Der Kurier, der die USA zu Bin Laden führte

Vier Jahre lang heftete sich der US-Geheimdienst an die Fersen von Abu Ahmed. Dann beging der Kurier einen entscheidenden Fehler, der zum Tod von Osama Bin Laden führte.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Abu Ahmed war die Achillesferse der Terrororganisation al-Qaida. In einer langwierigen Aktion machte ihn die CIA ausfindig. Dem Geheimdienst war schon lange klar, dass der Weg zu Osama Bin Laden über die Kuriere des Terrorfürsten führte. Nur sie kannten sein Versteck. Denn Bin Laden war vorsichtig genug, keinem al-Qaida-Kämpfer, nicht einmal seinen obersten Kommandanten, seinen Aufenthaltsort zu verraten.

Irgendwie musste der Top-Terrorist aber mit seinen Leuten kommunizieren. Und weil er in seinem Versteck aus Sicherheitsgründen auf moderne Kommunikationstechnologien wie das Internet verzichtete, setzte Bin Laden auf einen persönlichen Boten: auf Abu Ahmed.

Wie der Mann richtig hiess, ist nicht bekannt – die USA verraten laut CNN seinen Namen nicht. Lange kannte auch die CIA nur seinen Kampfnamen, Abu Ahmed al-Kuwaiti. Der Mittelsmann stammte offenbar aus Kuwait, er soll aber in Pakistan geboren worden sein. Erste Hinweise auf ihn hatten CIA-Gefangene nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gegeben. Die entscheidenden Informationen kamen aus Guantánamo, wie die Nachrichtenagentur AP schreibt. Als die CIA al-Qaidas Nummer 3, Khalid Sheik Mohammed, schnappte, gab dieser zu, Abu Ahmed al-Kuwaiti zu kennen. Der Mann habe aber mit der Terrororganisation nichts zu tun, behauptete er.

Terror-Chefs legten falsche Fährten

Ein weiterer Gefangener und Vertrauter von Osama Bin Laden, Hassan Ghul, gab den Amerikanern eine weitere Information: Der Gesuchte halte sich im Umfeld von Faraj al-Libi auf, der Khalid Sheik Mohammed als Nummer 3 der al-Qaida ersetzte. 2004 erwischten die USA auch Faraj al-Libi. Und dieser stritt ab, Abu Ahmed al-Kuwaiti zu kennen. Er erfand den Namen eines anderen Kuriers. Die CIA wusste inzwischen aber von anderen Guantánamo-Gefangenen, dass al-Kuwaiti für Bin Laden arbeitete. Die Tatsache, dass Mohammed und Ghul die CIA von dieser Spur abzubringen versuchten, habe den Geheimdienst darin bestärkt, den Mann ausfindig zu machen, schreiben CNN und AP.

Die CIA benötigte mehrere Jahre, bis dies gelang. Die wahre Identität von Ahmed fand der Geheimdienst vor vier Jahren heraus. Zwei Jahre später wussten die Ermittler immerhin, in welcher Region der Mann tätig war. Ein Schlüsselmoment war gemäss einem Insider, der sich gegenüber der Nachrichtenagentur AP ohne Namen zitieren liess, Mitte 2010. Ahmed war offenbar unvorsichtig geworden und führte damals ein Telefongespräch mit einer Person, die der Geheimdienst schon eine Weile überwachte.

Nun war der gesuchte Kurier endgültig auf dem Radar der USA. Nur kurze Zeit später, im August vergangenen Jahres, führte er dann die CIA unwissentlich zum geheimen Versteck von Osama Bin Laden. Ahmed und sein Bruder lebten offenbar selber im luxuriösen Unterschlupf des Terrorchefs in der pakistanischen Stadt Abbottabad. Die beiden starben zusammen mit Bin Laden, als eine US-Spezialeinheit das Haus stürmte.

Erstellt: 03.05.2011, 12:17 Uhr

Der Tod von Bin Laden beschäftigt die Pakistani: Zeitungsleser in Karachi. (Bild: Keystone )

Bildstrecke

Amerikaner feiern den Tod von Osama Bin Laden

Amerikaner feiern den Tod von Osama Bin Laden In den USA haben sich Tausende auf den Strassen versammelt, um den Tod des Terroristenführers zu bejubeln.

Artikel zum Thema

Obama verfolgte Bin Ladens Tod live mit

Das Weisse Haus hat Bilder veröffentlicht, die den US-Präsidenten und seine Entourage während der Aktion gegen Osama Bin Laden zeigen. Sie hörten live mit, was sich in Pakistan abspielte. Mehr...

In einem «beschwerten Sack» ins Meer befördert

In Bin Ladens Residenz sollen sich zum Zeitpunkt der Tötungsaktion viele Frauen und Kinder aufgehalten haben. Auch Details über die Bestattung auf dem Meer des ehemaligen Al-Qaida-Chefs wurden bekannt. Mehr...

Wie die Amerikaner Bin Laden fanden und töteten

Hintergrund Bei der Aktion einer US-Spezialeinheit im Norden Pakistans starb Osama Bin Laden durch einen Kopfschuss. Die entscheidende Figur bei der Suche nach dem Terrorfürsten war ein Bote von Bin Laden. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Es sammelt sich nur der Staub in ihnen: Frauen zerschmettern in Indien Töpfe aus Ton, um gegen den Mangel an Trinkwasser zu protestieren. (16. Mai 2019)
(Bild: Amit Dave) Mehr...