Der Sohn des Helden und der «Super-Bulle»

Bo Xilai gehörte zu Pekings innerstem Machtzirkel. Nun wurde der ehrgeizige chinesische Spitzenpolitiker abgesetzt – ob seine Ideologie dabei eine Rolle spielte, ist unklar.

Bo Xilais (l.) Karriere dürfte zu Ende sein: Der abgesägte Parteiführer unterhält sich an der Eröffnungssitzung des Volkskongresses mit einem Militärvertreter. (5. März 2012)

Bo Xilais (l.) Karriere dürfte zu Ende sein: Der abgesägte Parteiführer unterhält sich an der Eröffnungssitzung des Volkskongresses mit einem Militärvertreter. (5. März 2012) Bild: AFP

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Der Machtkampf in Chinas künftiger Führungsgeneration ist entschieden. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei setzte den ehrgeizigen Spitzenpolitiker Bo Xilai als Parteichef der Metropole Chongqing ab, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Gründe für die Entlassung nennt Xinhua nicht. Der frühere Handelsminister galt als aussichtsreicher Kandidat für einen einflussreichen Posten in der chinesischen Führung. Nach einem Skandal um seinen Polizeichef und Spekulationen um Korruptionsvorwürfe wurde das Politbüromitglied durch Vizepremier Zhang Dejiang ersetzt.

Aufsteigender Star

Der Personalwechsel dürfte das Ende der Karriere des aufsteigenden Stars in der Partei bedeuten, der für einen linkskonservativen Kurs stand. Beobachter gingen davon aus, dass er voraussichtlich auch seinen Sitz im Politbüro verlieren wird. Bo Xilai hatte bis zuletzt um seinen Platz in der künftigen Führungsgeneration und sein politisches Überleben gekämpft.

Der 62-Jährige ist Sohn des legendären Revolutionärs Bo Yibo, der einst zur kommunistischen Machtelite gehörte. Um Bo und seinen als «Super-Bulle» bekannt gewordenen Polizeichef Wang Lijun hatte sich der bisher grösste Skandal im Umfeld der künftigen Führungsgeneration entwickelt.

Spekulationen um Richtungskampf

Da Bo Xilai in Chongqing eine spätmaoistische, ideologische Kampagne verfolgt, nährte das Tauziehen um sein Schicksal auch Spekulationen um Richtungskämpfe in der künftigen Führung um Vizepräsident Xi Jinping. Xi soll auf dem Parteitag im Herbst im Rahmen eines lange vorbereiteten Generationswechsels das Ruder übernehmen.

Mit der Absetzung des charismatischen Politikers und früheren Handelsministers Bo Xilai war bis nach dem gestrigen Abschluss der Tagung des Volkskongresses gewartet worden, um das wichtige politische Jahrestreffen nicht zu überschatten.

Auf seiner Abschlusspressekonferenz hatte Regierungschef Wen Jiabao den Parteichef der 32-Millionen-Metropole wegen des Skandals schon deutlich kritisiert. Die Parteiführer von Chongqing müssten «ernsthaft über den Zwischenfall nachdenken und Lehren daraus ziehen», sagte Wen Jiabao ungewöhnlich offen.

Mysteriöse Flucht

Der Politthriller begann im Februar mit der Flucht des «Super-Bullen» in das amerikanische Konsulat in Chengdu. Es folgte eine diplomatische und politische Krise. Angeblich soll Wang Lijun um sein Leben gefürchtet und Asyl gesucht haben.

Nach einem Tag begab er sich nach US-Angaben freiwillig in die Obhut der Pekinger Zentralregierung. Nach unbestätigten Berichten soll Wang Lijun auch Belastungsmaterial gegen seinen früheren Chef Bo Xilai haben, den er als «grössten Mafia-Boss» beschrieben haben soll.

Harter Kampf gegen die Mafia

Die Entsendung von Vizepremier Zhang Dejiang aus Peking deutet darauf hin, dass die Zentralregierung jetzt in Chongqing aufräumen will, wie Beobachter meinten. Bo Xilai sowie sein alter Weggefährte Wang Lijun waren zentrale Figuren im Kampf gegen organisiertes Verbrechen in der aufsteigenden Metropole.

Ihr Vorgehen gegen Korruption und das alte Beziehungsgeflecht von Justiz, Wirtschaft, Polizei und Politik in Chongqing war wegen harter und angeblich auch nicht immer legaler Methoden ins Schussfeld der Kritik geraten. (ami/sda)

Erstellt: 15.03.2012, 07:49 Uhr

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