Der Eskalationsplan

Was, wenn die Hongkonger Führung nicht auf die Demonstranten eingeht? Studentenanführer Alex Chow sieht drei weitere Stufen des Protests vor.

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Im Kampf um die Macht in Hongkong drohen sich die Fronten am chinesischen Nationalfeiertag zu verhärten. Der umstrittene Regierungschef Leung Chun-ying nahm am Mittwoch zwar wie geplant an der Zeremonie zum 65. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik teil. Doch hinter den Polizeibarrikaden forderten Tausende Bürger lautstark seinen Rücktritt. Leung zeigte sich hart und liess ein Ultimatum der Demokratiebewegung um Mitternacht verstreichen.

Alex Chow, der Generalsekretär der Hongkonger Studentenvereinigung, erklärte, die Demonstranten erwögen nun eine Reihe von Schritten. Dazu gehörten eine Ausweitung der Proteste, ein Arbeiterstreik und möglicherweise die Besetzung eines Regierungsgebäudes. Auf den Strassen rief die Menge «Jiayou! Jiayou!» (auf Deutsch: «Weitermachen!»), während viele ihre Handy-Taschenlampen schwenkten.

Pekings Botschaft

Die Regierung in Peking verurteilte die Proteste zwar als illegal, überliess das Vorgehen vor Ort aber der halbautonomen Regierung der Sonderverwaltungszone. Chinas Präsident Xi Jinping versprach in einer Rede zum Nationalfeiertag lediglich, den Wohlstand und die Stabilität Hongkongs «standhaft zu schützen.»

Hinter den Kulissen will sich nun das Vereinigte Königreich einschalten. Zwar sei es nicht an Grossbritannien, sich in jedes i-Tüpfelchen der Pläne Pekings einzumischen, sagte Premierminister Cameron am Dienstag. Doch sei es wichtig, dass die Bürger von Hongkong ein echtes Recht darauf hätten, ihren Regierungschef zu bestimmen. Darüber wolle er mit dem chinesischen Botschafter in Hongkong sprechen.

Regierungschef bis 2017 im Amt

Die chinesische Führung hatte bei der Übernahme der einstigen britischen Kolonie Hongkong 1997 versprochen, dass die Bewohner 2017 ihren Chefadministrator selbst bestimmen dürfen. Doch im August entschied sie, dass sie nur handverlesene Kandidaten für die Wahl akzeptiert: Die Bewerber müssen vorab von einer Peking-freundlichen Kommission bestätigt werden. Dagegen protestiert eine wachsende Demokratiebewegung in der Metropole.

Erstellt: 01.10.2014, 09:49 Uhr

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