Die Taliban beenden ihren Winterschlaf

Eine koordinierte Serie mehrerer Attacken in ganz Afghanistan hat zu heftigen Gefechten geführt. In Kabul mussten Abgeordnete aus dem Parlament heraus zurückschiessen.

Kampf gegen die Taliban: Ein Soldat feuert in Kabul aus seiner Deckung hinter einem gepanzerten Fahrzeug. (15. April 2012)

Kampf gegen die Taliban: Ein Soldat feuert in Kabul aus seiner Deckung hinter einem gepanzerten Fahrzeug. (15. April 2012) Bild: AFP

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Eine Serie von koordinierten Angriffen radikaler Islamisten hat heute Kabul und den Osten des Landes erschüttert. In der Hauptstadt waren laut übereinstimmenden Angaben unter anderem die Botschaften Deutschlands und der USA im Diplomatenviertel sowie das Parlament betroffen.

Die radikalislamischen Taliban übernahmen die Verantwortung für die Angriffsserie und teilten mit, an den Attacken seien «viele Selbstmordattentäter» beteiligt. Ein Sprecher sagte AFP, es handle sich um den «Beginn der Frühjahrsoffensive». Die radikalen Islamisten wollten damit unter Beweis stellen, dass sie entgegen mancher Behauptungen kampffähig seien. Die Aufständischen ziehen sich in den kalten afghanischen Wintern regelmässig zurück und intensivieren ihre Angriffe auf die Regierung und die NATO-Truppe ISAF im Frühling wieder.

Politiker schiessen aus dem Parlament

Beim Angriff auf das Parlament in Kabul haben einige Abgeordnete nicht lange gefackelt: An der Seite von Polizisten und Soldaten hätten sie das Feuer gegen die Aufständischen eigenhändig erwidert. Das sagte der Parlamentarier Mohammed Naeem Lalai der Nachrichtenagentur AFP. Gemeinsam schossen sie demnach auf Angreifer, die sich nach dem gescheiterten Versuch, das Parlament zu stürmen, in einem Haus in der Nachbarschaft verschanzten.

«Mehrere Abgeordnete, darunter meine Leibwächter und ich, haben die Schüsse der Taliban erwidert», sagte Lalai. Die Aufständischen hatten in Kabul unter anderem das Diplomatenviertel und das Parlament angegriffen.

Botschaften werden geschlossen

In der östlichen Stadt Dschalalabad wurde der Flughafen angegriffen, wo sich auch ein NATO-Stützpunkt befindet. Von den Angriffen im Diplomatenviertel von Kabul sei auch die deutsche Botschaft betroffen, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. Es gebe «kleinere Sachbeschädigungen» auf deren Gelände. «Nach bisherigen Erkenntnissen» sei aber niemand zu Schaden gekommen, gab die Sprecherin an.

AFP-Korrespondenten zufolge waren auch in der Nähe der US-Botschaft schwere Explosionen und Schüsse zu hören. Die Botschaft löste Alarm aus und forderte ihre Mitarbeiter auf, sich in Sicherheit zu bringen. Ein Sprecher sagte später, die diplomatische Vertretung sei geschlossen worden. Alle Mitarbeiter seien unverletzt in Sicherheit gebracht worden.

Mehrere Regierungsgebäude gestürmt

Mehrere Kämpfer versuchten nach offiziellen Angaben zudem, in das Parlament einzudringen, seien aber von Sicherheitskräften überwältigt worden. Laut Polizei wurde auch der neunte Stadtbezirk im Süden Kabuls Ziel der Attacken. Augenzeugen zufolge stürmten Angreifer zudem das neue Hotel Kabul Star nahe des UN-Büros, einer US-Militärbasis sowie des Präsidentenpalasts und setzten es in Flammen.

Die Polizei teilte mit, ein Angreifer sei getötet worden, als Einsatzkräfte gegen Aufständische vorgingen, die sich in einem Gebäude neben dem Parlament verschanzt hatten. Demnach hielten sich bewaffnete Kämpfer auch in anderen höheren Gebäuden versteckt. In der Provinz Logar südlich von Kabul stürmten Selbstmordattentäter nach offiziellen Angaben mehrere Regierungsgebäude und eine US-Basis.

Weitere Angriffe im Osten des Landes

Im Osten Afghanistans wurden laut Polizei mehrere Menschen verletzt, als sich zwei Selbstmordattentäter am Flughafen von Dschalalabad in die Luft sprengten. Zwei weitere mit Sprengstoff ausgerüstete Angreifer seien verletzt festgenommen worden. In der östlichen Stadt Gardes griffen mehrere Aufständische nach Behördenangaben ein Ausbildungslager der Polizei an und töteten vier Zivilisten.

Die US-Botschaft war zuletzt Ende September Ziel eines Angriffs gewesen. Bei einer Schiesserei starben damals ein US-Bürger und der Angreifer. Zwei Wochen zuvor hatten Aufständische einen Grossangriff auf das Diplomatenviertel in Kabul verübt. Bei der rund 19 Stunden dauernden koordinierten Attacke wurden mindestens 14 Afghanen getötet.

Vor der Angriffsserie teilten die afghanischen Behörden mit, binnen eines Tages seien etwa hundert Taliban getötet, verletzt oder festgenommen worden. Den Angaben zufolge geschah dies in einer zwischen den afghanischen Sicherheitskräften und der in Afghanistan stationierten NATO-Truppe ISAF abgestimmten Aktion. (rub/mrs/afp)

Erstellt: 15.04.2012, 18:22 Uhr

Die radikalen Islamisten griffen koordiniert mehrere Ziele ausländischer Kräfte im ganzen Land an. (Video: Reuters )

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