die die Bewohner der Millionenmetropole Jakarta gerne als Ausflugsziel am Wochenende ansteuern. Wie ahnungslos sie waren, zeigt ein Video von einem Rockkonzert der lokalen Band «Seventeen» an der Westspitze von Java. Man sieht, wie die Musiker mit ihren Gitarren über die Bühne hüpfen, es herrscht gute Stimmung unter dem Zeltdach am Strand, der Schlagzeuger drischt auf seine Trommeln ein, die Nebelmaschine bläst Rauch in die Luft. Dann kommt das Wasser.

Die Flut bricht von hinten über die Bühne herein, sie spült zuerst die Musiker und Instrumente weg und rauscht weiter durch die Reihen der Gäste, die um ihr Leben zu laufen beginnen. Dann bricht das Video ab. Der Bassist und der Manager überlebten den Abend nicht, wie der Bandleader am Sonntag auf Instagram schrieb. Auch viele andere Menschen an den Stränden haben sich nicht retten können.

Am Sonntagnachmittag waren 222 Tote bestätigt, Hunderte Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht, das indonesische Fernsehen zeigte Bilder von verwüsteten Häusern und Schuttbergen entlang der Küste, die Behörden rechneten mit einem weiteren Anstieg der Opferzahlen.


Video: Tsunami in Indonesien

Der Tsunami hat über 220 Menschenleben gefordert und eine Spur der Verwüstung hinterlassen.


«Diese Art Katastrophe ist nur schwer vorherzusehen», sagt Tsunami-Experte Jörn Lauterjung vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam am Telefon. «Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ist diese Flutwelle durch abgerutschte Flanken des Vulkans oder Erdrutsche unter der Meeresoberfläche ausgelöst worden.»

Ein Erdbeben war diesmal also nicht die Ursache. «Aus den Aufzeichnungen der letzten hundert Jahre weiss man, dass Tsunamis als Folge von Vulkanausbrüchen nur etwa fünf Prozent der Fälle ausmachen, 90 Prozent werden durch Erdbeben ausgelöst.» Seit der Katastrophe von 2004, als durch eine riesige Flutwelle im Indischen Ozean mehr als 230'000 Menschen starben, ist ein Frühwarnsystem für Tsunamis installiert, die durch Erdbeben ausgelöst werden. Doch sie schlagen bei Vulkanausbrüchen nicht an.

Einen Alarm gab es diesmal also nicht, Lauterjung hat auch Zweifel, ob ein solcher im aktuellen Fall viel genützt hätte. «Dafür müsste man Sensoren am Meeresboden anbringen, bei den kurzen Distanzen vom Vulkan zur Küste hätte man aber nur eine Vorwarnung von ganz wenigen Minuten gehabt, wenn überhaupt. Und so etwas überall zu installieren, kostet viel Geld.»


Bilder. Tsunami in Indonesien


Am Samstag war Vollmond, deshalb war die Flut ohnehin besonders stark. Das wirkte sich vermutlich auch auf die Höhe des Tsunamis aus, wie Katastrophenschützer Sutopo Purwo Nugroho erklärte. Gleichwohl war die Welle viel kleiner als jene im Oktober, die den Ort Palu auf der weiter östlich gelegenen Insel Sulawesi verwüstete. Am Samstagabend betrug die Höhe in Java etwa einen Meter. Doch das reichte, um eine grosse Zahl von Menschen zu töten, an den Stränden und in ufernahen Behausungen sind alle sehr verwundbar, wenn es keine Vorwarnung gibt. «Dieses Land trifft es schon besonders hart», sagt Lauterjung.

Allein die Katastrophen dieses Jahres: die Erdbeben von Lombok im Sommer, der Tsunami auf Sulawesi und nun auch noch der Ausbruch des Sohnes des Krakatau. Und doch ist das alles weit entfernt von den Verheerungen, die der Vatervulkan 1883 über die Menschen brachte. In 64 Kilometern Entfernung notierte damals der Kapitän des britischen Schiffes Norham Castle: «So gewaltsam sind die Explosionen, dass meiner halben Crew die Trommelfelle geplatzt sind.» Der Ausbruch löste gewaltige Tsunamis aus, man nimmt an, dass mehr als 36'000 Menschen starben. Der Kapitän schrieb ins Logbuch: «Ich bin überzeugt, der Tag des Jüngsten Gerichts ist gekommen.»

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 23.12.2018, 15:15 Uhr

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